Aufreger im Sachsenheimer Teilort Teile Hohenhaslachs vom Internet abgeschnitten

Von Michaela Glemser
Die Verteilerstation macht Probleme.⇥ Foto: Martin Kalb

Netzbetreiber nennt keine konkreten Fehlerquellen und sucht tagelang erfolglos nach Ursachen.

Seit Dienstag können viele Haushalte in Hohenhaslach nur noch mit ihrem Mobiltelefon mit der Außenwelt kommunizieren. Funktionierte die Internetverbindung am Dienstag noch zeitweise, geht seit Dienstagabend gar nichts mehr.

Wer keinen analogen Telefonanschluss, ist auch nicht mehr auf dem Festnetz erreichbar oder kann selbst telefonieren. Viele Arbeitnehmer, die derzeit vermehrt im Homeoffice tätig sind, können nicht mehr ihrer gewohnten Tätigkeit nachgehen. Online-Sitzungen müssen verschoben oder abgesagt werden. Bei vielen Hohenhaslachern liegen inzwischen die Nerven blank.

Verständnis dafür hat der Hohenhaslacher Ortschaftsrat und Sachsenheimer Gemeinderat Peter Brosi. „Wir müssen dringend etwas gegen die marode Internetanbindung in Hohenhaslach unternehmen. Wir müssen schauen, was wir beim Ausbau der Breitbandversorgung vorziehen können, um einen solchen Ausfall der Internetverbindung über mehrere Tage künftig zu verhindern“, macht Brosi deutlich. Einen entsprechenden Vorschlag an Bürgermeister Holger Albrich will er in seiner Fraktion diskutieren und an die Verantwortlichen der Stadt Sachsenheim weiterleiten.

Auch in den Reihen der Stadtverwaltung gab es wegen der aktuellen Internet-Störung in Hohenhaslach schon Kontakt mit den Vertretern der Telekom. In Hohenhaslach wird das Internet über eine störungsanfällige Richtfunkanbindung verbreitet.

„Störungen wegen des Wetters“

„Nach Rücksprache mit der Telekom erfolgen derzeit so viele Störungen in Hohenhaslach wegen des Wetters. Wohl setzen langanhaltendes Nebel- und Nieselregenwetter der Übertragung zu“, erläutert Nicole Raichle, Pressesprecherin der Stadt Sachsenheim. Auf mehrmalige Anfragen der BZ beim Netzbetreiber hielt sich Telekom-Pressesprecher Nico Göricke weitgehend bedeckt: „Eine erste Analyse hat ergeben, dass es derzeit Probleme mit der Richtfunk-Anbindung gibt. Hier arbeiten die Technikerteams bereits daran, die Ursache und den Fehler schnellstmöglich zu beheben und unsere Kunden umgehend wieder ans Netz zu bringen.“ Dass die Richtfunkanbindung die einzige Ursache für den aktuellen Internet-Ausfall in Hohenhaslach ist, bezweifelt Gemeinderat Peter Brosi. „Wenn das Richtfunksignal an den unterschiedlichen Verteilerkästen an der Neuapostolischen Kirche in Hohenhaslach nicht ankommt, kann es auch nicht auf die einzelnen Wohngebiete in Hohenhaslach verteilt werden. Daher müsste ganz Hohenhaslach einen Totalausfall haben. Aber in einzelnen Teilen des Ortsgebietes funktioniert die Internetanbindung inzwischen wieder“, schildert Brosi. Er erhofft sich, wie so viele andere Bürger, eine genaue Benennung der Fehlerquellen durch die Telekom und vor allem auch eine umgehende Behebung dieser. „Manche Haushalte sind jetzt bereits über drei Tage ohne Internet- und Telefonanbindung. Ohne Handy kann nicht einmal ein Notruf abgesetzt werden“, gibt Brosi zu bedenken.

„Weiße Flecken“ beseitigen

Laut Pressesprecherin Nicole Raichle, arbeite die Stadt mit allen Akteuren daran, eine flächendeckende Versorgung mit Internet im Stadtgebiet umzusetzen. Daher sei die Stadt auch dem Zweckverband „Kreisbreitband Ludwigsburg“ beigetreten, so Raichle. Unter anderem hat die Stadt Fördermittel in Höhe von rund 1,3 Millionen Euro beantragt, um die sogenannten „weißen Flecken“, die über eine Internetanbindung mit einer Geschwindigkeit von unter 30 Megabit pro Sekunde verfügen, in Hohenhaslach zu beseitigen.

Gemäß den Zuschussbedingungen müssen diese Maßnahmen bis spätestens Ende 2024 abgeschlossen sein. „Daher gehen wir aktuell von einer Umsetzung der Maßnahmen in Hohenhaslach in den Jahren 2023 und 2024 aus. Die Stadt steht dazu im Austausch mit dem Zweckverband ‚Kreisbreitband‘ Ludwigsburg, der auch den Breitbandausbau in Sachsenheim koordiniert. Eine konkrete Zeitplanung liegt aber noch nicht vor“, betont Raichle.

Eine zusätzliche Leerrohr-Verlegung bei den jüngsten Sanierungsarbeiten an der Landesstraße L1110 zwischen Großsachsenheim und Hohenhaslach für einen möglichen Glasfaseranschluss von Hohenhaslach sei nicht vorgenommen worden, weil der Zweckverband andere Lösungen im Blick habe, so die Stadtsprecherin.

 
 
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