Am Freitag hatte Joachim Kölz seinen letzten Arbeitstag „Es geht mir sehr nahe“

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Bürgermeister Joachim Kölz hat die Kartons gepackt: Am Freitag war sein letzter Arbeitstag in Bietigheim-Bissingen.⇥ Foto: Martin Kalb

Am Freitag hatte Joachim Kölz seinen letzten Arbeitstag als Bürgermeister der Stadt. So ganz habe er mit seinem Amt nicht abgeschlossen, sagt er im Gespräch mit der BZ.

Am Freitag hatte Joachim Kölz seinen letzten Arbeitstag als Bürgermeister der Stadt Bietigheim-Bissingen. Wie berichtet, tritt er am 1. Februar die Stelle als Vorstandsvorsitzender der Felsengartenkellerei Besigheim an. So ganz ist er nicht damit fertig geworden, sein Büro aufzuräumen, auch habe er sich noch nicht von jedem verabschieden können, sagt er. Daher komme er in seinem Urlaub nächste Woche noch ein paar Stunden ins Büro.

„Ich habe zu viel Zeug aufgehoben“, nennt er einen Grund dafür. Das nun zu sortieren und wegzuwerfen dauert. Was er noch alles erledigen müsse, habe er im Kopf. „Ich bin niemand, der viele schlaflose Nächte hat, doch über das Aufräumen, diesen Abschluss und den Neubeginn habe ich doch einige Nächte durchdacht.“ Das zeigt auch, dass der 57-Jährige die Entscheidung, sein Amt niederzulegen, nicht leicht getroffen hat. Es geschah nicht aus Unzufriedenheit, sondern weil er eine Chance für sich gesehen habe. „57 ist ein gutes Alter, einen solchen Schritt zu gehen. Ich bin fit und leistungsbereit und deswegen nutze ich die Chance, jetzt noch etwas anderes zu machen.“ Dafür sei genau jetzt die richtige Zeit. „Ich kann und will diesen Neustart jetzt wagen.“

Dennoch falle ihm der Abschied schwer, das merke er bei den vielen Gesprächen, die er führe. „Das Thema Verabschiedung ist durch Corona schwierig und das bedauere ich sehr.“ Denn er könne sich nicht, wie erhofft mit einem großen Fest von allen Kollegen verabschieden. „Das werde ich nun erst zu einem späteren Zeitpunkt machen können.“

Nun sind es Einzelgespräche mit Maske. „Das ist etwas ganz anderes und es ist schade, dass ein wirklicher Abschied in dem Sinne nicht möglich ist.“ Dennoch freue er sich über diese Gespräche, die eine Bestätigung der schönen Zeit seien, die er bei der Stadt hatte. „Das ist keine verlorene Zeit.“ Das sagt er auch über die Begegnungen mit Bürgern, die sich verabschieden wollen. „Das geht mir sehr nahe. Egal wo ich unterwegs bin, werde ich angesprochen und es gibt sehr viele nette Worte und Zuspruch. Das tut gut und ich habe nicht damit gerechnet“, sagt er bescheiden.

So gibt es vieles, was Kölz vermissen werde. Vor allem sind es seine Kolleginnen aus dem Vorzimmer. „Es wird mir schwerfallen, sie zu verlassen.“ Doch habe man sich darauf verständigt, auch weiterhin in Kontakt zu bleiben. Denn die Freundschaften, die sich in den letzten Jahren entwickelt haben, werden bestehen bleiben, so Joachim Kölz. Neben den vielen Kollegen im Rathaus wird er auch zwei Kunstwerke in seinem Büro vermissen, verrät er. Hinter seinem Stuhl hängt ein Linolschnitt, der sogar schon ausgezeichnet wurde und neben dem Schreibtisch steht eine Figur von Dieter Kränzlein. „Die finde ich beides sehr schön.“

So ganz habe er noch nicht mit seinem Weggang abschließen können, denn letztlich war der 57-Jährige bis zuletzt noch Bürgermeister: „Die Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen, mit Bürgern oder mit Schulen und Kindergärten fanden ja noch ganz normal statt und die habe ich auch wahrgenommen.“ Es sei jedoch nicht immer einfach gewesen. Er habe sein Amt als Bürgermeister bis zur letzten Minute gewissenhaft und konsequent erfüllt, doch musste er immer auch abwägen, welches Projekt, welche Aufgabe er noch in seiner Zeit bei der Stadt beenden könne.

„Ich war in den letzten Tagen und Wochen sehr bemüht, meine Kolleginnen und Kollegen auf den Stand zu bringen.“ Auch habe er viele Akten an die diversen Ämter verteilt, um denen sein Wissensstand weiterzugeben, sagt er. „Ich war schon gut beschäftigt“, denn zusätzlich zum Tagesgeschäft kamen auch Gespräche mit seinem baldigen Arbeitgeber. „Es waren recht spannende, aber auch anstrengende Wochen“, fasst er es zusammen.

Kommunalpolitik von außen

Spannend und vermutlich auch anstrengend geht es dann für den 57-Jährigen am 1. Februar weiter. Dann tritt er seine neue Stelle als Vorstandsvorsitzender an. An seinem ersten Arbeitstag habe er keine Termine, da nehme er sich Zeit, die Mitarbeiter kennenzulernen. „Das ist mir auch wichtig.“ Er stehe zudem mit seinem Vorgänger Götz M. Reustle in Kontakt. Zu seinem neuen Job sagt er scherzhaft: „Ich werde sehen, dass der Wein schmeckt.“ Und auch für die Bietigheim-Bissinger hat er erfreuliche Worte: „Ich bleibe gerne in Bietigheim-Bissingen.“ Denn verlasse er die Stadt zwar beruflich, bleibe aber hier wohnen. Es werde interessant sein, die Kommunalpolitik von außen zu betrachten, sagt er abschließend.

Info Die offizielle Verabschiedung der Stadt wird im Rahmen der Gemeinderatssitzung am Dienstag, 2. Februar, 18 Uhr, im Kronenzentrum stattfinden.

 
 
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