Ausgrabungen in Hohenhaslach Funde aus der Steinzeit mitten im Wald

Von Michaela Glemser
Auch Sachsenheims Bürgermeister Holger Albrich erkundigte sich bei den Archäologen vor Ort nach ihren neuen Fundstücken und den daraus gewonnenen Erkenntnissen. ⇥ Foto: Michaela Glemser

Archäologen arbeiten an Ausgrabungen im Wald bei Hohenhaslach. Sie suchen zum zweiten Mal nach Relikten aus der Steinzeit – und finden noch mehr als vor zwei Jahren.

Behutsam streicht Stefan Wettengl über die Steinklinge, die jahrtausendelang im Waldboden hoch über Hohenhaslach schlummerte. „Das ist ein gut erhaltener Stichel. Mit diesem Werkzeug haben die Menschen in der Steinzeit geschnitten, graviert oder geschnitzt. Der Stichel ist aus Jurahornstein, der vermutlich von der Schwäbischen Alb stammte“, erklärt der Archäologe von der Universität Tübingen. Seit 2019 ist der Fachmann mit Kollegen und Studenten an der Ausgrabungsstelle mitten im Wald tätig. Im vergangenen Jahr musste das Team wegen der Pandemie pausieren.

Mit Pinseln, Kellen und feinen Schaufeln bearbeiten die Frauen und Männer den Waldboden auf einer rund acht Quadratmeter großen Fundstelle. Meist entdecken sie Steinwerkzeuge, die dann dreidimensional vermessen und kategorisiert werden. „Allerdings: Ein so gut erhaltenes Werkzeug wie den Stichel finden wir höchstens zweimal am Tag“, erklärt der Ausgrabungsleiter. An zehn Tagen buddelten er und sein Team dieses Jahr in Hohenhaslach. „Wir hoffen auf viele weitere Fundstücke im kommenden Jahr“, sagt Wettengl.

Lagerplatz in Altsteinzeit

In diesem Jahr haben die Archäologen deutlich mehr Fundstücke als 2019 entdeckt. Sogar Sandsteinplatten kamen zum Vorschein. Diese könnten als Boden für Zelte aus Tierfellen, als Ablagefläche oder als Abgrenzung für eine Feuerstelle fungiert haben. Zudem förderten die Wissenschaftler eine kreisförmige Befestigung eines Pfostens zutage. Gedient hat die Ausgrabungsstätte im Hohenhaslacher Wald wohl ursprünglich als Lagerplatz in der Zeit des sogenannten „Magdalénien“ im jüngeren Abschnitt der Altsteinzeit 18 000 bis 12 000 vor Christus. „Damals herrschte hier eine offene Steppenlandschaft vor. Die Menschen sind in kleineren Verbünden mit zehn bis zwanzig Mitgliedern, darunter auch Frauen und Kinder, wie Nomaden durch die Gegend gezogen. Sie jagten Rentiere und Wildpferde“, berichtet Wettengl.

Eine Ausgrabungsstätte in dieser Qualität gebe es, nach den Worten des Fachmanns, nur noch ein- bis zweimal in Deutschland. In der Regel handle es sich um Fundstellen in Höhlen, nicht im Freiland. „Der Fundplatz in Hohenhaslach liefert uns wieder neue Informationen über die Siedlungstätigkeiten damals am Ende der letzten Eiszeit. So wissen wir beispielsweise aufgrund der Steinfunde, die von der Schwäbischen Alb stammen müssen, dass sich zwischen der Alb und hier am Rande des Neckartals eine wichtige Siedlungs- und Wanderachse befand“, erklärt Wettengl.

Weiter Blick ins Tal

Von der Fundstelle im Hohenhaslacher Wald bot sich den Menschen damals ein weiter Blick bis hinunter ins Flusstal. Einige Gesteinsfunde ordnen die Experten auch dem Markgräfler Land zu. Aufmerksam wurden die Wissenschaftler auf die Ausgrabungsstelle durch den ehrenamtlichen Denkmalpfleger Alwin Schwarzkopf aus Schwaigern, der bei einer Wanderung im Wald erste Fundstücke erspähte, die durch das Suhlen von Wildschweinen an die Oberfläche befördert worden waren.

Nach ihrer Arbeit in diesem Jahr haben die Archäologen die Fundstelle bei Hohenhaslach wieder mit Säcken voller feingesiebter Walderde befüllt. Alle sind gespannt darauf, was sie im nächsten Jahr finden werden, um weiteren Aufschluss über das Leben in der Zeit des „Magdalénien“ zu gewinnen. 

 
 
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