4:2! Furioses Steelers-Comeback gegen Frankfurt Mit unbändigem Siegeswillen und Doubrawa ins Halbfinale

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Nachwuchstorhüter Leon Doubrawa, hier gegen Luis Schinko, avancierte im entscheidenden Duell zum großen Bietigheimer Rückhalt. Foto: Ralf Poller/Avanti

Die Bietigheim Steelers  gewinnen das entscheidende fünfte Viertelfinalduell gegen die Löwen Frankfurt nach einem 0:2-Rückstand noch mit 4:2. Ihr 19-jähriger Torwart-Youngster zeigt Nervenstärke. Im Halbfinale geht's ab Montag gegen die Wölfe Freiburg.

Nach dem Spiel gab’s kein Halten mehr: Alle Profis der Bietigheim Steelers stürmten auf Leon Doubrawa zu und bildeten eine jubelnde Spielertraube um den jungen Torhüter. Und für ein Geisterduell ohne Publikum war die Stimmung am Samstagabend in der EgeTrans-Arena bemerkenswert laut und ausgelassen. Kurz zuvor hatte das DEL2-Team aus dem Ellental gegen die Löwen Frankfurt etwas ganz Großes vollbracht: Mit dem Rücken zur Wand stehend, drehten die Steelers im letzten Drittel nach einem 0:2-Rückstand den Spieß noch um und gewannen die entscheidende fünfte Viertelfinalpartie mit 4:2 – und damit die Best-of-Five-Serie mit 3:2. „Wir haben unglaubliche 40 Minuten gespielt. Das war der Wahnsinn. Man hat gemerkt, dass die Jungs unbedingt den Sieg wollten und fest daran geglaubt haben“, schwärmte Trainer Danny Naud von seinem Team.

Nur noch zwei DEL-Kandidaten

Der Bietigheimer Traum vom sportlichen DEL-Aufstieg lebt also weiter. Im Playoff-Halbfinale treffen die Schwaben ab diesen Montag (19.30 Uhr/Live auf Sprade TV) nun – zunächst auswärts – auf die Wölfe Freiburg, die sich am Samstag gegen Kaufbeuren ebenfalls in einem fünften Spiel durchgesetzt hatten. In der anderen Serie messen sich die Kassel Huskies und die Ravensburg Towerstars. Nachdem sich Frankfurt aus dem Trio der Aufstiegskandidaten verabschiedet hat, kommen jetzt nur noch die Standorte Bietigheim und Kassel für den Aufstieg in Frage. Beide Vereine hatten, wie auch die Löwen, vor einem Jahr eine Bankbürgschaft in Höhe von 816 000 Euro für die Teilnahme am DEL-Lizenzierungsverfahren hinterlegt.

Abgesehen von der Torwart-Position traten die Steelers beim Viertelfinal-Showdown wieder in Bestbesetzung an, sprich mit allen 19 Feldspielern. Der in Spiel vier wegen eines Stockstichs noch gesperrte Stürmer-Star Matt McKnight kehrte ebenso ins Aufgebot zurück wie Brett Breitkreuz, der am Donnerstag noch verletzt gefehlt hatte. Da aber wie gehabt die beiden Stammgoalies Jimmy Hertel und Cody Brenner wegen Verletzungen nicht einsatzfähig waren, stand erneut Doubrawa im Kasten. Und der 19-jährige Nachwuchsmann, bewies Nervenstärke und erledigte seinen Job wie ein alter Haudegen: souverän, unaufgeregt, fehlerlos.

