30-jährige Erfolgsgeschichte der Bietigheim Steelers Von der tiefen Provinz bis in die Hauptstadt

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Am 24. April 2009 feierten die Bietigheim Steelers in der Münchener Olympia-Eishalle erstmals die Zweitliga-Meisterschaft. Auf den Aufstieg verzichteten die Steelers seinerzeit jedoch. ⇥ Foto: Fotos: Ralf Poller

Der Weg von Natureisflächen in die großen Arenen dauert 30 Jahre: Die Erfolgsgeschichte der Bietigheim Steelers von der Regionalliga in die DEL.

In 30 Jahren haben die Bietigheim Steelers den langen Weg von der Regionalliga über die bayerische Provinz mit kleinen Eishallen und Natureisflächen wie in Bad Bayersoien oder Lechbruck bis in die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) und den hochmodernen Arenen in Berlin, Köln oder Mannheim geschafft.

Am 3. Mai 1991 begann die Professionalisierung mit der Übernahme des Eishockey-Spielbetriebs durch die Spielgemeinschaft (SG) Bietigheim-Bissingen mit dem Vorsitzenden Gerhard Klett, die aus dem Stadtverband für Sport heraus entstanden ist, um für sportlichen Aufschwung in der Stadt zu sorgen und die Eishalle zu beleben. Mit Werner Neutz als Manager und Stars wie den Finnen Mika Segermann und Petteri Lehmussaari sowie Marius Piasecki gelang auf Anhieb der erste Aufstieg. Ein in Bissingen ansässiger Stahlgroßhändler trat als Sponsor ein und verlieh dem Team den Namen „Steelers“.

1994 hatte die SG mit der Aufnahme in die Zweite Liga Süd ihre Mission erfüllt und übertrug den Spielbetrieb wieder dem SC Bietigheim-Bissingen. Dessen Vorsitz übernahm Manfred Nirk. „Für mich ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. Mit dem Klassenerhalt wird es sehr, sehr schwer, aber es ist nicht unmöglich“, sagt heute der 73-jährige Unternehmer, der seit 2000 den Freundeskreis der Steelers leitet und in all den Jahren väterlicher Freund vieler Spieler war, über den Aufstieg in die Deutsche Eishockey-Liga (DEL). Nirk war schon 1993 an der Verpflichtung von Andrej Kovalev (140 Länderspiele für Russland und Weißrussland) maßgeblich beteiligt. „Er ist bis heute der beste Spieler, der je für die Steelers auf dem Eis war“, steht für Nirk fest. In Nirks dreijährige Amtszeit fiel der Einstieg des Stuttgarter Autobauers Porsche als Hauptsponsor mit zunächst kleinen Summen.

Auftritt gegen VfB Stuttgart

Im Bietigheimer „Altstadtkeller“ verdoppelte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking die zunächst avisierten 50 000 Mark. „Wir hatten an diesem Tag nach 13 Siegen zum ersten Mal verloren, das hatte viel Geld gekostet“, schmunzelt Nirk noch heute über den Coup. Unvergessen für Nirk ist aus dieser Zeit das Eishockeyspiel der Steelers am 6. Dezember 1996 gegen den Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart.

1997 feierten die Steelers ihren ersten großen sportlichen Erfolg mit dem Titel in der Zweiten Liga Süd, dem Aufstieg in die Erste Liga Süd sowie dem Gewinn der deutschen Zweitliga-Meisterschaft gegen den Nord-Titelträger Braunlage. „Erfolg ist planbar“, freute sich Nirk damals. Da die Vorstandschaft auf eine Etaterhöhung drängte, Nirk aber nach der Entschuldung des SC nicht bereit war, ins Risiko zu gehen, trat er zurück und die Präsidenten-Ära des 1994 als Sponsor eingestiegenen Ludwigsburger Geschäftsmanns Eduard Fehr begann. Fehr setzte auf die kanadische Karte mit dem jungen Trainer Tom Pokel und den Spielern Darren Ritchie, Craig Teeple und Tim Leahy, die als legendärer RTL-Sturm ein Markenbegriff waren. In einer „Saison der Superlative“ wurde das Pokel-Team Meister der Zweiten Liga Süd und stieg in die Zweite Bundesliga auf.

Steelers verzichten auf Aufstieg

Unter Trainer Christian Brittig, den Fehr noch verpflichtet hatte, feierten die Steelers in der mittlerweile eingleisigen DEL2 am 24. April 2009 in der Münchener Olympia-Eishalle erstmals die Zweitliga-Meisterschaft. Den frei gewordenen Platz in der DEL nahm der SC aus wirtschaftlichen Gründen nicht ein, zumal Porsche sein Engagement beendet hatte und die Spielstätte nicht erstligareif war. In der Meistersaison hatte Hans-Günther Neumann die Nachfolge Fehrs angetreten und durfte vier Zweitliga-Titel feiern, Gerhard Kaufmann hatte den Vorsitz im Aufsichtsrat übernommen, den er bis heute inne hat.

Glücksgriff Gaudet

Mit der Verpflichtung von Trainer Kevin Gaudet begann Ende 2011 eine unvergleichliche Erfolgsgeschichte. „Gaudet war mit Abstand unser bester Trainer“, lobt Nirk den kanadischen Coach. Gaudet führte das Team vom letzten Platz zum Ligaerhalt und zum Pokalsieg. Es folgten die DEL2-Meisterschaften 2013, 2015 und 2018 sowie drei zweite Plätze. Zum Aufstieg kam es allerdings nicht. Mit der am 21. Dezember 2012 in Betrieb genommenen EgeTrans-Arena, Trainer Gaudet und dem Einstieg von Volker Schoch als neuem Geschäftsführer der mittlerweile gegründeten Spielbetriebs GmbH nahm die Vision vom Einzug in die DEL mehr und mehr Gestalt an.

Schoch hatte aber stets betont, den Aufstieg nur wahrzunehmen, wenn dieser auf sportlichem Weg möglich und wirtschaftlich darstellbar ist. Er hat Wort gehalten, als jetzt die Türe wieder aufging und Trainer Daniel Naud die Steelers zur Endstation Sehnsucht DEL führen konnte.

 
 
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