BIETIGHEIM-BISSINGEN, 12. MAI 2010
Schlossfestspiel-Intendanz im Publikumsgespräch in Bietigheim-Bissingen
Liebesbeweis mit Hindernis
Die Schlossfestspiele kommen im Juli zweimal nach Bietigheim-Bissingen. Vorab auf Stippvisite war die Intendanz und stand Rede und Antwort.
Es ist ein Novum an diesem Montagabend. Erstmals seit über 20 Jahren, so die Moderatorin des Publikumsgesprächs, Gabriele Szczegulski, Kulturredakteurin der Bietigheimer Zeitung, macht die Intendanz der Schlossfestspiele dem Außenspielort an Enz und Metter die Aufwartung. Ein viel versprechender Anfang also.
Im Mittelpunkt steht die Neuausrichtung der Spiele im Allgemeinen und der beiden Stücke, die in Bietigheim-Bissingen am 16. und 17. Juli zu sehen sein werden, im Besonderen: Mozarts Reqiuem d-Moll und die Fortführung des unvollendeten Werks in dem Stück "Koan" von Richard von Schoor sowie Händels Arien der Kastraten unter dem Titel "Fiamme del core".
Bei den Schlossfestspielen ist in diesem Jahr vieles anders. Dazu zählt nicht nur dieser Besuch im Schloss, sondern mit der Neubesetzung der Intendanz durch Thomas Wördehoff und seinen Stellvertreter Uwe Schmitz-Gielsdorf ist ein frischer Geist zu verspüren. Am Montag mit von der Partie ist auch der Chefdramaturg Lucas Reuter.
Immer wieder ist von dem neuen Konzept der Schlossfestspiele die Rede. "Unsere Aufführungen müssen wir so machen, wie sie andere nicht machen", formuliert Wördehoff. Und das bedeutet auch: Man wolle alles andere als ein Konzertbetrieb sein. Weltstars, die für einen einzigen Auftritt verpflichtet werden und am Tag danach gleich wieder abreisen, ist nicht nach dem Geschmack der künstlerischen Leitung. Der Ensemblegedanke steht im Vordergrund, es soll eine Verknüpfung zwischen den Künstlern, dem Publikum und dem Festspielort stattfinden - der Künstler soll erfahrbar, nahbar gemacht werden.
So wolle man eine Art "Ausnahmezustand" beim Zuschauer erreichen. "Unverwechselbar, einzigartig" sollen die Festspiele sein. Mit dazu soll die Wahl der Spielstätte beitragen. So wird beispielsweise das Mozart-Requiem in Bietigheim-Bissingen in der St. Laurentiuskirche aufgeführt, die Kirche ist damit erstmals Veranstaltungsort.
Die Vorfreude auf die Schlossfestspiele ist groß. Eine Besucherin spricht davon, dass sie allein beim Lesen des Programmhefts, das - wie kann es anders sein - von Grund auf neu konzipiert wurde, von ihren Gefühlen mitgenommen wurde: "Ich war völlig aufgerissen".
Wördehoff, Schmitz-Gielsdorf und Reuter können an diesem Abend ein positives Fazit ziehen - auch wenn die Resonanz auf das Publikumsgespräch in den nächsten Jahren sicherlich besser ausfallen könnte. Einerseits. Andererseits werden die drei aber auch damit konfrontiert, dass sich Bietigheim-Bissingen zurückgesetzt fühlt.
Das hängt damit zusammen, dass die beiden Mozart- und Händel-Stücke zuerst in Ludwigsburg zu sehen sind. Erst dann kommt das Ensemble, Chor und Orchester unter der Leitung des Chefdirigenten Michael Hofstetter, nach Bietigheim-Bissingen. Das böse Wort der "Zweitverwertung" macht die Runde - zur sichtlichen Überraschung von Wördehoff und Schmitz-Gielsdorf, die doch mit ihrem Auftritt hier der Stadt und den Festspielfans einen Liebesbeweis erbringen wollten. Doch denkste.
Dabei könnten Wördehoff und Co. die Situation so einfach meistern. Sie müssten nur die Idee von Moderatorin Gabriele Szczegulski aufgreifen und die Premieren eben in Bietigheim-Bissingen feiern - beim nächsten Mal dann, das wäre eine wunderbare Geste.
Redaktion: ARMIN SCHULZ