Aktiv im Alter Jungen Spielern noch was zeigen

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Die Arbeit für den Tischtennisverein geht dem 74-jährigen Gerhard Leibbrandt nicht aus: Er kümmert sich um den Spielbetrieb, die Mannschaftsaufstellungen, Terminlisten und vieles mehr. Foto: /Martin Kalb

Der 74-jährige Gerhard Leibbrandt ist seit 50 Jahren im Ingersheimer Tischtennisverein aktiv – früher als Vorsitzender, heute als Jugendleiter und Jugendtrainer.

Als Gerhard Leibbrandt im März 1971 in den Ingersheimer Tischtennisverein eingetreten ist, war dies weniger die Liebe zum Sport an der grünen Platte, als seine damalige Freundin. Die trat ebenfalls in den Verein ein, und er dachte sich, da braucht es wegen der Konkurrenten ein wenig Kontrolle. „Das war der Grund, warum ich eingetreten bin und dabei bin ich geblieben“, erinnert sich der 74-Jährige. Die Freundin ist längst Geschichte, Tischtennis spielt der gebürtige Kleiningersheimer immer noch, immer noch im Ingersheimer Verein, obwohl er heute in Pleidelsheim wohnt.

Der erste Tischtennisverein wurde bereits 1959 gegründet, die Mitglieder spielten auf dem Dachboden eines Wirtshauses. Nach zwei Jahren wurde der Verein aufgelöst und wurde, so Leibbrandt, 1971 wieder gegründet. Der Tischtennisverein war kein eigenständiger Verein, sondern eine Abteilung des am 20. April 1946 gegründeten Sport- und Kulturvereins (SKV), in dem alle Vereine aus dem Ort zusammengefasst werden sollten.

Als Abteilung habe man aber keine eigene Kasse haben dürfen, während der Fußballverein und der MSC mit seinen Moto-Cross-Veranstaltungen viel Geld bewegt hätten. Um Ärger abzuwenden, wurden die Abteilungen dann als Abteilungsvereine wieder „ausgegründet“. Der SKV blieb als Dachorganisation für die Hallenbelegung und Terminplanung erhalten, den Einzug der Mitgliedsbeiträge erledigt Jürgen Fleischmann, früheres Vorstandsmitglied der Raiffeisenbank.

Baubaracke als Trainingsraum

Die SKV-Halle war dann wegen des Holzplattenbodens und vielen Veranstaltungen zum Tischtennisspielen nicht geeignet. „Wir hatten sehr beschränkte Zugangsmöglichkeiten und konnten nur einmal in der Woche trainieren“, so Leibbrandt. „Dies war natürlich zu wenig.“ In einer Sonderversammlung wurde dann beschlossen, in Fellbach eine Baubaracke mit den Maßen 30 mal zehn Metern zu kaufen. Die Baracke wurde zunächst abgebaut und dann im Fischerwörth, wo heute die Parkplätze sind, Mitte der 1970er-Jahre wieder aufgebaut. „Da haben wir ein Dreivierteljahr geschafft wie die Ochsen“, nötig waren unter anderem Installationen und Entwässerung. Angehäuft wurden in dieser Zeit auch einige Schulden und Leibbrandt, bislang Zweiter Vorstand, übernahm die Vereinsführung: „Einer musste es ja machen.“

Die Tischtennisbaracke wurde in den 1980er-Jahren abgerissen, weil die Sporthalle Fischerwörth gebaut wurde, die Fläche wurde für Parkplätze benötigt. Leibbrandt hatte Glück und konnte die Baracke dann noch für 3000 Mark verkaufen – und der Käufer baute sie selbst ab. „Das war der Anfang unseres Vermögens, das wir im Verein dann langsam aufgebaut haben.“

Ungebremstes Engagement

Gerhard Leibbrandt war dann Vorsitzender des Ingersheimer Tischtennisvereins bis 1989. Anschließend kümmerte er sich als Jugendleiter und Jugendtrainer um den Nachwuchs im Verein. Der Posten des Schriftführers kam noch hinzu.

Und die Arbeit geht dem 74-Jährigen nicht aus. Er kümmert sich um den Spielbetrieb, die Mannschaftsaufstellungen, Terminlisten und vieles mehr. Nicht zu vergessen die Organisation des seit vielen Jahren stattfindenden Tischtennis-Radausflugs. Derzeit gibt es rund 15 Jugendliche im Tischtennisverein, die in einer Mädchen- und Jungenmannschaft spielen. „Die sind mit Eifer dabei“, so Leibbrandt, wobei sich dies gewandelt habe. „Früher haben Kinder und Jugendliche gebettelt, mitspielen zu dürfen, heute muss man sie teilweise stark motivieren.“ Der Ehrgeiz habe abgenommen, aber dies liege wohl am Lauf der Zeit.

Tischtennis sei jetzt nicht der Renner wie Fußball, sagt Leibbrandt, für ihn aber eine ideale Sportart. Man müsse keine Rücksicht auf das Wetter nehmen, es gibt einen Spielbetrieb im Winterhalbjahr, der von September bis April läuft, und in der schönen Jahreszeit könne man draußen spielen. Zudem sei es eine Sportart, die man bis ins hohe Alter spielen könne. Und motiviert ist Gerhard Leibbrandt, der jüngst in einer Hauptversammlung für seine 50-jährige Mitgliedschaft geehrt wurde, offensichtlich bis in die Haarspitzen. „Es ist doch einfach schön, wenn man den jungen Spielern noch etwas zeigen kann.“

 
 
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