26:33 zum Auftakt gegen das Team Esbjerg SG BBM ist noch nicht reif für die Königsklasse

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Die Bietigheimer Rückraumspielerin Stine Jörgensen holt zum Wurf aus, ihre dänische Landsfrau Annette Jensen vom Team Esbjerg stellt sich ihr in den Weg und reißt am Trikot. ⇥⇥ Foto: Marco Wolf

Bietigheim startet mit einem 26:33 gegen Esbjerg in die Gruppenphase der Champions League. Der dänische Meister ist in allen Belangen besser.

Unmittelbar nach der 26:33-Heimschlappe zum Champions- League-Auftakt gegen das Team Esbjerg brauchte Markus Gaugisch ein Ventil, um Frust abzulassen. Der Trainer der SG BBM Bietigheim blies mehrfach die Backen auf und presste die Luft hinaus. Die Enttäuschung im Lager des Bundesligisten war groß. „Das war kein guter Tag für uns und wird auch keine gute Nacht werden“, sagte Gaugisch.

Gegen Dänemarks Meister waren seine Schützlinge am Sonntagnachmittag in allen Belangen unterlegen und verloren auch in der Höhe zu Recht. Die bittere Erkenntnis: Die Spielgemeinschaft aus dem Enztal ist aktuell noch nicht reif für Europas Königsklasse. „Wir waren eigentlich gut vorbereitet, konnten das aber nicht umsetzen“, beteuerte Kapitänin Kim Naidzinavicius.

Abwehr fehlt die Aggressivität

Wie schon beim 29:29 unter der Woche im Erstliga-Hit gegen den Thüringer HC erlaubten sich die Bietigheimerinnen erneut zu viele technische Fehler und Ballverluste. Hinzu kam eine erstaunlich passive Abwehr, die es Esbjerg leicht machte, Tore zu werfen. Ein Indiz für die fehlende Aggressivität in der Deckung war, dass die SG BBM keinen einzigen gegnerischen Siebenmeter verursachte. Da obendrein die Torhüterinnen Emily Stang Sando und Valentyna Salamakha weit von ihrer Bestform entfernt waren, war die Hoffnung auf ein knappes Spiel und einen erfolgreichen Start in die Gruppenphase schnell dahin.

Die Gastgeberinnen fingen vor den 320 Zuschauern in der Ludwigsburger MHP-Arena ganz passabel an und hielten die Begegnung in den ersten zehn Minuten bis zum 5:5 offen. Mit einem 7:1-Lauf zog das am Freitag angereiste Team Esbjerg dann aber bis zur 18. Minute bereits vorentscheidend auf 12:6 davon. Die Skandinavierinnen, die mit nur neun Feldspielerinnen angetreten war und auf ihren noch lange verletzten niederländischen Star Estavana Polman verzichten mussten, spielten variabler. Sie waren ball- und kombinationssicherer und glänzten bis zur Pause mit einer fast schon unheimlichen Treffsicherheit: 83 Prozent betrug da die Erfolgsquote aus dem Feld. Allein die Rückraum-Achse der Gäste mit der Österreicherin Sonja Frey, Mette Tranborg und Kristine Breistol steuerte elf der 19 Esbjerg-Tore im ersten Durchgang bei. Bei einem Halbzeitstand von 12:19 glaubten wohl nur noch unverwüstliche Optimisten unter den SG-Fans an eine Wende.

Zugutehalten muss man den Bietigheimer Frauen, dass sie nie aufsteckten. Doch der Gegner gab ebenfalls nicht klein bei und erlaubte sich keine Schwächephase. Im zweiten Spielabschnitt trumpfte auch noch Marit Rosberg Jacobsen groß auf – die Rechtsaußen erzielte sechs ihrer acht Treffer nach dem Seitenwechsel. Selbst, nachdem der Rückstand beim 18:29 (47.) auf elf Tore angewachsen war, kämpfte das Gaugisch-Ensemble noch verbissen um eine Resultatsverbesserung – und dies wurde zumindest in Ansätzen belohnt. Am Ende leuchtete dennoch eine derbe 26:33-Pleite von der Anzeigetafel. Damit ist die SG BBM auch bei ihrer vierten Champions-League-Teilnahme mit einer Niederlage gestartet.

„Man kann nicht davon ausgehen, dass wir als Bietigheim in der Champions League antreten und alles gewinnen, aber natürlich sind wir unzufrieden. Wir müssen viele Dinge verbessern und aus diesem Spiel lernen“, sagte Gaugisch. Jesper Jensen, sein Esbjerger Trainer-Kollege, machte derweil auf einen wichtigen Unterschied zwischen beiden Mannschaften aufmerksam: „Die deutsche Bundesliga hat gerade erst angefangen, und Bietigheim hat erst zwei Saisonspiele absolviert, wir dagegen in der dänischen Liga schon fünf. Das war heute schon ein Vorteil für uns. Wir spielen schon etwas sicherer zusammen.“

 
 
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