Der Alte Friedhof oberhalb der Altstadt ist eine der ältesten Kulturstätten in Besigheim. Seit 1577 wird das Gelände als Grabstätte genutzt. Bis in die 1960er-Jahre wurden dort Besigheimer beigesetzt, noch 1975 wurden einzelne Grabstätten für die Beerdigung von Angehörigen genutzt. Diese Fakten hat der Besigheimer Uttam Das zusammengetragen.
Alter Friedhof Besigheim Historische Ruhestätte und Park
Eine Projektgruppe nimmt einen neuen Anlauf, um den Alten Friedhof in Besigheim als Ort der Erholung und Erinnerung zu sichern.
Für den geschichtsinteressierten Besigheimer ist es jetzt wieder an der Zeit, die Bedeutung der Grabstätte in Erinnerung zu rufen und seine Substanz langfristig zu erhalten. Über Jahrzehnte haben sich Geschichtsinteressierte Besigheimer, die Stadt selbst und Angehörige um den Alten Friedhof gekümmert. Verwitterte Grabsteine sind abgeräumt und eingelagert worden. Grabumrandungen wurden entfernt.
Natürliches Erholungspotenzial
Doch Das hat auf der historischen Grabstätte eine gewisse „degenerative Entwicklung“, einen „Substanzverlust“ festgestellt. Er sieht eine Herausforderung darin, den alten Friedhof als „letzte Ruhestätte, Erinnerungsraum und Park mit natürlichem Erholungs- und Rückzugspotenzial zu stärken.“
Zu diesem Zweck hat sich in Zusammenarbeit mit dem Quartiersmanagement eine Projektgruppe gegründet. Ideen und Vorschläge werden gesammelt und weitere Mitstreiter gesucht, sagte Das im Gespräch mit der Bietigheimer Zeitung. Die Grabstätten auf dem Gelände müssen ebenso gepflegt werden, wie die Erinnerungssteine, die als Teil des Skulpturenpfades im Jahr 2003 errichtet wurden. Als Mitglied des Besigheimer Geschichtsvereins und der militärgeschichtlichen Gesellschaft in Ludwigsburg ist für ihn die Frage: „Wer kümmert sich weiter darum?“ ein zentraler Punkt.
Die Projektgruppe, die sich im September ein weiteres Mal treffen will, hat dazu erste Überlegungen angestellt. Bestehende Grabstein-Patenschaften könnten ausgebaut werden. Spender müssten gefunden werden. Der Friedhof und die Erinnerungssteine sind aktuell in die Stadtführungen eingebunden, doch Das fragt sich, wie die historische Stätte stärker touristisch genutzt werden kann? Eine Idee ist es, Schauspiele auf dem Gelände aufzuführen.
Den Gefallenen ein Gesicht geben
Geklärt werden müsse auch, inwiefern der Denkmalschutz eingebunden werden muss. „Es ist nicht soviel geschützt, wie man glauben möchte“, sagte Das. Die Stadt, die aktuell 2000 Euro jährlich für die Pflege des Alten Friedhofes aufbringe, müsse eingebunden werden.
Ein besonderes Anliegen ist für Das das Kriegerdenkmal, das 1965 auf den Alten Friedhof verlegt wurde und 1993 um Gefallenentafeln ergänzt wurde. Hier sind die Namen von 300 Besigheimern notiert, die im Krieg 1939 bis 1945 gefallen sind oder Opfer von Kriegshandlungen wurden. Diesen Namen will Das „ein Gesicht geben“, wie er sagte.
Dazu müsse die Geschichte der Toten im Einzelnen recherchiert werden. Mit dem Stadtarchiv habe er sich dazu bereits in Verbindung gesetzt, einzelne Angehörige hätten sich bereits ebenfalls gemeldet.
Die Lebensläufe und Familienverhältnisse der Toten könnten später über QR-Codes auf dem Gelände abgerufen werden. Diese Idee sei im Besigheimer Geschichtsverein entstanden, so Uttam Das.
