Atelierhaus Melis in Bietigheim-Bissingen Schlichte Formen, große Kunstfertigkeit

Von Helga Spannhake
Das Atelierhaus Melis mit Ausstellungsgarten ist seit den 1950er-Jahren im Bietigheim-Bissinger Stadtteil Metterzimmern beheimatet. Fritz Melis Tierskulpturen sind gerade in Bietigheim legendär. Tochter Daniela Melis-Luitz hat sich dem Töpfern verschrieben. Foto: /Oliver Bürkle

Das Atelierhaus Melis mit Ausstellungsgarten ist seit den 50er Jahren in Metterzimmern, Bietigheim-Bissingen, beheimatet. Fritz Melis Tierskulpturen sind legendär und überall auf der Welt zu finden. Tochter Daniela Melis-Luitz hat sich dem Töpfern verschrieben. Am Freitag und Samstag steht ihr Haus Interessierten offen.

Drei aus Lava-Stein geschaffene Affen bilden das Empfangskomitee am Eingang. Sie stammen von und erinnern an den bekannten Bietigheimer Bildhauer Fritz Melis. Er starb im Jahr 1982, gerade als seine Tochter Daniela ihre Lehre als Keramikerin in Besigheim absolvierte. „Ich habe daraufhin angefangen, in seinem Atelier als selbstständige Töpferin zu arbeiten“, erinnert sie sich an ihre eigenen gestalterischen Anfänge.

Vielfalt des Naturprodukts

Fritz Melis arbeitete ab und an ebenfalls mit Ton, er inspirierte sie und unterbreitete ihr den Vorschlag, sich mit diesem Material zu befassen: „Mich motiviert die Vielzahl der Möglichkeiten, die man hat, wenn man mit dem Naturprodukt Lehm beziehungsweise Ton arbeitet“. Daniela Melis-Luitz fand ihre künstlerische Heimat an der Drehscheibe, an der sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen kann.

Schnickschnack ist nicht so ihr Ding. Daniela Melis-Luitz bevorzugt für ihre Keramik einfache, klare Linien – ganz im Geiste ihres Vaters. Auf das Wesentliche reduziert sind seine Skulpturen von Vögeln, Kühen, Affen und anderen Tieren, die sich in jedem Zimmer sowie im Garten tummeln. Majestätisch schauen die beiden bronzenen Kronen-Kraniche über die Rasenfläche, verspielter dagegen der Anblick der beiden Kühe aus Edelstahl, und tief in sich ruhend steht die Naturstein-Affenmutter mit Kind vor der Terrassentür.

Daniela Melis-Luitz kennt viele Geschichten zu den Werken ihres Vaters, die zur kleinen weißen Katze neben der Relax-Liege im Wohnzimmer ist ihre Lieblingsgeschichte: „Die Katze ist in Stuttgart, unmittelbar nach dem Krieg entstanden. Arbeitsmaterial war damals nur schwer zu bekommen“, erläutert sie und erzählt weiter, wie ihr Vater durch die zerbombte Stadt lief. Von einer fast vollständig zerstörten Statue im Rosensteinpark nahm er den unversehrten Oberschenkel mit und schuf daraus die schöne schlafende Katze.

Manches steht zum Verkauf

An den beiden Tagen der Offenen Tür können das Kätzchen ebenso wie die anderen Kunstwerke von Fritz Melis angeschaut werden und teils sogar käuflich erworben werden. Daniela Melis-Luitz ist die Treppe hinuntergestiegen und öffnet im Erdgeschoss die Tür zu einem mehrere Meter hohen und komplett lichtdurchfluteten Raum: Das Atelier, das dem Haus, in dem es keinen einzigen rechten Winkel gibt, seinen Namen gab. Auf dem Keramikofen tummeln sich ebenmäßige weiße Schalen und in einem Regal an der hinteren Wand stehen abgedeckt weitere Gegenstände aus Ton. Sie stammen vom vergangenen Töpferkurs.

Die Kreativität ruhte einige Jahre

Denn nachdem Daniela MelisLuitz durch Kinder und Alltag viele Jahre ihre Kreativität ruhen ließ, betätigt sie sich seit gut einem Jahr wieder voller Elan als Keramikerin „Wenn ich mit 60 nicht noch mal anfange, dann kann ich es bleiben lassen“, sagte sie sich und setzte ihre Drehscheibe erneut in Bewegung. Nun stehen Kaffeepötte aller Couleur im Verkaufsregal, Teller, Tassen, Vasen – stets aber Einzelstücke, denn große Serien stellt sie nicht her, hat sich stattdessen der Auftragsarbeit gewidmet. Ganz nach dem Geschmack ihrer Kunden, fertigt sie zum Beispiel personalisierte Tassen sowie Hundenäpfe.

Türkis, blau, rosa, gelb, rot, grün – schöne, kräftige Farben bevorzugt Daniela Melis-Luitz als Künstlerin. „Die Form ist mir allerdings noch etwas wichtiger“, sagt sie schmunzelnd.

Indem sie die Türen ihres Hauses zum Wochenende öffnet, möchte Daniela Melis-Luitz publik machen, dass es in Bietigheim wieder eine höchst aktive Töpferei gibt. 

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