Arbeitsagentur und IHK ziehen Resümee Mit Kurzarbeit und Digitalisierung durch die Krise

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Noch ist der Ausgang der Krise auf den Arbeitsmarkt im Landkreis ungewiss⇥ Foto: A3446/_Patrick Seeger

Arbeitsagentur und IHK bewerten Flexibilität und Abbau der Bürokratie positiv. Doch für ein Fazit ist noch zu früh.

Kurzarbeit und Digitalisierung: Auf die Corona-Krise haben Unternehmer wie Mitarbeiter mit viel Flexibilität reagiert. Die Industrie- und Handelskammer (IHK), Bezirkskammer Stuttgart, und die Arbeitsagentur Ludwigsburg loben die verbesserten Rahmenbedingungen.

Bei der Kurzarbeit wurden die Rahmenbedigungen verbessert und unbürokratische Anträge ermöglicht. „Das funktioniert“, lautet das Fazit des stellvertretenden IHK-Geschäftsführers Reiner Boucsein. Die IHK habe darüber hinaus Unternehmen darüber beraten, welche Stellschreiben – Zuschüsse, Tilgungen oder Stundung von Sozialabgaben – es gibt.

Um Entlassungen in kurzfristigen Krisen zu verhindern, sei die Kurzarbeit hilfreich, bestätigt auch die Sprecherin der Agentur für Arbeit Ludwigsburg, Birgit Festag: „Vor allem Arbeitnehmer bleiben von den negativen Auswirkungen der Arbeitslosigkeit geschont.“ Der Vorteil für die Unternehmen sei, dass sie an ihren Mitarbeitern festhalten könnten. Als Mittel in der Krise habe sich die Kurzarbeit bewährt, sagt Festag. Auch die Verlängerung der Bezugsdauer von Kurzarbeitergeld auf 24 Monate „halten wir für richtig, um die Unternehmen weiter zu stützen“, sagt Festag.

Die Insolvenzantragspflicht sei bis Jahresende ausgesetzt. Dies gelte aber nur noch für den Insolvenzgrund „Überschuldung“.

Trotz hilfreicher Maßnahmen, noch ist der Ausgang der Krise auf den Arbeitsmarkt im Kreis ungewiss: „Aktuell können wir nicht seriös abschätzen, wie sich die Situation der Unternehmen in den nächsten Monaten entwickeln wird“, sagt Festag. „Die Unternehmen passen sich an. Sie ergreifen die Chance, Veränderungen vorzunehmen“, ist Boucsein überzeugt – auch angesichts der Herausforderungen, die nun im Herbst und Winter auf sie zukommen.

Schub bei der Digitalisierung

Das Forschungsinstitut IAB geht laut Birgit Festag davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um insgesamt 5,2 Prozent sinkt und im kommenden Jahr wieder um 3,2 Prozent steigt. Ebenso sinkt die Erwerbstätigkeit bundesweit laut IAB im laufenden Jahr um 400 000 Personen, steigt aber im kommenden Jahr wieder um 130 000 auf dann 45 Millionen. „Letztlich ist aber jede Prognose mit Unsicherheiten behaftet, zumal es für diese Krise kein historisches Vorbild gibt“, sagt Festag, auch weil die Prognose keinen möglicher zweiten Lockdown und eine mögliche Insolvenzwelle nach dem Auslaufen der Sonderregelungen zum Jahresende berücksichtige.

Eine positive Entwicklung in der Krise sei der derzeitige Entwicklungschub bei der Digitalisierung, sind sich Boucsein und Festag einig. Birgit Festag hat zudem eine ökologische Ausrichtung von Investitionen beobachtet. Denkbar sei, dass infolge der krisenhaften Disruption Geschäftsmodelle in anderer Form neu gestartet werden. In manchen Branchen beschleunigt die Pandemie auch Transformationsprozesse. Vor diesem Hintergrund werde die Qualifizierung von Beschäftigten weiter an Bedeutung gewinnen.

Auch der Fachkräftebedarf sei allgegenwärtig. Neben den bisherigen Bedarfen in Pflege, Handwerk, Gastronomie oder Verkehr und Logistik kommen laut Festag noch fehlende Fachkräfte in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik hinzu.

 
 
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