65.000 Euro zahlt die Stadt Bietigheim-Bissingen für den Abbruch Abgelegenes Häuschen an der Kayhstraße abgerissen

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Das weitläufig als „Villa Sorgenfrei“ bekannte Häuschen an der Kayhstraße bei Bissinen wurde diese Woche abgerissen.⇥ Foto: Martin Kalb

Von außen war nicht zu erkennen, dass in diesem Häuschen bis vor wenigen Jahre noch jemand lebte.

Noch bis Freitag stand das abgelegene Häuschen an der Kayhstraße noch. Vielen Bietigheim-Bissingern war gar nicht bewusst, was sich hinter Büschen und Bäumen direkt an der Straße versteckte, bis die Stadt Anfang Februar das Grün entfernte und das Haus wieder sichtbar wurde. Doch der Anblick sollte nicht von Dauer sein. Am Freitag rückte das Abbruchunternehmen an.

Dauerhaft bewohnt

2006 berichtete die BZ noch über die Bewohnerin Hilde Mathe, die 2018 mit 81 Jahren verstarb. Das abgelegene Häuschen im Enztal bei Bissingen war mehr als 50 Jahre lang die Heimat von Hilde Mathe. Mit dem Tod ihres Mannes 1991 blieb sie weitgehend auf sich allein gestellt. Zwar herrscht auf der nur wenige Meter entfernten Kayhstraße fast durchgehend reger Verkehr. Doch den allermeisten Autofahrern blieb die Existenz des Häuschens verborgen, das auf Höhe des Steinbruchs hinter Bäumen, Büschen und einem Zaun versteckt lag. Selbst viele Fußgänger und Radfahrer, die den Weg am Grundstück entlang passieren, hatten keine Ahnung, dass das abgeschiedene Gebäude dauerhaft bewohnt war und sich darin Schlafzimmer, Küche, Bad und eine mit zahllosen Bildern, Blumen und Erinnerungsstücken ausstaffierte Wohnstube befanden.

Nicht mehr als ein winziges Gartenhaus war es, das Hilde Mathe und ihr Mann Franz vor mehr als 50 Jahren an gleicher Stelle bezogen hatten. Davor bewohnte das Ehepaar eine Holzbaracke im Steinbruch gegenüber, wo Franz Mathe auch seinen Lebensunterhalt verdiente. Der Firmenchef verkaufte damals das Enztal-Grundstück, wo sich die Mathes nach und nach einrichteten. Ganz einfach war der Ausbau nicht: So habe die Missgunst eines Zeitgenossen dazu geführt, dass die bereits auf den Weg gebrachte Baugenehmigung nicht erteilt wurde. Weil Franz Mathe aber trotzdem weiter werkelte, wurde vom Landratsamt ein Bußgeld verhängt. Das Ehepaar musste vor Gericht und 106 D-Mark bezahlen.

Autarke Wasserversorgung

Den Bau einer Villa mit Enzblick, wie man ihn von anderen Bissinger Außenbereichen kennt, hatten die Mathes aber sowieso nicht im Sinn. Sie passten die Umgestaltung der ursprünglichen Hütte vielmehr ihren bescheidenen Bedürfnissen an. Insgesamt erinnerte das Gebäude von außen an ein Gartenhaus. Mit der Technik hat der Ausbau dennoch Schritt gehalten: Hilde Mathes Heim verfügte über Strom- und Telefonanschluss, eine Satellitenschüssel brachte eine Vielzahl an Fernsehprogrammen ins Wohnzimmer. Allein in puncto Wasserversorgung war das Grundstück vollkommen autark: Das Frischwasser kam aus dem eigenen Brunnen und das Abwasser wird in einer Grube gesammelt.

Die Stadt Bietigheim-Bissingen bezahlte rund 65 000 Euro für den Abriss des Häuschens. Das Grundstück wird nun der Natur überlassen. So soll es auch dem Steinbruch ergehen.

 
 
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