Am Freitag beginnt für die Steelers die neue DEL2-Saison Drei Klubs auf Aufstiegsmission

Von
Die Bietigheim Steelers freuen sich nach dem Derby in Heilbronn über den Sieg beim Get-Ready-Cup. Bei dem Turnier haben sie ihre Titelambitionen bereits mit Nachdruck unterstrichen. ⇥ Foto: Marc Schmerbeck

Am Freitag beginnt die DEL2-Saison 2020/21. Die Bietigheim Steelers, die Löwen Frankfurt und die Kassel Huskies sind favorisiert und peilen den erstmals wieder möglichen Aufstieg in die DEL an.

Fast zwei Monate später als gewohnt nimmt die Deutsche Eishockey-Liga 2 (DEL2) am Freitag den Spielbetrieb wieder auf. Die BZ klärt vor dem Auftakt der Hauptrunde die wichtigsten Fragen.

Welche Vereine zählen zum Favoritenkreis?

Als heiße Titelanwärter gelten jene drei Klubs, die sich durch die Hinterlegung der Bürgschaft für eine DEL-Lizenz als potenzielle Aufsteiger in Stellung gebracht haben: die Löwen Frankfurt als Hauptrundensieger der abgebrochenen Saison 2019/20, die Kassel Huskies sowie die Bietigheim Steelers. Zum Auftakt treffen die beiden hessischen Erzrivalen gleich aufeinander. Aus diesem Favoriten-Trio haben die Steelers in der Vorbereitung den besten Eindruck hinterlassen. Mit dem Sieg beim Get-Ready-Cup, einem Turnier mit den Klassenrivalen aus Heilbronn, Ravensburg und Kaufbeuren, setzten sie ein erstes Ausrufezeichen.

Ebenfalls zum Kreis der Topteams zählen der ESV Kaufbeuren und der EC Bad Nauheim, der stark von der Unterstützung durch die Kölner Haie profitiert. Auch die Heilbronner Falken haben das Potenzial, wieder eine gute Runde zu spielen. Sie konnten den Liga-Topscorer Dylan Wruck halten und bekommen wie gehabt personelle Hilfe von ihrem DEL-Kooperationspartner Adler Mannheim. So erhielt Youngster Yannik Valenti, der 2019/20 zum „Rookie des Jahres“ gewählt wurde, erneut eine Förderlizenz. Allerdings haben die Unterländer mit Kapitän Derek Damon (Karriereende) und Trainer Alexander Mellitzer (neuer Job in der Schweiz) zwei Erfolgsgaranten verloren.

Die Ravensburg Towerstars sind ein weiterer Kandidat für die Spitzengruppe. Der Ausfall von Jonas Langmann ist allerdings eine große Hypothek. Der aus Nürnberg zurückgekehrte Torhüter erlitt beim Get-Ready-Cup-Spiel gegen Bietigheim eine Muskelverletzung und steht den Oberschwaben frühestens im Februar wieder zur Verfügung.

Welche Voraussetzungen muss der Aufsteiger erfüllen?

Erstmals seit 2005/06 gibt es wieder einen sportlichen Aufstieg. Dafür kommen allerdings nur die Standorte Frankfurt, Kassel und Bietigheim in Frage, weil diese Vereine die geforderte Bankbürgschaft in Höhe von 816 000 Euro für ein etwaiges Lizenzverfahren zur DEL aufgebracht haben.

Nur der Meister der DEL2 ist aufstiegsberechtigt. Außerdem haben die beiden Profiligen mit Blick auf die Unwägbarkeiten durch Corona weitere Bedingungen vereinbart. Der DEL2-Meister qualifiziert sich nur dann fürs Eishockey-Oberhaus, wenn er mindestens 26 Hauptrundenspiele absolviert und als Gewinner der Playoffs mindestens sechs Playoff-Siege verbucht hat. Als Minimalanforderung müssten also ein Halbfinale und ein Finale mit einer Best-of-Five-Serie ausgetragen werden. Aus der DEL steigt 2020/21 hingegen kein Klub ab, so dass die Eliteklasse in der Folgesaison gegebenenfalls mit einem Team mehr spielen würde.

Was macht die Steelers zu einer Spitzenmannschaft?

