Angeln kehrt als Trendsportart zurück, aber: Angeln ist nicht gleich Angeln

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Manfred Peter vom Angelsportverein Bietigheim in Aktion. Das Angeln selbst macht nur einen Teil der Vereinsarbeit aus, die der ASV, dessen Vereinsheim in der Kammgarnspinnerei ist, leistet.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Die Vorsitzenden des Angelsportvereins Bietigheim klären darüber auf, wer, wo, was angeln darf. Auch stellen sie klar: Angeln ist nur ein Teil ihrer umfänglichen Vereinsarbeit.

Angeln liegt im Trend. Gerade in Zeiten von Abstandsregeln ist der Individualsport in der Natur wieder im Kommen. „Seit Corona spüren wir: die Nachfrage ist merklich gestiegen“, berichten Manfred Peter und Peter Reinhardt, erster und zweiter Vorstand des Angelsportvereins Bietigheim (ASV). „Die Leute haben wieder die Muse dazu“, sagt Reinhardt. Der ASV merke das nicht nur an der erhöhten Nachfrage an Tageskarten, sondern auch am Zuwachs der Vereinsmitgliedschaften, auch junger Fischfans.

Aber wer sich Angler nennen oder gar Mitglied des Bietigheimer Vereins sein möchte, muss einiges mehr erfüllen, als einen Angelschein zu besitzen (siehe Infobox). „Unser Verein setzt sich viel für Nachhaltigkeit ein, das ist uns wichtig“, sagt Peter. 10 000 Euro jährlich gebe der ASV für Fischbesatz, also die Sicherung der Fischpopulationen in Enz und Metter aus.

Große Fischvielfalt in der Enz

Und im heimischen Gewässer tummelt sich einiges: Aale, Barben, Barsche, Bitterlinge, Hechte, Karpfen, Forellen, Welze – Reinhardt könnte für jeden Buchstaben im Alphabet einen Fisch nennen, der hier ansässig sei. „Die Wasserqualität ist ausgezeichnet“, erklärt Peter die Fischvielfalt. Und doch muss der Verein sich um den Bestand kümmern. „Früher wurden nur ‚edle’ Fische eingesetzt. Das ist gefährlich, denn die Ökologie kippt dann“, erklärt Peter. Grund dafür ist die Fresskette. Wenn die kleinen Weißfische fehlen, haben mittelgroße Fische keine Nahrung und dadurch gibt es auch keine großen Fische, die den Angler erfreuen. Wie bestimmt wird, was in den Gewässern schwimmt? „Das Regierungspräsidium führt elektrische Fischzählungen durch“, erklärt der 70-jährige Peter Reinhardt, der angelt seit er 15 ist.

Neben der Fischpopulation behält der ASV auch den Gewässerschutz im Auge. Fließt Abwasser in die Enz, wird der Bauhof informiert. Schwimmt Müll herum, wird dieser eingesammelt. Ist der Wasserpegel zu niedrig, werden Fische mit Keschern eingefangen und umgesiedelt. „Wir haben strenge Richtlinien im Verein. Beispielsweise darf jedes Mitglied maximal 18 Kilo Fisch aus dem Wasser ziehen. ’Catch & release’ (das Zurückwerfen des Fangs) unterbinden wir strikt“, sagt Peter. „Nur aus der Lust heraus zu angeln, ist Tierquälerei. Das unterstützen wir nicht“, ergänzt Reinhardt. Auch kontrollieren sie ihre Mitglieder. „Leute, die nur große Forellen aus dem Wasser ziehen, werden verwarnt. Zu Beginn gibt’s eine zweijährige Probezeit für die Mitglieder, der Mensch muss zu uns und unserer Einstellung passen“, sagt Peter. Aktuell hat der ASV 146 Mitglieder, davon 97 aktive. Sechs Kilometer an Enz und 1,5 Kilometer an der Metter sowie einen kleinen Angelsee in Löwenstein umfasst das von der Stadt gepachtete Fischgewässer des ASV.

 
 
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