80 000 Euro für Ausstellung über Fred und Annelies Stelzig Besigheim würdigt Künstler-Ehepaar

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In der Stadthalle Alte Kelter in Besigheim kann man bis heute betrachten, wie Fred Stelzig seine Arbeit als Kunst am Bau verstanden hat. Das Bild zeigt ein Fußboden-Mosaik im Foyer.⇥ Foto: Martin Kalb

Stadtarchivarin Sandy Krüger wird 2023 eine große Ausstellung über Fred und Annelies Stelzig organisieren. Dafür stehen 80 000 Euro bereit. Schwerpunkt ist die Kunst am Bau.

Wer aufmerksam durch die Stadthalle Alte Kelter in Besigheim geht, dem fällt auf, das Treppenhaus, Fußböden und Bühne künstlerisch gestaltet sind. Das Fußbodenmosaik bespielsweise, durch das die Besucher im Foyer in Richtung Saal gehen, stammt wie alle anderen künstlerischen Gestaltungen des Hauses vom Besigheimer Künstler Fred Stelzig, der 2006 verstorben ist. Hier, in diesem Gebäude, wird die Stadt im Jahr 2023 Stelzig und seiner Frau Annelies, ebenfalls einer Künstlerin, eine große Retrospektive widmen. Die Ende der 80er-Jahre sanierte und umgebaute Alte Kelter wird damit zugleich Ausstellungsraum und Anschauungsobjekt. Das beschloss der Verwaltungsausschuss des Gemeinderates.

Damit erfüllt die Stadt eine Verpflichtung aus einer Vereinbarung mit Sabine Gärttling, der Tochter von Annelies und Fred Stelzig, die der Stadt im Jahr 2010 den Nachlass ihrer Eltern übergeben hat, unter der Bedingung, ihn fachwissenschaftlich und archivalisch zu erschließen und zu pflegen. Diese Aufgabe liegt in den Händen von Stadtarchivarin Sandy Krüger, die auch die Aufgabe der Ausstellungs-Organisation übernehmen wird. Dafür steht ihr in den kommenden vier Haushaltsjahren ein Budget von insgesamt 80 000 Euro zur Verfügung.

Das ist nicht eben wenig, zumal nicht in Zeiten, in denen über Haushaltskürzungen beraten wird. Mit leidenschaftlichen Worten begründete die Archivarin im Ausschuss deshalb, wie und warum sie dieses Geld verwenden will.

Die Ausstellung fällt in das Jahr des 100. Geburtstages beider Künstler. Krüger empfiehlt das Frühjahr 2023 als Zeitpunkt. Annelies Stelzig wurde am 9. Februar 1923 geboren, Fred Stelzig am 13. April. Keineswegs soll die Retrospektive eine bloße Aufarbeitung einer Ausstellung aus dem Jahr 2013 sein, die damals im Foyer des Rathauses stattfand. Stelzig hat zwar auch Bilder gemalt, aber darum wird es 2023 nicht gehen. Das „Hauptaugenmerk“ liegt vielmehr auf dem Thema Kunst am Bau. „Hier lag der Schwerpunkt von Stelzigs Arbeit von den 50er- bis in die 90er-Jahre“, sagte Krüger.

Für den Umbau  der früheren Kelter zur Stadthalle, die 1989 eingeweiht wurde, hatte Stelzig die künstlerische Gesamtkonzeption entwickelt und umgesetzt. Seine Kunst am Bau ist heute noch in vielen Städten Baden-Württembergs zu sehen. So gestaltete er beispielsweise die U-Bahn-Haltestelle Neckartor in Stuttgart, die Harmonie in Heilbronn  und das Kur- und Kulturzentrum in Bad Buchau.

Viele der künstlerischen Werke müssen restauriert werden. Auch damit erklärte Krüger den hohen finanziellen Aufwand. Schließlich drängte sie darauf, dass ein Katalog der Ausstellung erstellt wird. „Das ist heute Standard“, sagte sie. Bisher gibt es keine vollständige Dokumentation der Arbeiten Stelzigs. Für den Katalog müssen Fotografen beauftragt und Autoren verpflichtet werden. Die Mitarbeit von Restauratoren hält Krüger zudem für unerlässlich, sie müssen verschiedenen Fachgruppen angehören. Gegenüber der Nachlassgeberin Sabine Gärttling diene der Katalog als Beleg für die Erfüllung des Vertrages.

Die Konzeption der Ausstellung möchte Krüger einem Kurator oder Ausstellungsarchitekten übertragen. Sie strebt zudem die Zusammenarbeit mit einer wissenschaftlichen Institution an, mit einer Forschungseinrichtung etwa oder der Architektenkammer in Baden-Württemberg. Und nicht zuletzt soll ein Freundeskreis gegründet werden, dessen Aufgabe es unter anderem sein könnte, Spendengelder einzuwerben.

 
 
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