Aus dem Fundus der Historischen Gesellschaft in Bönnigheim Nur der Glockenklöppel ist vom Alten Rathaus übrig

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Der Klöppel der Rathausglocke ist als einziges Stück vom alten Bönnigheimer Rathaus übriggeblieben.⇥ Foto: Jürgen Kunz

Die Historische Gesellschaft lagert das einzige Relikt des 1945 zerstörten Bönnigheimer Gebäudes.

„Ein ortshistorisch sehr interessantes Teil“, so der Vorsitzende Kurt Sartorius, lagert im Depot der Historischen Gesellschaft Bönnigheim im Dachgeschoss des Kavaliersbaus: Der Klöppel der Rathausglocke, der nach der Zerstörung des den Marktplatz prägenden Gebäudes im April 1945 von einem Bönnigheimer aus den Trümmern gesichert wurde.

Der 7. April 1945, ein Samstag, war einer der schrecklichsten Tage der jüngsten Geschichte Bönnigheims. Schon am Vortag hatte NSDAP-Ortsgruppenleiter Glaser den Volkssturm antreten lassen, und dabei jedem mit dem Tod gedroht, der seinen Posten vor dem offensichtlichen Ansturm französischer Truppen verlassen sollte. Wie es im Bericht von Rektor Koppenhöfer im Bönnigheimer Heimatbuch heißt, begann am 7. April der Hauptangriff der französischen Artillerie von Nordwesten und Norden, dem Zabergäu entlang. Koppenhöfer: „Allem Anschein nach hatte es er (der Feind) auf den Kirchturm abgesehen. Dort vermutete er Beobachter. Es war auch einer dort, der mit telefonischer Verbindung ausgestattet war. Der erste Schuß ging am Turm vorbei und traf das Haus des Weingärtners G. Kölle in der Poststraße, das sofort in Flammen aufging. Der zweite Schuß traf den Turm selbst, zerschmetterte den Mastbau des Helms und ging hindurch, zum Glück ohne zu zünden.“ Weitere Ziele der Artillerie waren der obere Torturm, der direkt im Wege stand, und der Burgturm, auf denen ebenfalls zurecht Beobachter vermutet worden waren.

„Danach folgte Treffer auf Treffer auf die Gebäude im Innern der Stadt“, heißt es in dem Augenzeugenbericht von 1945 weiter. Auch das Rathaus, 1765/66 im Barockstil vom Stadion’schen Baumeister Anton Haaf erbaut, fiel den Flammen zum Opfer und brannte komplett aus. Nur die Hauptfassade blieb zunächst stehen. Weder vom kurz vor dem Angriff verstorbenen Bürgermeister Emil Henne, noch vom Ortsgruppenleiter war etwas unternommen worden, zuvor die im Rathaus gelagerten wertvollen alten Bücher, Akten und Sammlungen zu bergen, die in den unteren Räumen des Gebäudes hätten feuersicher aufbewahrt werden können. So verbrannten 72 alte Pergament-Urkunden und sämtliche alten Ganerben-Adelsbücher sowie das aus dem 1525 stammende Stadtrecht.

Auch die Bronzeglocke schmolz beim Brand des Rathauses. Den eisernen Klöppel barg ein älterer Bönnigheimer als Schrottteil aus der Ruine. Dessen Tochter hat dann Jahre später dieses Relikt der Sammlung der Historischen Gesellschaft übergeben.

 
 
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