Ausgrabungen in Bissingen mit neuen Erkenntnissen zu den Alamannen Ur-Bissingerin mit Kette und Strumpfbändern

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Das Skelett einer Frau aus der Merowingerzeit, das an der Gerokstraße in Bissingen ausgegraben wurde. Sie trägt eine bunte Perlenkette. Foto: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart/Sebastian van Kaam

Die Grabungen in der Gerokstraße sind inzwischen ausgewertet. Unter anderem wurden 29 Bestattungen aus der Zeit der Alamannen entdeckt, darunter ein gut erhaltenes Frauengrab.

Auf ihrem letzten Gang trug sie eine aus mehr als 50 Perlen bestehende Kette, ein Gürtelgehänge mit Messer, Pinzette, Haken, Bronzeanhänger und Muschel. Auch Strumpfbänder und ein großes Keramikgefäß entdeckten die Archäologen in dem Grab der Frau, die im frühen Mittelalter in der Näche der heutigen Schillerschule in Bissingen bestattet worden war.

Der Fund ist eines der Ergebnisse, die die Ausgrabungen des Landesdenkmalamts im Regierungspräsidium Stuttgart unter der Leitung von Christian Bollacher im Sommer und Herbst auf dem Gelände der geplanten Kindertagesstätte an der Gerokstraße zu Tage brachten. Für die Archäologen eine Überraschung, denn bekannt war nur, dass es dort eine römische Siedlung gab.

Über römischer Siedlung

Dass in dem Gebiet ein Blick ins Erdreich lohnenswert war, wussten die Archäologen, nachdem dort bereits 1931 römische Funde gemacht worden waren. Zirka 30 Jahre später wurde dann bei Bauarbeiten auch noch ein römischer Keller gefunden. Daher sei offensichtlich gewesen, dass in diesem Umfeld eine römische Siedlung zu verorten war, teilt Lisa Schlager, Sprecherin des Regierungspräsidiums, zu den inzwischen beendeten Ausgrabungen mit.

Erwartungsgemäß sei die römische Siedlung an dieser Stelle bestätigt worden (siehe Infokasten). Doch womit die Archäologen nicht gerechnet hätten, waren frühmittelalterliche Gräber, die an derselben Stelle lagen wie ehemals die römischen Gebäude und teilweise schon relativ dicht unter der Geländeoberkante zum Vorschein kamen. Das Landesdenkmalamt geht davon aus, dass die Alamannen, die im Frühmittelalter (Merowingerzeit vom 5. bis 8. Jahrhundert) in der Nähe siedelten, an der Stelle der römischen Siedlung einen Bestattungsplatz angelegten. „Die Gräber lagen alle im südlichen Teil des späteren Baufeldes, so dass der nördliche Rand des Gräberfeldes wohl erfasst ist. Dieses erstreckt sich vermutlich noch weiter nach Süden unter die Gerokstraße“, teilt Lisa Schlager mit.

Blick gen Sonnenaufgang

Erfasst wurden insgesamt 29 Bestattungen. Typisch für die damaligen Bestattungssitten war, dass alle Gräber in Ost-West-Richtung ausgerichtet sind, das heißt mit dem Kopf im Westen und Blick in Richtung aufgehende Sonne. „Die meisten Gräber sind einfache Erdgräber, aber es gab auch zwei mit Steinplatten abgedeckte Gräber sowie vier Gräber, bei denen es Hinweise auf eine hölzerne Grabkammer oder zumindest ein Totenbrett gab“, so Schlager.

Bei den Bestatteten handelt es sich um Männer, Frauen und Kinder. Die Toten wurden damals mit Beigaben ins Grab gelegt, allerdings waren zum Leidwesen der Archäologen nur etwa zwei Drittel der Gräber ungestört. Der Rest sei entweder ganz oder zum Teil von antiken Grabräubern ausgeräumt worden, mussten die Forscher feststellen.

Üblich war es damals, dass die Männer oft mit Waffen bestattet wurden, hier mit Kurzschwert (Sax) und Lanze, dazu kamen meist ein Messer und Gürtelbeschläge. Den Frauen wurden Schmuck beziehungsweise Trachtbestandteile mit auf die Reise ins Jenseits gegeben. Zum Glück für die Erforschung dieser Epoche hatten die Grabräuber, die über einen Raubschacht nach unten vorgedrungen waren, nicht alles erreichen können. Daher blieb auch das Holzkammergrab der erwähnten, reich ausgestatteten Frau verschont.

Neben den 29 Bestattungen stießen die Archäologen noch auf neun weitere Befunde, von denen angenommen wird, dass es auch Gräber waren, von denen aber nur noch Reste erhalten waren. „Es handelte sich wohl um flache Gräber, die durch die Abplanierung des Geländes fast vollständig abgetragen wurden“, so die RP-Sprecherin.

Lage der Siedlung nicht bekannt

Das neu entdeckte frühmittelalterliche Gräberfeld liegt zwischen zwei weiteren merowingerzeitlichen Bestattungsplätzen, die sich in einer Entfernung von 150 bis 200 Metern östlich beziehungsweise westlich davon befinden. Schlager: „Bis jetzt ist es aber das einzige, das mit modernen wissenschaftlichen Methoden archäologisch ergraben wurde.“ Wo die zu den Bestattungsplätzen dazugehörige(n) Siedlung(en) lagen, sei nicht bekannt. Es sei aber anzunehmen, dass der Ursprung des Dorfes Bissingen, aus dem die heutige Siedlung entstanden ist und das erst später erstmals in den Schriftquellen erwähnt wird, zu einem der Bestattungsplätze gehört habe.

 
 
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