Arbeitskreis Asyl in Oberriexingen Im Kampf gegen Abschiebungen

Von Michaela Glemser
Karin Großkopf und Rolf Regener im Laden des Arbeitskreises Asyl in Oberriexingen. Die beiden Vorsitzenden leisten rund 20 Stunden ehrenamtliche Arbeit pro Woche.⇥ Foto: Martin Kalb

Mitglieder des Arbeitskreises Asyl legen Bericht über ihre Arbeit in den letzten Jahren vor. Dabei gibt es einen akuten Härtefall.

Der Vater absolviert eine Ausbildung zum Altenpfleger in einem Seniorenheim in Bietigheim-Bissingen, die Mutter konnte nach langem Warten endlich einen Deutschkurs belegen, und die beiden vier sowie drei Jahre alten Kinder, die in Deutschland geboren wurden, haben Kontakte im Kindergarten geknüpft. Jetzt jedoch droht der Familie die Abschiebung in ihr Herkunftsland Nigeria, wo sie vor Zwangsprostitution und Menschenhandel geflüchtet ist.

„Die Familie wurde im Asylverfahren in Deutschland abgelehnt, weil Vater und Mutter keine Pässe und keine Geburtsurkunden haben. Das kostet in Nigeria Geld, das die Familie bei ihrer überstürzten Flucht nicht hatte. Von Deutschland aus die notwendigen Dokumente zu besorgen, ist eine enorm schwierige Aufgabe“, erklärt Karin Großkopf, Vorsitzende des Arbeitskreises Asyl Oberriexingen.

Fünf Familien in der Stadt

Die afrikanische Familie, die nun nach rund vier Jahren jeden Tag aus Deutschland abgeschoben werden kann, ist eine von fünf geflüchteten Familien, die derzeit in der Anschlussunterbringung oder in privat gemieteten Wohnungen in Oberriexingen leben. Sie werden von den Mitgliedern des Arbeitskreises Asyl bei Behördengängen, bei Arztbesuchen, bei Kindergarten- und Schulangelegenheiten, bei der Arbeitssuche und der Frage nach einem geeigneten Deutschkurs kontinuierlich unterstützt. „Natürlich war zu Beginn der Flüchtlingswelle das öffentliche Bewusstsein für diese Menschen noch größer, und unser Kreis hatte 30 bis 40 Helfer. Heute sind es noch zehn bis 15 aktive Mitglieder. Aber der Zuspruch in der Bevölkerung für unsere Anliegen ist immer noch sehr groß.“ So erhalten die Ehrenamtlichen nach wie vor viele Spenden für den Kleider- und Haushaltswarenbasar in der Friedrichstraße, dessen Räumlichkeiten die Stadt ohne Miete zur Verfügung gestellt hat. Auch einen jährlichen Zuschuss von der Stadt gibt es.

Enttäuscht über Abschiebung

Großkopf hat jüngst einen ausführlichen Bericht über die Arbeit des Arbeitskreises Asyl Oberriexingen in den Jahren seit 2017 vorgelegt. Darin ist auch von der enttäuschenden Abschiebung einer hochschwangeren Frau im Jahr 2018 die Rede.

„Mein Glaube an den deutschen Rechtsstaat hat vor allem in der Asylpolitik einen deutlichen Knacks bekommen. Diese Abschiebung war in der Form illegal, ohne dass es wahrscheinlich zu Konsequenzen gekommen ist“, sagt Rolf Regener, zweiter Vorsitzender des AK Asyl, „diese Tiefschläge als ehrenamtlich tätiger Helfer im Asylkreis sind nur schwer auszuhalten. In der Politik sollten auch einmal die positiven Aspekte der Zuwanderung bessere Berücksichtigung finden.“ So könnten die geflüchteten Menschen die mangelnden Arbeitskräfte in einigen Berufen in Deutschland ersetzen, unterstreicht Regener.

Aber das Engagement im Arbeitskreis Asyl habe auch sehr viele positive Seiten, betont Großkopf: „Die herzliche, offene Art der geflüchteten Familien, wenn sie einmal zu jemandem Vertrauen gefasst haben, ihre große Dankbarkeit für die Unterstützung und ihr Wille sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren, sind wirklich beeindruckend. Dies macht die Arbeit im Arbeitskreis Asyl so bereichernd für das eigene Leben.“

Diese Momente lohnen den Einsatz von mehr als 20 Stunden in der Woche. Jetzt hoffen die beiden Vorstandsmitglieder des Arbeitskreises Asyl in Oberriexingen, dass für die von der Abschiebung bedrohte Familie aus Nigeria dennoch ein Wunder geschieht und ihre inzwischen über einen Anwalt in Afrika besorgten Dokumente auch anerkannt werden, nachdem sie in einer ersten Runde bei den Behörden als nicht „glaubwürdig“ abgelehnt wurden.

 
 
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