Auch im vierten Anlauf will es nicht gelingen. Dreimal bereits war die SG BBM Bietigheim in die Handball-Bundesliga aufgestiegen, dreimal bereits gelang es den Ellentälern allerdings nicht, sich zudem den Meistertitel zu holen. In dieser Saison sah es lange so aus, als würde das ausgerufene Ziel von Coach Iker Romero endlich erreicht werden. Doch im direkten Duell mit den zweitplatzierten Galliern von der HBW Balingen-Weilstetten lässt sich die SG am letzten Spieltag noch die Butter vom Brot nehmen. Denn dank des 36:22-Siegs der Balinger ziehen die Männer von Matthias Flohr noch an den Ellentälern vorbei und sichern sich die dritte Zweitliga-Meisterschaft der Vereinsgeschichte. Dabei wirkt es für die Balinger so, als würden sie einem Kind ein Eis stehlen, wirklich viel Gegenwehr erfahren sie nicht, Bietigheim hingegen zeigt die schlechteste Leistung der Saison.
2. Handball-Bundesliga Offensiver Offenbarungseid: Bietigheim verspielt die Meisterschaft
Eine offensive Desaster-Class, eine lückenhafte Deckung, eine chancenlose SG BBM, ein Klassenunterschied. Bietigheim bekommt am letzten Spieltag in Balingen mächtig auf den Deckel.
Auf die Frage, ob er wisse, womit die krachende Pleite zu begründen ist, resümiert Romero nach dem Spiel nur trocken: „Nein.“ Seine Mannschaft geht zwar durch Maxim Orlov mit 1:0 in Führung, dann ist allerdings mächtig Sand im Getriebe. Jedes Tor der Balinger wird frenetisch bejubelt. Da die Abstimmung bei der SG nicht klappt, ist Romero schon nach fünf Minuten auf Betriebstemperatur, als Tom Wolf einen Angriff-Abwehr-Wechsel verschläft. Auch spielerisch scheint Bietigheim nicht ganz wach zu sein, keines der ersten vier Kreisanspiele findet den Weg zu Kapitän Fabian Wiederstein.
Balingen gnadenlos
Das gibt den Hausherren die Chance, sich ein kleines Polster herauszuspielen. Unter anderem per herrlichem Kempa-Trick bei drohendem Zeitspiel finden die Gallier Lücken, Sascha Pfattheicher erhöht nach zwölf Minuten erstmals auf Plus vier (8:4). Neben der schwächelnden Bietigheimer Offensive sind auch die Keeper kaum im Spiel, insgesamt drei Paraden sammeln Martin Tomovski und Jan Hrdlicka in Halbzeit eins zusammen. Ex-SG-Keeper Daniel Rebmann, der in der Vorsaison noch das Trikot der Gäste trug, ist dagegen voll da. Mit acht Paraden in den ersten 30 Minuten vernagelt er phasenweise seinen Kasten. Das zwingt Romero beim Stand von 6:11 zur ersten Auszeit. Da allerdings keine Besserung in Sicht ist und die SG nur drei Minuten später bereits mit 7:14 in Rückstand liegt, haut der Iberer gleich ein zweites Mal auf den Buzzer (25.).
Nach diesem Time-Out kommt immerhin kurz Hoffnung bei den zahlreichen mitgereisten SG-Anhängern auf, da Maxim Orlov nun das Spiel an sich reißt und vorne verwertet. Zur Pause ist der Rückstand dennoch mit 11:17 gewaltig und die Hypothek für Durchgang zwei groß. Anstatt allerdings mit frischen Wind aus der Kabine zu kommen und die Kräfte neu zu bündeln, machen die Bietigheimer da weiter, wo sie über weite Strecken der ersten Halbzeit aufgehört haben. Trotz einer Überzahl zu Beginn bleibt Bietigheim über sechs Minuten ohne eigenen Treffer, nutzt vorne weiterhin munter Rebmann als Zielscheibe und sieht sich beim 11:21 zweistellig in Rückstand.
Auch Auszeit drei verpufft
Romero hat genug gesehen: In seinem letzten Spiel für die SG greift er schon jetzt zu seiner letzten möglichen Auszeit des Spiels – wieder erfolglos. Schon 20 Minuten vor Spielende feiern die Gastgeber die Meisterparty, denn das Ergebnis scheint aussichtslos. Im Fanblock und auf der Bank der Bietigheimer macht sich derweil Ernüchterung breit, beinahe alle Spieler sitzen mit gesenkten Köpfen draußen.
Romero versucht dennoch weiterhin alles mögliche, um noch irgendwie das Ergebnis freundlicher zu gestalten, rotiert den Rückraum in jedem dritten Angriff durch, hat allerdings mit keiner Aufstellung Erfolg. Erst in der 40. Minute markiert Fynn Nicolaus den ersten SG-Treffer nach dem Seitenwechsel. Das 12:23 spiegelt die Partie bestens wieder. Offensiv zahnlos, defensiv überfordert, macht die HBW, was sie will. Es ist ein Klassenunterschied. Hrdlicka, der die zweite Halbzeit über im Kasten des Tabellenzweiten steht, bekommt weiterhin kaum eine Hand an den Ball. Der Tscheche ist jedoch der ärmste Spieler auf dem Feld, seine Vorderleute lassen die Werfer zumeist unbedrängt zum Abschluss kommen.
Prantners versöhnlicher Abschied
So dümpelt die Partie ohne viel Spannung, dafür aber weiterhin mit guter Stimmung dem Ende entgegen. Einziger positiver Aspekt ist Max Prantner. Der 25-jährige Südtiroler beendet aufgrund von langwierigen Knieproblemen nach der Saison seine Karriere und darf in seinem letzten Spiel noch ein letztes Mal Minuten sammeln. „Mit meinen Knieproblemen, war das der Traum, dass ich noch einmal reindarf und spielen darf. Für mich war das etwas ganz besonderes, so meine Karriere abzuschließen“, sagt Prantner selbst nach der Partie. 30 Sekunden vor Schluss darf der sich sogar noch ein Mal in die Torjägerliste eintragen.
In den Schlussminuten steht die gesamte ausverkaufte Mey-Generalbau-Arena auf den Füßen und jubelt der Schlusssirene entgegen. Am Ende ist es ein 36:22 für die Gallier, die damit vor heimischer Kulisse die Schale entgegennehmen dürfen.
