Ärger im Gemeinderat Besigheim Die neue Schule wird immer teurer

Von Michael Soltys
Seine letzte Stunde hat geschlagen. Der Drache im Hof der Friedrich-Schelling-Schule muss dem Neubau weichen. Foto: /Martin Kalb

Im Besigheimer Gemeinderat ist der Ärger über die Entwicklung groß.

Was die Stadtverwaltung und der Architekt Markus Altmann am Dienstag dem Gemeinderat präsentierten, wirkte auf viele Stadträte wie ein Schlag in die Magengrube: Die Kosten für den Neubau der Friedrich-Schelling-Schule werden sich weiter deutlich erhöhen.

Die letzten Berechnungen für die reinen Baukosten hatten bei 16,7 Millionen Euro gelegen, jetzt werden dafür 19,8 Millionen Euro veranschlagt. Insgesamt steigen die Kosten auf 22,5 Millionen Euro, darin enthalten sind der Abbruch des Mittelbaus, die Verlegung von Kabeln für die Medienausstattung und weitere Kosten für die Energieversorgung.

Es ist vor allem der allgemeine Preisanstieg infolge des Ukraine-Kriegs, der den Bau der Schule verteuert, machte der Architekt, der für das Nürnberger Architekturbüro Bär, Stadelmann, Stöcker tätig ist, deutlich. Er war mit dem Auftrag in die Sitzung gekommen, Einsparmöglichkeiten zu präsentieren. Doch was er vorlegte, stieß im Gemeinderat auf massive Kritik, trotz seiner Behauptung, jede einzelne Position der Planung überprüft zu haben. Gerade einmal 270 000 Euro an Sparpotenzial sieht Altmann. Diese Summe ließe sich einsparen, wenn die Decken der Klassenräume mit Gipskarton statt mit Holz ausgestattet werden, was 230 000 Euro ausmacht. Darauf einigte sich der Gemeinderat. Rund 40 000 Euro könnten gespart werden, wenn der Boden teilweise mit Linoleum ausgelegt wird. Doch in diesem Fall bleibt es bei den ursprünglichen Planungen.

Unverständnis und Vorwürfe

„Mir fehlen die Worte“, kommentierte Marcel Kühnle von der SPD den Kostensprung. Er hätte sich eine genauere Berechnung der Sparmöglichkeiten erwünscht. In die gleiche Kerbe schlug Manfred Hiller von der Fraktion CDU/WIR. Die vorgeschlagenen Sparmaßnahmen machten gerade einmal ein Prozent der kalkulierten Baukosten aus. Das sei viel zu wenig. Sein Vorwurf an den Architekten: „Mir fehlt der echte Sparwille“. Hiller ging sogar noch weiter: „Wenn es zu teuer wird, muss man eventuell das ganze Projekt in Frage stellen“, sagte er.

Konkrete Vorschläge machte Hillers Fraktionskollege Ulrich Gerstetter, der ebenfalls längst nicht alle Fragen nach Sparvarianten beantwortet sieht. Die Dacheindeckung mit Ziegeln sei eine sehr hochwertige Ausstattung, sagte Gerstetter. Das Gleiche trifft seiner Ansicht auf die Klinkerfassade zu. Auf sein Drängen hin wird der Architekt jetzt prüfen, welche Einsparungen eine Ausführung der Fassade mit Verblendern zur Folge hat.

Sichtlich frustriert verteidigte Architekt Altmann seine Berechnung der Kosten. Der Anstieg sei der aktuellen Krisensituation geschuldet. Ihm sei daran gelegen, ein nachhaltiges Gebäude zu bauen. Sollte im Grundsatz ein anderes Gebäude geplant werden, sollte beispielsweise ein kleineres Gebäude mit weniger Klassenzimmern gewünscht sein, „dann brauche ich dafür einen Auftrag.“

Zusätzliche Aufgaben

Nicht alle Kostensteigerungen gehen jedoch auf die allgemeine Preisentwicklung auf dem Bausektor zurück. Es kamen auch neue Aufgaben hinzu, wie in der Sitzung deutlich wurde. Auch das erfreute die Stadträte nicht unbedingt. Für die Verlegung von Leerrohren für die Medienausstattung der Schule wird ein Betrag von 450 000 Euro angesetzt. Das hat das Bietigheimer Planungsbüro Rauschmaier ermittelt. Weitere rund 190 000 Euro werden fällig, um die Infrastruktur für eine Nahwärmetrasse zu schaffen.

Für den Drachen im Schulhof allerdings schlägt die letzte Stunde. Ihn zu versetzen, hätte rund 130 000 Euro gekostet. Dieses Geld wird sich die Stadt sparen, nicht allein wegen der Kosten, sondern auch, weil die Figur in schlechtem Zustand ist und eine Umsetzung wohl nicht unbeschadet überstanden hätte.

Michael Soltys

 
 
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