2. Handball-Bundesliga Erste Heimniederlage für die SG BBM Bietigheim

Von Claus Pfitzer
Jonathan Fischer (am Ball) trifft gegen Lübbecke vom Kreis teilweise auch artistisch. Mal liegt er quer in der Luft, mal netzt er mit dem Rücken zum Tor. Foto: /Martin Kalb

Trotz der überragenden Außen Strosack und Hermann, die zusammen 16 Tore erzielen, verliert der Zweitliga-Tabellenführer SG BBM Bietigheim nach einer Sechs-Tore-Führung gegen Lübbecke.

Das Duell der beiden Startrainer der Zweiten Bundesliga zwischen Iker Romero und Davor Dominkovic, die 2005 als Spieler mit dem FC Barcelona die Champions League gewonnen haben, endete mit einer Überraschung. Mit dem 31:30-Sieg sorgte der TuS N-Lübbecke für die erste Heimniederlage des Tabellenführers SG BBM Bietigheim im elften Spiel vor heimischer Kulisse. Das Team von Coach Dominkovic lag nach zwölf mit 3:9 in Rückstand, holte auf und führte zur Halbzeit mit 15:13. Trotz der überragenden Außen Moritz Strosack und Til Hermann, die zusammen 16 Treffer erzielten, reichte es für die SG BBM nicht zum Heimerfolg.

Ineffizienz aus dem Rückraum

Nur zwei Treffer aus dem Rückraum waren gegen den stabilen Innenblock der Gäste zu wenig. Fünfmal am Kreis konnte sich immerhin Jonathan Fischer erfolgreich durchsetzen, ein Höhepunkt der Partie war sein Treffer mit der Rückhand zum 23:25. Durch die Siege der Verfolger Balingen-Weilstetten und Dresden am Wochenende ist der Vorsprung der SG BBM an der Tabellenspitze auf zwei Punkte geschrumpft. Schon am Mittwoch (20 Uhr) muss die SG BBM wieder ran und ist beim HSC Coburg zu Gast.

„Es ist immer wieder unglaublich schön, in dieser Halle und vor diesen Zuschauern zu spielen. Ich bin noch im regen Austausch mit einigen Spielern. Schön ist auch, dass wir gewonnen haben. Nach den sechs Toren Rückstand haben wir alles reingeworfen und den Schalter umgelegt. In der zweiten Halbzeit haben wir bis auf dreimal die Führung verteidigt“, freute sich TuS-Torhüter Fredrik Genz, der bis zum Sommer noch für die SG BBM gespielt hat. „Vielleicht waren wir nach den sechs Toren Vorsprung zu sicher und haben ein, zwei Gänge runtergeschaltet und haben es uns selbst kaputt gemacht. Die Abwehr war in dieser Phase nicht das Problem, sondern vorne, als wir in so kurzer Zeit so viele technische Fehler hatten. Dann wird es natürlich schwierig. Es war insgesamt zu wenig. Wir sind super ins Spiel reingekommen, dann hat irgendwas gefehlt, auch die Emotionen. Heute war ein gebrauchter Tag von uns“, kommentierte Bietigheims Dominik Claus die Partie.

Die Gastgeber erwischten einen super Start, gingen trotz eines verworfenen Siebenmeters von Tom Wolf mit 3:0 in Führung, präsentierten sich spielfreudig und treffsicher, vor allem Rechtsaußen Moritz Strosack, der zum 9:3 vier Tore beitrug. Dann erwachte der Kampfgeist der Gäste, die bis dahin vor allem in der Offensive wenig zustande gebracht hatten und erst mit dem vierten Angriff ihren ersten Treffer erzielten. Mit Torwart Genz im Rücken, der in der ersten Hälfte sechs Paraden ablieferte, kam die TuS in einen Flow, nutzte mehrere Tempogegenstöße nach Bietigheimer Ballverlusten und führte nach 30 Minuten mit 15:13.

Mit Jan Hrdlicka für den anfangs starken, dann aber einige Male unglücklich agierenden Martin Tomovski im Tor, machte sich die SG BBM nach der Pause an die Aufholjagd. Nach dem 13:16 glichen die Gastgeber durch einen Rückraum-Kracher und einen Siebenmeter von Wolf sowie einem Treffer von Hermann nach einem schnellen Gegenstoß zum 16:16 aus. Auch beim 17:17 und 22:22 lag das Romero-Team gleichauf, doch zu einer Führung reichte es nicht mehr. In Tim Wieling hatten auch die Gäste einen äußerst treffsicheren Rechtsaußen, ihm gelangen insgesamt neun Tore. Zudem bekam die SG am Kreis Yannick Träger nicht in den Griff, und Niko Blaauw zeigte, wie Tore auch aus dem Rückraum zu erzielen sind.

Strosack als tragischer Held

Dass ausgerechnet der bislang mit neun Treffer so erfolgreiche Strosack in der Schlussphase zweimal in bester Position an TuS-Torhüter Leon Grabenstein, der Frederik Genz abgelöst hatte, scheiterte, war beinahe schon tragisch. In den letzten Minuten löste Sommer-Neuzugang Nico Bacani auf rechts Strosack ab und erzielte bei seinem Heimdebüt nach langer Verletzungspause gleich einen Treffer. „Unsere Außen haben uns bis dahin ja im Spiel gehalten. Schöner wäre es mit einem Sieg gewesen, jetzt ist die Enttäuschung groß. Ich bin aber auch froh, dass ich nach der langen Pause wieder spielen kann“, meinte der 22-jährige Bacani.

 
 
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