Auf dem Löchgauer Weißenhof werden seit mehr 40 Jahre Weihnachtsbäume verkauft Bäume wachsen bis zu zwölf Jahre

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Weihnachtsbaumparadies auf dem Weißenhof in Löchgau. Von links: Michael Müller aus Benningen und Inhaber Slawomir Raducki. ⇥ Foto: Helmut Pangerl

Slawomir Raducki und Michael Weiß verkaufen auf dem Weißenhof Bäume, die sie in eigenen Kulturen gezogen haben und betonen die ökologisch Vielfalt in den Pflanzungen.

Seit dem ersten Advent spätestens denken viele an den Nadelbaum, der zum Hauptdarsteller an Heilig Abend im Wohnzimmer wird und wissen: Auf dem Weißenhof in Löchgau zum Beispiel warten Blautannen, Rotfichten, Koloradotannen und fast unendlich viele Nordmanntannen. Wer auf den Weißenhof kommt, sieht Tannenbäume fast soweit das Auge reicht in allen Größen, mit oder ohne Wurzeln. Der Weißenhof ist ein reiner Familienbetrieb. Angestellte für den Tannenbaumverkauf gibt es nicht.

„Mein Vater Karl Weiß hat vor mehr als 40 Jahren mit dem Tannenbaumgeschäft angefangen. Er kommt aus der Forstwirtschaft. Da lag es nahe, sich einen Vorrat an Tannenbäumen zuzulegen, kleine, die er selbst aufgezogen hat“, erzählt Slawomir Raducki, der zusammen mit seinem Bruder Michael Weiß das Tannenbaumgeschäft vor 18 Jahren übernommen hat.

Für die Hauptpflanzzeit im Herbst kaufen die beiden Jungpflanzen, die zwei bis drei Jahre alt sind aus deutschen Pflanzschulen meistens im Hamburger Raum. Ein Bewässerungssystem für Tannenbäume braucht es nicht, so die Erfahrung von Slawomir Raducki und seinem Bruder. Die Herbstpflanzung hat für ihn den Vorteil, dass es in dieser Jahreszeit mehr regnet als im Frühjahr.

„Zu 80 Prozent verkaufen wir Nordmanntannen. Das ist seit Jahren so. Die restlichen 20 Prozent verteilen sich auf Blautannen, Rotfichten und Koloradotannen“, erzählt Raducki und verrät: „Nach fünf oder sechs Jahren kann man die ersten kleinen Bäume ernten. Eine Baumkultur hat eine Standzeit zwischen acht und zwölf Jahren, je nachdem, welche Größe man haben will.“

Nach dem Pflanzen kommt die Zeit der Baumpflege: Dazu gehört, dass die Umgebung des Bäumchens gemäht wird und dass auch Bäume beschnitten werden. Vogelstangen müssen angebracht werden, so dass keine Vogelkralle mehr die zarten jungen Tannenspitzen beschädigt.

Die heiße Verkaufsphase vor dem Fest hat auch im Coronajahr 2021 längst begonnen. „Das geht meistens am Wochenende des ersten Advents so richtig los und steigert sich dann bis zum Heiligen Abend“, erzählt Raducki. An den beiden letzten Wochenenden vor Weihnachten kann sich Raducki über fehlende Kundschaft nicht beklagen. Viele kaufen ihre Bäume erst in letzter Minute. Andere wollen ihn bei sich zu Hause in Ruhe willkommen heißen und lassen ihn ungeschmückt noch eine Weile draußen stehen.

Der Nadelbaumkenner rät: „Die frisch geschlagenen Bäume soll man drei bis vier Tage im Kellerraum oder in die Garage stellen, damit sie sich akklimatisieren können. Dafür kann man sie ohne Problem im Netz lassen und gern in einen Eimer Wasser stellen. Es gibt auch Tannenbaumständer mit einem Seilzug. Da bleibt die Rinde dran, was sich sehr gut auf die Haltbarkeit des Baumes auswirkt. Der Baum zieht hauptsächlich Wasser durch die Rinde.“

Viele heimische Tierarten leben in der Weihnachtsbaumkolonie auf dem Weißenhof. „Die Kultur bietet Schutz vor Wind und Wetter und Nahrung und Brutstätten für Vögel und Kleintiere wie Igel, Schnecken und Feldhasen“, zählt Raducki auf. Da eine Kultur über ein Jahrzehnt oft stehen bleibt, leistet der Tannenbaumzüchter einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz. Überall zwischen den Bäumen wachsen Blumen und Gräser und bieten Nahrung für Insekten und kleine Nager. „Deshalb ist es so wichtig, dass die Menschen ihre Weihnachtsbäume in der Region kaufen, weil wir nur so die ökologischen Vorteile einer Baumkultur halten können“, macht Raducki klar.

 
 
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