Mit einem Experiment überraschte Bürgermeister Christoph Herre den Walheimer Gemeinderat: In einer sehr frühen Phase der Sanierungs- und Umbauplanung der Alten Kelter ging er mit dem Thema in die öffentliche Gemeinderatssitzung. „Ich möchte möglichst viele Walheimer mitnehmen“, erläuterte der Rathauschef. Und so ermöglichte er den knapp 20 Besuchern einen tiefen Einblick in die aufwendige Arbeit des Gremiums.
Alte Kelter Walheim Herantasten an ein „Vierteljahrhundertprojekt“
In der Gemeinderatsitzung wurde die Sanierungs- und Umbauplanung für die Alte Kelter besprochen.
Alte Kelter soll im Bestand saniert und weiterentwickelt werden
Transparenz war dabei seine Intention. Wie entwickelt sich diese komplizierte Entscheidung? Was oft hinter verschlossenen Türen passiert, ist hier anders. Mit einer Öffentlichkeitsbeteiligung und einem Workshop sowie internen Beratungen wurde eine Leitlinie entwickelt: Die Alte Kelter soll im Bestand saniert und behutsam weiterentwickelt werden.
Dabei sind die denkmalpflegerischen Anforderungen und die Wirtschaftlichkeit zu beachten. Nun konnte das beauftragte Architekturbüro Lehen drei verschiedene Vorentwurfspläne präsentieren, die das Gremium zu einer zweistündigen Diskussion über die jeweiligen Vor- und Nachteile animierte.
Bei allen drei vorgelegten Varianten steht der Erhalt der historischen Bausubstanz sowie die prägende Gebäudestruktur im Vordergrund. Doch der Höhenunterschied von 96 Zentimetern zwischen der Alten Kelter und dem angebauten ehemaligen Feuerwehrmagazin macht einen barrierefreien Ausbau mit einer effizienten Nutzung fast unmöglich.
Daher, so war sich der Rat einig, werde man wohl nicht um eine Verfüllung herumkommen. Und was passiert mit der Grube unter dem ehemaligen Feuerwehrmagazin? Da wird es schon schwieriger. Denn der Zugang ist eng und damit eine Nutzung zumindest beschwerlich. Daher ließen die Räte dies erst einmal offen, waren sich aber einig, dass der Raum nicht verfüllt werden soll.
Könnte er denn erweitert werden, für Toiletten beispielsweise? „Das Landesdenkmalamt hat darauf aufmerksam gemacht, wenn wir graben, werden wir genau beobachtet“, erläuterte Architekt Matthias Schuster. Klar, denn dort ist niemand sicher, ob nicht römische Funde auftauchen. Also soll dieser Weg nicht begangen werden. Im Erdgeschoss könnte in verschiedenen Anordnungen ein großer Saal mit Bühne, eine Küche und ein bewirtschafteter Raum mit einer gläsernen Öffnung zu einer Außenterrasse entwickelt werden.
Möglicherweise eine Empore im Obergeschoss
Denkbar ist dabei auch ein sogenanntes „Haus-in-Haus“-Konzept, das eine neue Struktur und möglicherweise eine Empore im Obergeschoss ermögliche. Dadurch könnten beispielsweise die Technik elegant untergebracht und Energiekosten gespart werden, sollte die Nutzung auch im Winter in Frage kommen.
Spannend in diesem Zusammenhang erwies sich die Frage nach einer Toilettenanlage. Soll sie eventuell separat außen auf dem nördlichen Kelterplatz errichtet und mit einer Glaskonstruktion angeschlossen werden? Oder soll sie besser ins Obergeschoss, das mit einem neuen Treppenhaus und einem Aufzug erschlossen wird? Hier gingen die Meinungen weit auseinander.
Gemeinderätin Sandra Horwath-Duschek sprach sich gegen den „Toiletten-Container“ aus, während ihr Kollege Jens Alber von einer „charmanten und coolen Lösung“ sprach. Architekt Schuster sprach gar von einem „Schmuckkästle“ mit begrünter Pergola und einer Mehrfachnutzung bei Festen im Freien.
Einig waren sich die Räte, dass es eine Extra-Runde mit den Anwohnern geben soll, um deren Wünsche, die Abstandsflächen und die Überfahrtsrechte zu klären. Vorstellen kann sich der Rat auch eine Nutzung des Dachgeschosses für ein Gemeindearchiv, Lagerplatz oder Vereinsräume. Doch dafür soll zunächst nur der Boden verstärkt werden und der Ausbau lediglich angedacht werden.
Einzig Gemeinderat Eberhard Reustle trat scharf auf die Bremse: Walheim brauche keine zweite Gemeindehalle, man müsse sparen und die genannten Ausbauwünsche auf das Notwendigste herunterfahren.
Neue Planungsvariante soll vorgelegt werden
Gemeinderat Christian Schäuffele hob die Bedeutung der Alten Kelter für Walheim hervor: Es sei zwar kein Jahrhundertprojekt, aber zumindest ein „Vierteljahrhundertprojekt“.
Die Verwaltung ist nun durch den Gemeinderat beauftragt, die Beratung zu strukturieren und eine weiterentwickelte Planungsvariante für die Alte Kelter vorzulegen. Mögliche Kosten und Fördermöglichkeiten können danach erhoben werden.
