Aus im Viertelfinale nach einem 0:2 gegen Pfedelbach Löchgauer Pokal-Märchen endet ohne Happy End

Von
Die große Löchgauer Chance zum 1:1-Ausgleich: Der eingewechselte Terry Asare (links) hat abgezogen. Doch auch diesen Schlenzer wehrte der überragende Pfedelbacher Torhüter Hannes Fischle letztlich ab.⇥ Foto: Marc Schmerbeck

Der FVL scheidet im Viertelfinale des WFV-Pokals gegen den TSV Pfedelbach aus. Den Gästen fehlt bei der 0:2-Niederlage in Öhringen der Killerinstinkt.

Halbfinale, Halbfinale, hey, hey“, sangen die Fußballer des TSV Pfedelbach im Spielerkreis und pfiffen für diesen einen Moment des Jubels auf die Corona-Beschränkungen. Ein paar Meter weiter saßen die Kicker des FV Löchgau wie begossene Pudel auf dem Rasen – frustriert, fassungslos, ausgelaugt. Kurz zuvor war ihr Traum vom ersten Einzug ins WFV-Pokal-Halbfinale der Vereinshistorie geplatzt. Mit dem 0:2 im Öhringer Otto-Meister-Stadion endete für den FVL am Samstagabend das Pokal-Märchen, das nun für den Landesliga-Rivalen aus dem Hohenlohekreis weitergeht. Als einziger Siebtligist steht Pfedelbach im Halbfinale und fordert am Samstag (15.30 Uhr) die TSG Balingen aus der Regionalliga heraus.

„Das Hauptaugenmerk liegt auf der Runde und dem Saisonstart. Wie das Spiel gegen Balingen ausgeht, ist mir jetzt erst mal noch Banane“, dämpfte Spielertrainer Michael Blondowski die Euphorie im TSV-Lager. Sein Löchgauer Kollege Thomas Herbst, mit dem er einst gemeinsam den Trainerschein gemacht hat, war dagegen geknickt: „Die Enttäuschung ist absolut da und berechtigt. Wir wollten unbedingt ins Halbfinale und hatten uns fest vorgenommen, hier zu gewinnen.“

Eigentlich konnte Herbst seinen Schützlingen bis auf den schwachen und etwas leblosen Auftritt in den ersten 25 Minuten nicht viel vorwerfen. In der übrigen Spielzeit dominierten die Roten vor den 400 Zuschauern das Viertelfinale nach Belieben. Löchgau hatte gefühlt 70 Prozent Ballbesitz und berannte praktisch ohne Unterlass den Pfedelbacher Kasten, um den 0:1-Rückstand aus der 14. Minute auszumerzen. Da hatte Pfedelbachs Neuzugang Janik Pfeiffer aus 22 Metern abgezogen. Der Ball sprang vor FVL-Torhüter Simon Kretschmer noch mal tückisch auf, ehe er ins linke untere Eck hopste.

Auf der Gegenseite war den Gästen das Abschlussglück nicht hold. Gleich zweimal lenkte der überragende TSV-Schlussmann Hannes Fischle Schüsse von Kubilay Baki mit Glanzparaden zur Ecke. „Er war für mich heute unser Man of the Match“, stellte Pfedelbachs Coach Blondowski später mit einer Anleihe aus dem Englischen fest. „Der Keeper hat uns heute den Hintern gerettet.“

Asare bringt frischen Wind

Auch nach der Pause spielte nur eine Mannschaft: Löchgau. Doch an der Effektivität haperte es wie gehabt. Es fehlte der Killerinstinkt. Und es fehlte die Kreativität eines Peter Wiens – der Kapitän und Mittelfeldstratege weilte wegen einer Verletzung am Zeh nur in Zivil im Stadion. Der Gastgeber, der sich wie der FVL seit drei Wochen in der Vorbereitung befindet, bekam zunehmend ein Problem mit der Kraft und der Puste. Gerade Terry Asare, den viele im Gästelager von Anfang an erwartet hatten, machte nach seiner Einwechslung Rabatz und stürzte Pfedelbachs Defensive von einer Verlegenheit in die nächste. Der 22-Jährige hatte in der 81. Minute auch die Riesenchance zum 1:1-Ausgleich, aber erneut war Fischle da und klärte den Schlenzer per Fußabwehr.

In der Nachspielzeit machten die Hohenloher dann gegen die weit aufgerückten Löchgauer alles klar: Ein Abschlag von Fischle wurde im Mittelfeld verlängert, und der durchgebrochene Jens Schmidgall vollendete zum 2:0, was einen Pfedelbacher Jubelorkan zur Folge hatte: Alle Spieler, Trainer und Betreuer sprinteten von der Seitenlinie zum Torschützen aufs Feld. Selbst der verletzte Stürmer Julian Krämer, der im März einen Bänderriss im rechten Knöchel erlitten hatte und erst vor zwei Wochen operiert worden war, raste mit seinem klobigen Spezialschuh los und vergaß dabei völlig sein Handicap.

Herbst zeigte sich nach dem Pokal-Aus als fairer Verlierer. „Von mir aus kann Pfedelbach jetzt gern auch ins Finale einziehen. Wir sind da nicht missgünstig“, sagte der FVL-Coach. Er ist mit seinem Team am Samstag (15.30 Uhr) ebenfalls wieder im WFV-Pokal gefordert – dann allerdings im Wettbewerb der neuen Saison. Gegner ist der Verbandsligist TSV Heimerdingen.

 

Info

VfB Stuttgart II und SG Sonnenhof spielen den vierten Halbfinalisten aus

Drei Regionalligisten und der Landesligist TSV Pfedelbach machen den WFV-Pokalsieg 2019/20 unter sich aus. Aus diesem Kreis rekrutiert sich der Teilnehmer, der in der ersten Runde des DFB-Pokals (11. bis 14. September) Zweitligist FC Erzgebirge Aue herausfordern darf. Der vierte Halbfinalist wird am Mittwoch (18 Uhr/Robert-Schlienz-Stadion) im Duell zwischen dem VfB Stuttgart II und der SG Sonnenhof Großaspach (beide Regionalliga Südwest) ermittelt. Neben dem Löchgau- Bezwinger aus Pfedelbach haben am Samstag die TSG Balingen und der SSV Ulm 1846 nach ihren Siegen gegen Göppingen (4:2) und Ravensburg (5:1) den Sprung ins Halbfinale geschafft. Dort lauten die Paarungen Pfedelbach gegen Balingen (8. August, 15.30 Uhr) sowie Ulm gegen den Sieger VfB II/Großaspach (Termin noch offen). Das Endspiel steigt am 22. August beim Finaltag der Amateure, der von der ARD live im Fernsehen gezeigt wird. Bereits am kommenden Wochenende beginnt der württembergische Verbandspokal-Wettbewerb der Saison 2020/21. ⇥ae

 
 
- Anzeige -