Kaltschnäuzige Löwen

Das Schlüsselspiel um den Halbfinaleinzug war zunächst fast eine Kopie des vierten Duells beider Klubs, das Frankfurt trotz Bietigheimer Dominanz mit 5:1 gewonnen hatte. Erneut gaben die Steelers den Ton an, erneut machten die Löwen die Tore. Während die Schwaben einmal mehr die Vollstreckerqualitäten vermissen ließen, schlug Frankfurt wieder kaltschnäuzig zu und hatte dabei auch das nötige Glück. Etwa beim 0:1 in der neunten Minute: Nachdem Doubrawa einen Schuss entschärft hatte, prallte die Scheibe an den Schlittschuh von C.J. Stretch und von dort zu Carter Proft, der zum 0:1 abstaubte. Und beim 0:2 führte das erste Powerplay der Gäste gleich zum Erfolg: Luis Schinko nutzte am kurzen Pfosten einen Querpass von Kale Kerbashian und vollendete ins kurze Eck (17.). Es sah nicht gut aus für die Steelers.

Im zweiten Durchgang drückte der SCB sogar noch kräftiger auf die Tube. So traf Riley Sheen, Bietigheims derzeit heißester Stürmer, nur den Pfosten und das Außennetz. Zum Leidwesen der Hausherren hatte außerdem Löwen-Keeper Bastian Kucis erneut einen Sahnetag erwischt. Dass die Steelers nach den ersten 40 Minuten bei den Torschüssen mit 22:10 wieder klar im Vorteil waren, spricht eine deutliche Sprache, die sich allerdings wie schon am Donnerstag nicht im Ergebnis widerspiegelte.

Naud sagt in Kabine nur ein Wort

„In der letzten Drittelpause habe ich bei meiner Ansprache in der Kabine nur ein Wort gesagt: ‚Believe’ (,Glaubt an euch')“, verriet Naud später. Tatsächlich glaubten seine Schützlinge noch an ein Comeback. 23:4 Torschüsse zugunsten von Bietigheim wies die offizielle Statistik für den finalen Spielabschnitt aus. Und endlich wurde der Sturmlauf belohnt. Innerhalb von 35 Sekunden glichen die Steelers aus. Erst staubte Norman Hauner zum 1:2 ab, nachdem Kucis den ersten Versuch vom Alexander Preibisch abgewehrt hatte. Dann legte Topscorer Sheen mit seinem bereits siebten Playoff-Treffer das hochverdiente 2:2 nach (42.).

Max Renner besorgt Führung

Die Löwen waren nun angeknockt – und gingen in der Endphase K.o. Verteidiger Max Renner schoss den SCB zwei Minuten vor Spielende erstmals in Front, Preibisch erzielte allein auf weiter Flur mit einem Treffer ins leere Gehäuse das 4:2 (60.). Der Rest war ein Jubelfest in Grün, Weiß und Blau, und mittendrin ein junger Held: Leon Doubrawa.

Stimmen zum Spiel

Danny Naud, Trainer der Bietigheim Steelers: Es ging heute um alles oder nichts. Es ist unglaublich, was die Jungs geleistet haben, um nach dem 0:2-Rückstand zurückzukommen und den Sieg noch zu holen. Als Trainer musst du immer an den Sieg glauben. Wir wussten aber alle, dass es im letzten Drittel schwer für uns wird. Mein Herz hat im Schlussdrittel sicherlich 180 Mal pro Minute geklopft. Jetzt genießen wir den Moment noch ein bisschen und werden zusammen auch ein Bier trinken, aber dann steht auch gleich die Vorbereitung auf die nächste Serie an.

Franz-David Fritzmeier, Coach der Löwen Frankfurt: Es war die erwartet harte Serie. Beide Trainer haben davor gesagt, dass die Chancen 50:50 stehen. Ich bin grundsätzlich sehr stolz auf meine Mannschaft, wie sie sich ins Viertelfinale zurückgekämpft hat. Die zwei schnellen Tore im letzten Drittel haben Bietigheim noch mal viel Energie gegeben. Da haben die Steelers viel Druck gemacht und uns eingeschnürt. Wir hatten nicht mehr viel entgegenzusetzen, auch wenn wir noch auf die Overtime oder den Lucky Punch gehofft haben. Aber wir gehen erhobenen Hauptes aus der Serie.

 
 
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