40. Jahrestag des ersten Länderspiels der deutschen Frauen-Nationalmannschaft Mit Selbstbewusstsein gegen kritische Kommentare

Von Daniel Haug
Jutta Mader (stehend Dritte von links) und Angelika Röcker (stehend Zweite von links) – Teil des Kreisliga-Meisterteams 1981/82 – sind zwei der Pionierinnen des Frauenfußballs beim FVL. Foto: /FV Löchgau

Auf den Tag genau vor 40 Jahren fand das erste offizielle Fußball-Länderspiel der deutschen Frauen-Nationalmannschaft statt. Aus diesem Anlass hat sich die BZ auf Spurensuche begeben zu den Anfängen der Fußball spielenden Frauen beim FV Löchgau.

In der Chronik des FV Löchgau findet sich die Erwähnung eines ersten Spiels weit vor der Länderspiel-Premiere der Frauen-Nationalmannschaft an diesem Donnerstag vor 40 Jahren. Am 20. Februar 1955 spielte ein Frauenteam des FVL gegen die Alten Herren des Vereins. So richtig ins Rollen kam der Frauenfußball in Löchgau dann Ende der 1970er-Jahre. Zu dieser Zeit trat eine Mannschaft, die zu großen Teilen aus Frauen und Freundinnen der aktiven Männerspieler bestand, beim Löchgauer Ortsturnier zu einem Einlagespiel an. „Anschließend hörten einige wieder auf, aber manche hatten ihren Spaß daran gefunden und wollten weiter machen“, erinnert sich Jutta Mader.

Die heute 69-Jährige ist damals über eine Kollegin zur Mannschaft gekommen und war von Anfang an Teil des Teams. „Fußballerisch war keiner von uns vorbelastet. Manche hatten vielleicht mal auf der Straße gekickt, aber wir hatten einfach unsere Freude daran“, erklärt Mader die Motivation zur Installierung einer Frauenmannschaft.

Gründung der Abteilung 1980

Die Fußball spielenden Frauen tragen ihr Anliegen bei der Generalversammlung des Vereins vor und bekommen die Erlaubnis zur Gründung einer eigenen Abteilung. „Wie ich mich erinnern kann, ging das ohne große Widerstände durch“, freut sich Mader auch 40 Jahre später noch. Am 30. Mai 1980 geht die Abteilung an den Start und die Mannschaft nimmt den Spielbetrieb in der Kreisliga auf.

Mit dabei war damals auch Angelika Röcker als junge Spielerin. „Fußball war schon immer meine Leidenschaft. Meine drei Brüder haben gespielt. Aber ich selbst habe mit Volleyball angefangen, weil es in Löchgau erst mal keine Möglichkeit zum Fußball für Mädels gab“, berichtet Röcker. Zwar existierte schon vor dem Start der Löchgauerinnen eine Frauenmannschaft in Freudental, die später nach Kirchheim umzog. für Röcker gab es aber keine Möglichkeit dorthin zu kommen.

Umso größer war die Freude bei der damaligen Schülerin, als ab 1980 dann auch in Löchgau Fußball für Mädels möglich war. „Klar sind wir teilweise belächelt worden. Aber wir hatten auch Unterstützer. Außerdem bin ich so gern zum Fußball gegangen, da hat man auch bestimmte Sachen in Kauf genommen“, stand Röcker stets über den Sprüchen von Außenstehenden. Auch Mader erinnert sich an Kommentare von außen. „Seltsamerweise waren es oft auch Frauen, die das kritisch gesehen haben – nach dem Motto: So lächerlich würde ich mich nicht machen. Aber mein Selbstbewusstsein hat das ausgehalten und, nachdem man gesehen hat, dass wir gar nicht so schlecht spielen, hat sich das auch gelegt“, sagt Mader schmunzelnd.

Der sportliche Erfolg der Löchgauer Frauen lässt nicht lange auf sich warten: Schon im zweiten Jahr nach der Gründung gelingt 1982 die Kreisliga-Meisterschaft und der Aufstieg in die Bezirksklasse. Mader ist damals Löchgaus Spielführerin, hängt ihre Fußballschuhe aber schon bald an den Nagel. „Ich gehörte ja schon zu den älteren Spielerinnen und habe mich dann lieber der Jugendarbeit verschrieben“, erklärt die Löchgauerin. Beim FVL wird sie Abteilungsleiterin und gründet erste Mädchenmannschaften, die sie lange auch selbst trainiert.

Röcker spielt weiter und absolviert bis zu ihrem Laufbahnende 2002 über 400 Pflichtspiele. Damit ist sie bis heute die Rekordspielerin des FVL. Das Highlight ihrer Laufbahn ist, neben den Aufstiegen bis in die Oberliga, zweifelsohne das DFB-Pokal-Spiel 1996 gegen den damals amtierenden DFB-Pokalsieger FSV Frankfurt. „Wir haben zwar eine 0:15-Klatsche bekommen, aber so Spielerinnen wie die damaligen Nationalspielerinnen Birgit Prinz und Sandra Smisek auf dem Löchgauer Sportplatz zu haben, war schon was Besonderes“, blickt Röcker nicht ohne Stolz zurück.

Engagement auch im Verband

Nach dem Ende ihrer aktiven Laufbahn engagiert sie sich als Betreuerin und Organisatorin – und ist so auch dabei, als die Löchgauer Frauen 2008 in die Zweite Bundesliga aufsteigen. Mader setzt sich parallel auch auf Verbandsebene für die Belange der kickenden Mädchen und Frauen ein. 24 Jahre lang ist sie Vertreterin für Frauensport im Bezirk Enz/Murr. In dieser Funktion schiebt sie Prozesse mit an, dass auch die Mädchen feste Trainings- und Spielzeiten sowie passende Staffeleinteilungen bekommen. „Ich wollte etwas bewegen. Deshalb ist es einfach schön, dass Frauenfußball inzwischen eine Selbstverständlichkeit ist und man für die nächsten Generationen eine Basis geschaffen hat“, sagt Mader.

 
 
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