Sie nennen sich zwar die Altersfeuerwehr, aber von „alt“ schienen die Kameraden am vergangenen Samstag meilenweit entfernt zu sein. Das 50-jährige Bestehen der Altersabteilung der Bönnigheimer Freiwilligen Feuerwehr wurde im Feuerwehrhaus würdig gefeiert und bereits beim Sektempfang am späten Vormittag herrschte durchweg gute Laune.
Altersfeuerwehr Bönnigheim Ein großer Erfahrungsschatz
Noch keine Frauen bei der Altersfeuerwehr
Klaus Schweiher, Leiter der Altersfeuerwehr, begrüßte die rund 60 Kameraden und betonte sogleich, dass deren Frauen zu dieser Feier genauso willkommen seien, denn „ohne den Rückhalt der Frauen im Einsatz und bei all den vielfältigen Veranstaltungen geht gar nichts“. Feuerwehrkommandant Mike Etzel bestätigte dies und erinnerte sich, dass die ersten Feuerwehrfrauen in Bönnigheim im Jahre 1995 ihren Dienst antraten und somit noch nicht bei den Alterskameraden seien.
In seiner Rede sprach Schweiher von den „Menschen, die unsere Feuerwehr mit aufgebaut, geprägt und über Jahrzehnte getragen haben. Ihr seid ausgerückt, wenn der Melder ging, ihr seid ausgerückt, wenn andere Schutz gesucht haben“, gab er zu denken. Aus eigener Erfahrung weiß er, „wer einmal Feuerwehrmann oder Feuerwehrfrau war, der bleibt das ein Leben lang.“ Selbst wenn die Einsatzjacke abgelegt wird, bleibe Zusammenhalt, Verlässlichkeit und Kameradschaft erhalten.
Da Landesobmann Günther Benz nicht anwesend sein konnte, ließ er sein Grußwort von Karl-Heinz Niederberger vortragen und brachte darin zur Geltung, wie wichtig es ihm sei, dass die Feuerwehrleute „nach ihrer aktiven Dienstzeit nicht einfach abgeschrieben werden“, sondern auch weiterhin über die aktuellen Themen der Feuerwehr informiert würden und ihren „nicht gerade geringen Erfahrungsschatz einbringen“ können. Bei einem gemeinsamen Mittagessen kam es zu ausgiebigen Gesprächen und regem Austausch. Bewundert wurde das neue Fahrzeug der Feuerwehr, das im Kontrast zum ersten Bönnigheimer Tanklöschfahrzeug TLF 16/25, Baujahr 1976, stand, das ebenfalls seinen 50. Geburtstag feierte. „Bis 2017 war dieses Fahrzeug noch im Einsatz“, erklärte der stellvertretende Kommandant Frank Sartorius etwas wehmütig, „da kommen Erinnerungen auf – zu dem Fahrzeug habe ich eine ganz enge Bindung“. Ein Satz, der zustimmendes Gemurmel auslöste.
Am Nachmittag ermöglichte Kurt Sartorius, Vorsitzender der Historischen Gesellschaft Bönnigheim, mit einer spannenden Bildershow unter anderem Einblicke in frühere Einsätze. Manch einer der Alterskameraden erkannte sich selbst in seiner aktiven Zeit wieder. „Natürlich hat man bei jedem Einsatz alle Hände voll zu tun und jeder wird gebraucht. Dennoch hatte ich von Anfang an immer meine Kamera dabei“, berichtete Sartorius und zeigte mitunter das Foto eines gewaltigen Zimmerbrandes in der Müllerhöhe aus dem Jahre 2019: Hell lodernde Flammen schlagen aus dem Fenster im Obergeschoss; der erste Angriff wird koordiniert und präzise vorbereitet.
Fünf Alterskameraden der Freiwilligen Feuerwehr Neukirch/Lausitz, der Partnerwehr, waren ebenfalls zur Feier angereist und freuten sich mit den Bönnigheimern an der riesigen Obsttorte, die es zum Kaffee gab – dekoriert mit einer gebackenen 50 und einem roten Feuerwehrauto aus Marzipan. Auch Bürgermeister Albrecht Dautel blickte zurück auf Zeiten der Handfunkgeräte, dunklen Nächte und schlimmen Unwetter. „Ihr habt euch für die Bürgerschaft eingesetzt und auch in Gefahr gebracht, ihr habt Verantwortung übernommen“, sagte er und wies auf den Wandel der Zeit hin, auf die Digitalisierung und manches mehr.
Niemals das „Feuer im Blut“ verlieren
Hieß es früher: „Alarm! Schnell zum Fahrzeug, die Leiter hoch und dann Wasser marsch“, sei die Taktik der Altersfeuerwehr nun eine andere: „Alarm, schnell zum Grill, bevor die Wurst schwarz wird“, scherzte Dautel. Und doch vergegenwärtigte er, wie die Altersfeuerwehr ein halbes Jahrhundert lang bewiesen hatte, dass man zwar den aktiven Dienst beenden könne, aber niemals das „Feuer im Blut“ verliere.