Das große Plus ist die Eingespieltheit. Der Bietigheimer Kader hat sich nur in Nuancen verändert. Wenn man Nachwuchsgoalie Leon Doubrawa hinzuzählt, sind nur ein halbes Dutzend Neuzugänge zu integrieren. Bei den Verpflichtungen scheint der Verein ein gutes Händchen gehabt zu haben. Die Kontingentspieler Riley Sheen und C.J. Stretch, Torhüter Jimmy Hertel, Verteidiger Max Renner und der talentierte Stürmer Calvin Pokorny wussten bisher ausnahmslos zu gefallen.

Nach zwei enttäuschenden Spielzeiten scheint der neue Trainer Danny Naud das Leistungsvermögen der Spieler besser herauszukitzeln als seine gescheiterten Vorgänger Hugo Boisvert und Marc St. Jean. In der Vorbereitung bot der Kanadier meist mit vier Reihen auf. Die Verantwortung verteilt sich nun generell auf mehr Schultern. Als Mannschaft sind die Steelers deutlich schwerer auszurechnen als bisher. Es hängt nicht mehr so viel von der Form des kanadischen Topcenters Matt McKnight ab.

Wer sind die Stars der Liga?

Da die DEL noch länger pausiert und 2020/21 eventuell gar nicht mehr spielt, sind viele Stars nun in der Zweiten Liga untergekommen – manche nur für kurze Zeit, andere für die ganze Saison. Zu den Transferkrachern zählt die Rückkehr von Patrick Reimer zu seinem Heimatverein ESV Kaufbeuren. Der 37-jährige Nationalstürmer und DEL-Rekordtorschütze kommt bis Ende November auf Leihbasis von den Nürnberg Ice Tigers.

Ein ähnliches Kaliber ist Stürmer Felix Schütz (32). Der Olympia-Silbermedaillen-Gewinner von 2018 hat beim EV Landshut einen Vertrag bis Saisonende unterschrieben. Mit Niklas Treutle gibt ein weiterer Nationalspieler ein Gastspiel in der DEL2. Der Schlussmann ersetzt zumindest im November den verletzten Langmann im Ravensburger Tor.

Auch den Tölzer Löwen ist ein Coup gelungen: Sie angelten sich den kanadischen Angreifer Reid Gardiner – als Nachfolger für den früheren Steelers-Publikumsliebling Shawn Weller, der nicht mehr nach Deutschland zurückkehrt. In der vergangenen Spielzeit war Gardiner mit elf Toren und 24 Vorlagen noch der Topscorer der Düsseldorfer EG. Aktuell ist der 24-Jährige aber noch verletzt.

Hinzu kommen die in der DEL2 bereits etablierten Ausnahmekönner – wie zum Beispiel Heilbronns Wruck, Bietigheims Dauerbrenner McKnight, Kaufbeurens finnischer Torjäger Sami Blomqvist oder Freiburgs Spitzengoalie Ben Meisner.

Wie wirkt sich Corona auf den Spielbetrieb aus?

Durch die Entscheidung der Politik sind im November bei den DEL2-Spielen, wie auch in den anderen Profisportarten, keine Zuschauer zugelassen – obwohl die Klubs in den vergangenen Wochen ausgefeilte und größtenteils gut funktionierende Hygienekonzepte entwickelt haben. Beim Get-Ready-Cup durften noch 500 Fans zu den drei Bietigheimer Heimspielen in die EgeTrans-Arena. Ob auch ab Dezember nur Geisterspiele stattfinden, ist noch völlig offen. Die unter großem finanziellen Druck stehenden Vereine bekommen staatliche Zuschüsse, die einen Teil der fehlenden Zuschauereinnahmen kompensieren.

Die Liga hat allen Klubs auferlegt, ihre Mannschaft in den 14 Tagen vor dem Rundenstart einmal komplett auf das Coronavirus testen zu lassen. Die Steelers hatten bereits zuvor auf freiwilliger Basis einen Testlauf absolviert. Jeweils seien alle Ergebnisse negativ gewesen, berichtet Geschäftsführer Volker Schoch. Beim SCB gibt es für alle Profis außerdem ein tägliches Corona-Protokoll, das unter anderem Fiebermessen und die Abfrage von Symptomen vorsieht.

 
 
- Anzeige -