Abiturprüfungen am Lichtenstern-Gymnasium in Sachsenheim Noch mal Gas gegeben vor dem Abi

Von Michael Soltys
Weit auseinander und voreinander geschützt: So schrieben die Schüler des Lichtenstern-Gymnasiums im vergangenen Jahr ihr Abitur. In diesem Jahr können die Prüfungen wieder in normalen Schulräumen stattfinden.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Fünf Abitur-Aspiranten des Lichtenstern-Gymnasiums sprechen über ihre Vorbereitung auf die Prüfungen, ihre Ziele und ihren Umgang mit der Pandemie.

Am Montag geht es los, nicht wie früher traditionell mit der Prüfung in Deutsch, sondern mit Italienisch, Portugiesisch oder Spanisch. Die Rede ist von den schriftlichen Abiturprüfungen, den ersten seit zwei Jahren unter halbwegs normalen Bedingungen.

Die drei genannten Fremdsprachen werden am Lichtensterngymnasium in Sachsenheim allerdings  nicht unterrichtet Für Marlene Bauer, 18, Jennifer Brückner, 17, und Ella Eichert, 18, beginnen die schriftlichen Prüfungen deshalb erst einen Tag später. Alle drei Schülerinnen haben sich für dieselbe Fächerkombination entschieden. Los geht es für sie am Dienstag mit Kunst, am Mittwoch folgt Deutsch, am Freitag dann Englisch. „Das ist eng, aber dann habe ich es weg“, sagte Marlene Bauer im Gespräch mit der BZ. In den Osterferien habe sie noch einmal „richtig Gas gegeben“ bei der Vorbereitung. Zusammen mit Ella Eichert hat Jennifer Brückner sogar an Samstagvormittagen Treffen im Lerncafé des Lichtenstern-Gymnasiums organisiert, um sich „in entspannter Atmosphäre“, wie sie sagt, mit anderen auf die Prüfungen vorbereiten zu können.

Die drei jungen Frauen und ihre Mitschüler Paul Metz, 18, und Erik Schönhofer, 17, haben ganz unterschiedlich auf die Corona-Bedingungen reagiert, unter denen sie sich in den vergangenen beiden Jahren den Lernstoff für das Abitur aneignen mussten. Von allen Klassenstufen waren ihre Jahrgänge am häufigsten im Präsenzunterricht, sagt Schulleiter Reinhart Gronbach. Seit zwei Jahren gehört der Digitalunterricht zum Alltag in der Schule. Im vergangenen Schuljahr habe wieder „kontinuierlich Unterricht nach Stundenplan“ stattfinden können, so Gronbach.

Der Wechsel von Online-Unterricht und Präsenz in der Schule und dabei „möglichst viel mitzunehmen“, das habe „extrem gut funktioniert“, findet Paul Metz. Online sei das Pensum in manchen Fächern fast schneller geschafft worden als im klassischen Unterricht. Für den Lernerfolg „war jeder selbst verantwortlich“, hebt er die Vorteile hervor, Ausreden gibt es keine mehr.

Vor der Pandemie war das Zuhause für Ella Eichert ein Ort, an dem sie sich nach dem Unterricht vornehmlich entspannen konnte, jetzt wurde es zu einem Ort des Lernens. „Die Konzentration ist gestiegen“, sagt sie, „aber es fehlten die Gespräche zwischendurch“. Geradezu tragisch empfindet sie es, dass die Studienfahrt ausgefallen ist. Nichts war es mit der Wanderung über die Alpen oder der Segelwoche auf dem Ijsselmeer in Holland oder dem Trip an den Gardasee, die eigentlich geplant waren.

Mitschüler Erik Schönhofer, der sein schriftliches Abitur in Englisch, Mathe und Physik ablegen wird, räumt offen ein, dass er sich manchmal zusammenreißen musste, um die notwendige Disziplin beim Lernen aufzubringen. „Wenn mich ein Thema interessiert, springt der Funke über.“ Wenn nicht, dann müsse er sich motivieren, um die Sache nicht schleifen zu lassen. „Das habe ich eigentlich ganz gut hinbekommen“, findet er.

Und die Ziele, mit denen die jungen Leute in die Prüfung gehen? Marlene Bauer tut sich schwer mit einer Aussage. Sie will sich nicht selbst im Weg stehen. Nach dem Abitur jedenfalls wird sie ein Freiwilliges Soziales Jahr beginnen. Ihre weiteren Pläne drehen sich um Wirtschaftspsychologie, Soziologie, eventuell auch um das Lehramt. Paul Metz, der auf einem „guten Zweier“ steht, hofft die Note noch etwas verbessern zu können. Die Zusage für ein BWL-Studium hat er bereits in der Tasche. Vorher möchte er ein sechswöchiges Praktikum bei der Beratungsgesellschaft KPMG absolvieren.

Jennifer Brückner, die von sich selbst sagt, dass sich ihre Noten erst ab der zehnten Klasse langsam verbessert haben, will das Abitur vor allem „erst einmal schaffen“. Besser als ein Dreier, das wäre cool, findet sie, um danach Design zu studieren, möglichst mit Schwerpunkt auf Autokarosserien. Erik Schönhofer, aktueller Notendurchschnitt 2,1, wäre mit einer Eins vor dem Komma „extrem zufrieden“. Für 15 Monate geht es danach zur Marine zum freiwilligen Wehrdienst. Das soll das Sprungbrett für eine Stellung in der Nautik werden: „Schiffe fahren und Schiffe bauen“, wie er sagt.

„Erst einmal bestehen“

Ella Eichert hat bereits Zusagen für ein Freiwilliges Soziales Jahr. Danach geht es voraussichtlich für ein Jahr ins Ausland, es sollen ein Studium in Kommunikationsdesign oder Kunst folgen. Das Abitur „will ich erst einmal bestehen“, sagt sie. Ihr sei vor allem wichtig, dass sie hinterher mit sich zufrieden ist.

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