Arbeitsplatzabbau und Sozialplan im Besigheimer Werk Verhandlungen bei Komet beendet

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Das Werksgelände von Komet am Rande der Besigheimer Altstadt.⇥ Foto: Werner Kuhnle

Die Geschäftsführung der Muttergesellschaft Ceratizit und die Arbeitnehmervertreter haben sich auf ein Abfindungsprogramm und einen Sozialplan geeinigt

Mann + Hummel und Bosch AS haben die Ergebnisse ihrer Verhandlungen über Werksschließungen und Arbeitsplatzabbau in Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen bereits bekannt gegeben. Jetzt ist auch klar, wohin die Reise bei Komet in Besigheim geht: Bei einer Betriebsversammlung stellte die Geschäftsführung den Mitarbeitern in dieser Woche das Ergebnis der Verhandlungen über den Interessenausgleich, den Sozialplan und das Programm für das freiwillige Ausscheiden aus dem Unternehmen vor.

Es bleibt beim Arbeitsplatzabbau in großem Umfang. Bis zum Herbst 2022, wenn die Umstrukturierung beendet ist, werden noch etwa 400 Mitarbeiter bei Komet beschäftigt sein, sagte ein Sprecher der Luxemburger Muttergesellschaft Ceratizit auf Anfrage der BZ. Das Unternehmen hatte im Januar angekündigt, etwa die Hälfte der Belegschaft der Komet-Werke in Besigheim und Stuttgart nicht mehr zu benötigen, etwa 325 von damals 631 Beschäftigten sollten ihren Arbeitsplatz verlieren, hieß es damals.

„Faires Ergebnis“

Gemeinsam mit dem Betriebsrat sei die Geschäftsführung bei Interessenausgleich und Sozialplan zu einem „fairen Ergebnis“ gekommen, wertete der Unternehmenssprecher Umfang und Höhe der Abfindungsregelungen. Sozialplan und Abfindungsprogramm böten den Mitarbeitern gute Voraussetzungen, sich persönlich neu zu orientieren.

Laut einem Papier der Unternehmensführung, das der Belegschaft vorgestellt wurde und der BZ vorliegt, richten sich die Abfindungen nach der Betriebszugehörigkeit  und reichen bis zu einer Summe von 150 000 Euro. Mitarbeiter, die sich bis Ende Mai entscheiden, bei Komet aufzuhören, werden mit einer weiteren Turbo-Prämie gelockt. Für ältere Mitarbeiter gibt es Aufschläge auf das Arbeitslosengeld und Ausgleichsregelungen für Rentenabschläge.

Detaillierte Regelungen gibt es auch für die Mitarbeiter, die laut dem Sozialplan ausscheiden müssen. Sozialplan und Interessenausgleich wurden am 21. April unterzeichnet. Sie erhalten die Möglichkeit, für etwa zwölf Monate in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Sozialzuschläge für Kinder, für Schwerbehinderte und für die Schichtarbeiter wurden ebenfalls vereinbart. Die betriebsbedingten Kündigungen werden ab dem 1. September ausgesprochen. Ob und in welchem Umfang sie notwendig seien, entscheide sich erst nach dem Ende des Freiwilligenprogramms.

Parallel treibt das Unternehmen die Umstrukturierung des Werkes in Besigheim voran. Ende Juni will Ceratizit die Verlagerung von Teilen der Produktion nach Bulgarien und Reutte abgeschlossen haben. Zum Jahresende 2021 und zur Jahresmitte folgen weitere Verlagerungen nach Bulgarien und Kempten. Im März 2022 soll die Härterei in Besigheim geschlossen werden.

Investitionen angekündigt

Der Standort Besigheim bleibt nach dem Abschluss der Umstrukturierung Leitwerk für bestimmte Teile der Produktion und werde innerhalb der Ceratizit-Gruppe „Kompetenzzentrum für die globale Produktentwicklung“ heißt es in dem Papier der Geschäftsleitung. „Ceratizit glaube „weiter fest an den Standort Besigheim“, betonte der Unternehmenssprecher. Insbesondere Produkte für das Bohren, Reiben, Gewinden, für Wendeschneidplatten und andere Werkzeuge sollen künftig in Besigheim entwickelt und hergestellt werden.

Die Wettewerbsfähigkeit sei das oberste Ziel, heißt es, „um die Wirtschaftlichkeit des Standortes und die verbleibenden Arbeitsplätze nachhaltig zu sichern“.  Um den Standort darauf vorzubereiten, seien Investitionen in Millionenhöhe vorgesehen. Bereits im Januar hatte Ceratizit angekündigt,  die Automatisierung und Digitalisierung der Produktion voranzutreiben und die Mitarbeiter mittels einer „Qualifikationsinitiative“ darauf vorzubereiten.

 
 
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