Alternativer Fasching in Sachsenheim Pappfiguren statt Urzelnlauf

Von
Zunftmeister Thomas Lutsch präsentiert die Urzeln-Aufsteller und Plakate. Foto: Martin Kalb

Das große Treffen der Urzeln in Sachsenheim wird in diesem Jahr nicht stattfinden. Doch die Zunft sendet Zeichen, um nicht in Vergessenheit zu geraten.

Normalerweise würden am 13. Februar wieder Urzeln aus Nah und Fern nach Sachsenheim stürmen, um gemeinsam den Urzelntag mit großem Brauchtumsumzug und Feier in der Sporthalle zu zelebrieren. Doch für 2021 musste die Zunft alle Aktivitäten absagen. Die Gemeinschaft soll aber aufrecht erhalten werden – mit einer Vielzahl an Aktionen.

„Von uns gibt es keine Veranstaltungen“, sagt Kerstin Haible, Sprecherin der Urzelnzunft Sachsenheim, „dennoch wollen wir urzelig präsent sein, Urzeln gehören dazu. Denn da man Fasnet so wenig absagen kann wie Weihnachten und Ostern, haben wir uns was anderes einfallen lassen.“

Plakate in den Straßen und an den Ortstafeln soll es auch dieses Jahr geben. Nur weisen die eben nicht auf den Urzelntag hin, sondern vermitteln positive Botschaften wie „Bis nächstes Jahr, bleibt gesund.“. Und dass auch Schneiderrösschen mit Mummerl und Co. nicht in Vergessenheit geraten, haben sich die Urzeln um Zunftmeister Thomas Lutsch mit dem Bund der Selbstständigen (BdS) zusammengetan: Die Brauchtumsfiguren werden in den Schaufenstern ausgestellt. „Die Läden sind ja ohnehin geschlossen. Und so wird das Städtle wenigstens ein bisschen närrisch“, sagt Kerstin Haible.

Und die Hingucker sind ein guter Hinweis auf den 13. Februar. Denn ganz fällt der Urzelntag dann doch nicht aus. Die Zunft plant ein Online-Event, bei dem es laut Haible „viel Wissenswertes gibt, es aber auch einfach ums Zusammensein geht“. Die Generalprobe dafür hat prima geklappt. Denn auch das traditionelle Abstauben der Häs fand digital statt. „Das war gigantomanisch, wir hatten 40 Anmeldungen. Da saßen dann viele Leute und ganze Familien vor den Bildschirmen“, berichtet die Schriftführerin. „Die Leute sind ins Häs gestiegen, es wurde in Erinnerungen geschweift. Es war toll, dass der Brauch trotzdem hochgehalten wurde.“

Kisten für Kindergärten

Auch die Kindergartenbesuche in der Woche vor dem Urzelntag müssen ausfallen. Doch zumindest die Kinder, die in der Notbetreuung sind, sollen eine Light-Version erhalten: „Die Kindergärten werden von uns geschmückte Truhen bekommen. Dort legen wir den Urzelnanzug mit Schelle, Quetsche, Luftschlangen und Malvorlagen hinein.“ Vielleicht reicht die Zeit sogar noch für ein Urzel-Memory. Die Geschichte wird ebenfalls mitgegeben. „So können sich die Kinder schmücken, und die Erzieher übernehmen die Aufgabe, die wir sonst ausüben“, so Haible.

Für die Faschingswoche, die nach dem Urzelntag losgeht, wollen die Sachsenheimer einen Fasnetskalender auf die Internetseite und in die Sozialen Netzwerke stellen. Täglich sollen dann Interessierte mit Videos, Malvorlagen und anderen Dingen überrascht werden.

Natürlich sei es „sehr schade und traurig“, dass dieses Jahr nicht wie gewohnt gefeiert werden kann. „Wir haben lange gehofft und auch lange geplant. Je nach Verordnungsstand haben wir wieder und wieder bei Null angefangen“, berichtet Haible. „Was mich erstaunt: Die Leute sind zwar enttäuscht. Aber sie nehmen alles an, was es als Ersatz gibt.“ Sie ist sich sicher: „Jetzt zahlt es sich umso mehr aus, dass wir eine so eng verbundene Familie sind.“

Auch die Peitschen knallen nicht

Zum Urzelnlauf gehört traditionell auch das Reifenschwingen und das Peitschenknallen. Andernorts in Deutschland haben sich schon närrische Peitschenknaller auf der Straße getroffen – mit dem Argument, dass der nötige Abstand hier zwangsläufig eingehalten wird. Die Sachsenheimer Urzelnzunft will diesem Beispiel nicht folgen. „Uns ist es wichtig, dass sich jeder an die Ordnung hält. Es ginge natürlich, aber es würde sich komisch anfühlen.“ Denn ob Peitschenknallen wirklich ein triftiger Grund ist, das Haus zu verlassen, bezweifelt Haible. „Wir möchten solche Spielchen erst gar nicht anfangen.“

 
 
- Anzeige -