525 Jahre Sachsenheim, Teil 2 Vom Trauzeugen zum Stadtgründer

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Betender Ritter in der Stadtkirche Großsachsenheim: Die Originalskulptur steht in der Stuttgarter Stiftskirche. Die Skulptur stellt Hermann von Sachsenheim als betenden Ritter dar. Foto: Martin Kalb

Für seine geleisteten treuen Dienste erhält Hermann von Sachsenheim das Stadt- und Marktrecht für Großsachsenheim.

Hermann von Sachsenheim gilt als Vater der Stadt Sachsenheim. In Teil zwei der Serie zu 525 Jahren Sachsenheim wird dargelegt, wie er das Stadt- und Marktrecht erhielt: Auf dem Reichstag zu Frankfurt im Jahre 1486 unterstützte Hermann von Sachsenheim, wie im ersten Teil der Serie erwähnt, die Wahl Maximilians zum König. Hermann erwarb sich in den folgenden Jahren auf etlichen weiteren diplomatischen Missionen nachhaltig die Gunst des Königs.

Hermann gehörte 1488 zu den Unterzeichnern des Schwäbischen Bundes über den Beitritt von Graf Eberhard im Bart. Damit wurde der Sachsenheimer zusammen mit dem Landhofmeister und acht weiteren Räten als Vertreter Württembergs beim Bund bestellt. Um 1489 heiratet Hermann von Sachsenheim Susanna Volland und wurde Vater zweier Töchter, Margaretha und Susanna. 1495 begleitete er Graf Eberhard im Bart auf den Reichstag zu Worms. Dort erhielt Hermann von Sachsenheim am 6. Juni 1495 angesichts seiner treuen Dienste von König Maximilian I. für Großsachsenheim das Stadt- und Marktrecht:

„Für die uns geleisteten getreuen und nützlichen Dienste, die Unser und des Reiches lieber, getreuer Hermann von Sachsenheim oft freiwillig geleistet und noch künftig tun wird, soll ihm diese besondere Gnade getan, gegönnt und erlaubt werden kraft dieses Briefs aus königlicher Machtvollkommenheit: Er und seine Erben können und sollen jetzt und in Zukunft das Dorf Groß-Sachsenheim befestigen mit Mauern, Graben, Toren, Türmen und anderem, wie sie wollen, gleich den anderen Städten im Reiche. Ferner erhalten Sie daselbst Stadt- und Marktrecht für zwei Jahrmärkte im Jahre: den einen am Dienstag nach Pfingsten und den anderen am Sebastianstag (20. Januar, Feiertag der Waldarbeiter, die Red.). Dazu können sie zwei Wochenmärkte einrichten und abhalten den einen am Mittwoch, den anderen am Samstag“.

Rat und Diener auf Lebenszeit

Auf dem Reichstag war Hermann zudem maßgebend an den Beratungen über die Erhebung Württembergs zum Herzogtum beteiligt, was am 21. Juli 1495 letztendlich auch geschah.

Eberhard im Bart starb 1496. Hermann war danach als badischer Landhofmeister von Markgraf Christoph I. von Baden tätig. 1503 wurde Hermann von Sachsenheim von Herzog Ulrich von Württemberg als Rat und Diener auf Lebenszeit bestellt. Sein feierlicher Eidschwur in Gegenwart von Ulrichs Regenten und Räten endete mit den Worten „dem Herzog nach bestem Verständnis zu raten, alles geheim Behandelte bis an seinen Tod zu verschweigen, keine Gabe noch Geschenke von des Herzogs Untertanen oder Verwandten anzunehmen“. Am 29. Oktober 1508 überschrieb Hermann an seinen Schwiegersohn Reinhard von Sachsenheim, dem späteren Erbauer des Wasserschlosses, alle seine „Obrigkeit, Gewaltsame Herrlichkeit und Gerechtigkeit zu Groß- und Kleinsachenheim, Sachsenheim Unterm Berg und Metterzimmern“ und gebot „Schultheiß, Gericht und Gemeinde der genannten Orte und allen seinen Leibesverwandten, Untertanen und Getreuen, dem neuen Herrn Reinhart Erbhuldigung zu tun zu geloben, und zu schwören“. Noch im hohen Alter war Hermann von Sachsenheim als Vorsitzender eines Gerichts im November 1507 für Herzog Ulrich aktiv.

Hermann von Sachsenheim, der Gründer der Stadt Großsachsenheim, Landhofmeister von Württemberg und Baden, Vertrauter zweier württembergischer Herzöge und Verhandlungspartner von König Maximilian I. starb am 15. November 1508. Er wurde in der Stuttgarter Stiftskirche beigesetzt. Das stattliche so genannte neue Sachsenheimer Haus aus dem Jahre 1478 in der Schmalen Straße 3 wurde, wie das direkt danebengelegene Alte Sachsenheimer Haus aus dem Jahre 1440 in der Turmstraße 7 im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört. In der Stuttgarter Stiftskirche steht bis zum heutigen Tag die Skulptur „Der betende Ritter“, die Hermann von Sachsenheim darstellen soll. Ein Abguss davon befindet sich in der Großsachsenheimer Stadtkirche.

Info Im nächsten Teil der Serie zu 252 Jahren Sachsenheim steht die von einigen Geburtswehen begleitete Fusion von Groß- und Kleinsachsenheim zur Stadt Sachsenheim im Fokus.

 
 
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