500 Jahre alter Hochaltar in der Cyriakuskirche Die feinste Figur im ganzen Hochalter

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Im Hochaltar, der von Niklas Hagenauer aus Straßburg um 1500 geschaffen wurde, hat der Mohrenkönig eine besondere Stellung.⇥ Foto: Susanne Yvette Walter

Während in einer bundesweiten Diskussion die Bezeichnung „Mohr“ in Ungnade gefallen ist, lächelt er ganz verschmitzt seit mehr als 500 Jahren die Kirchenbesucher in Bönnigheim an. Der Mohrenkönig am Schnitzaltar in der Cyriakuskirche ist ganz fein gearbeitet. Das sieht man an seinen Händen, an seinen Beinen und Füßen, und man erkennt es daran, dass sein Gewand so elegant fällt. Keiner will ihn umbenennen.

„Damals im Mittelalter, als der Altar gebaut wurde, war es ein Zeichen der Anerkennung von einem Mohren zu sprechen. Er genoss höchstes Ansehen. Deshalb wundert es auch nicht, dass der Mohrenkönig die beste Figur im ganzen Schrein ist“, stellt der Bönnigheimer Heimatforscher und Vorsitzender der Historischen Gesellschaft, Kurt Sartorius, fest. Der Geschichtsbegeisterte weist auf seine feinen Züge im Gesicht hin, auf seine filigranen Gliedmaßen und auf die Eleganz seiner leicht gedrehten Haltung und seiner Kleidung.

In der Bönnigheimer Cyriakuskirche gibt es nicht nur den einzigen Lettner in Süddeutschland in vorreformatorischer Zeit. Hier wartet auch besagter geschnitzter Hochaltar auf Neugierige, der sich anzuschauen lohnt. Das zentrale Thema des Bönnigheimer Hochaltars, den Niklas Hagenauer aus Straßburg um 1500 geschaffen hat, ist die Anbetung der Heiligen Drei Könige, Caspar, Melchior und Baltasar.

Melchior wiederum fällt nicht nur wegen seiner Hautfarbe auf. Er hat sehr individuelle Züge und steht im Ausfallschritt diagonal, eine Haltung, die ihn aufwertet und ihm Eleganz verleiht. „Das steht im Gegensatz zu rassistischen Tendenzen, wie wir sie auch heute leider noch erleben“ so Sartorius.

Weisen aus dem Morgenland

Hartnäckig zieht sich die Idee durch die Geschichte, dass es sich bei den rätselhaften Männern um Könige handle, dabei ist in verschiedenen Bibelübersetzungen lediglich die Rede von den „Weisen aus dem Morgenland“. Auch die Zahl drei sei nicht wirklich belegt.

Wer waren diese rätselhaften Männer, deren Reliquien in Köln aufbewahrt werden, und was bedeuten ihre Gaben Weihrauch, Myrrhe und Gold? „Das bedeutendste Kunstwerk unserer Kirche ist der gotische Flügelaltar“, erklärt Kurt Sartorius. Das Hauptthema des Altars ist die Anbetung der Heiligen Drei Könige, das zentral dargestellt wird. Die Aufstellung geht von Maria als Himmelskönigin mit dem Kinde aus, die in der breiten Mittelnische thront unter einem Baldachin. Über ihrem Haupt wird von zwei schwebenden Engeln eine Krone gehalten. Rechts und links der Madonna stehen zwei der Könige auf den seitlichen Schreinstaffeln. Sie wenden sich ihr und dem Kinde zu und präsentieren ihre Geschenke. In der rechten Seitennische fand der Mohrenkönig seinen Platz. „Der Mohrenkönig gilt als die künstlerisch wertvollste Figur. Links steht Josef, der als Zeichen seiner Nährvaterschaft drei Brote in der Mütze hat“, weiß Sartorius. Die drei Könige bringen Gold als Zeichen der Göttlichkeit, Weihrauch als Geschenk an die Priester. Er sollte den Weg zu Gott öffnen und Myrrhe als Hinweis auf den Kreuzestod. „Gold steht für die Königswürde und gilt als Zeichen der Göttlichkeit, Weihrauch soll den Weg zu Gott öffnen und Myrrhe symbolisiert die sterbliche Menschlichkeit als Hinweis auf den Kreuzestod Jesu. In kostbare Stoffe sind sie gehüllt alle drei. Auch das erkennt man am Bönnigheimer Hochaltar. Damast soll es gewesen sein, Purpur und Seide. ⇥r

 
 
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