Ausschuss in Ingersheim diskutiert über Heizzentrale Die Ausschreibung soll es richten

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Hier entsteht das Baugebiet „In den Beeten II“⇥ Foto: Martin Kalb

Der Verwaltungsausschuss tut sich schwer mit dem Standort einer Heizzentrale für das Baugebiet „In den Beeten II“ – und entscheidet sich dann doch eindeutig.

Die technischen Daten für den Wärmeenergiebedarf im neuen Ingersheimer Baugebiet an der Besigheimer Straße liegen auf dem Tisch, errechnet vom Ingenieurbüro für Energie- und Wärmetechnik Midiplan aus Bietigheim-Bissingen. 

Bei den gemeindeeigenen 27 Bauplätzen mit Reihenhäusern, Doppelhaushälften, Einfamilienhäusern und Mehrfamilienhäusern beträgt der Wärmeverbrauch rund 900 000 Kilowattstunden pro Jahr (kWh/a), für die Bebauung der 16 privaten Bauplätze kommen nochmals rund 290 000 kWh/a hinzu. Die Heizleistung beläuft sich auf insgesamt 720 Kilowatt (kW).

Privater Betreiber gesucht

Sollte, wie angedacht, „In den Beeten II“ noch eine Sporthalle gebaut werden, kommt eine Heizleistung von rund 180 kW und ein Wärmeverbrauch von rund 300 000 kWh/a hinzu. Um diesen Bedarf abzudecken, soll ein privater Betreiber auf einer Fläche von 12 mal 18 Metern eine Heizzentrale mit einem erdgasbetriebenen Blockheizkraftwerk (BHKW), einem Holzpellet-Heizkessel sowie einem Reserve-Heizkessel mit Gasbrenner bauen und betreiben. 

Man wolle das Beste für die Bauherren und für die Gemeinde, sagte Bürgermeisterin Simone Lehnert in der Sitzung des Verwaltungsausschusses am Dienstag, dem neun Ratsmitglieder angehören. Wie schwer es ist, das Beste zu erzielen, zeigte die nachfolgende Diskussion. Die entbrannte sich, als Frank Peetz, einer der drei Inhaber und Geschäftsführer von Midiplan, den von der Verwaltung favorisierten Standort einer Heizzentrale nördlich und nahe des geplanten neuen Kreisverkehrs als „Hauptvariante“ bezeichnete. Die Vorteile seien eine kurze Anbindung an die Gasleitung in der Forststraße und ein Lkw müsse zur Pellet-Anlieferung nicht ins neue Wohngebiet fahren.

Heftiger Widerspruch kam von Karl Seitz (FWG). Man müsse grundsätzlich nach Alternativen suchen. Man habe ein Windrad, man müsse die Dächer mit Photovoltaik-Anlagen bestücken und ein BHKW reiche aus – ohne Pelletanlage. „Pellets sind nicht zukunftsfähig“ ergänzte Karin Zimmer von WIR. 

Jürgen Fleischmann (FWG) sagte, die neue Heizzentrale solle so weit wie möglich in Richtung Shell-Tankstelle verlegt werden, dort falle sie am wenigsten auf. Hanne Hallmann, ebenfalls von der FWG, verteidigte den Standort. So sei erkennbar, woher die Energie komme. Eine Meinung, die auch Hilde Grabenstein von der SPD teilte. Ihr Vorschlag, die neue Heizzentrale einfach noch weiter nördlich auf eine Fläche zu bauen, die für Parkplätze vorgesehen ist, wurde jedoch verworfen. Dort ist eine Bebauung untersagt und die Fläche soll eventuell als Erdsondenfeld genutzt werden.

„Öl und Gas nicht zukunftsfähig“

Neben dem Standort wurde in der Sitzung auch darum gerungen, ob die vorgeschlagene Energieversogung überhaupt die richtige sei. Technik und Ökologie würden eine gute Verbindung eingehen, sagte Peetz. Mit der Anlage, betonte Lehnert, werde für die Kunden ein guter Wärmepreis erzielt und man habe einen hohen Anteil erneuerbarer Energien. Öl und Gas seien nicht mehr zukunftsfähig, dies wolle auch niemand. Als Beispiel wurde das Kleiningersheimer Gebiet „In den Linden“ genannt, wo von 27 möglichen Gasanschlüssen nur zwei umgesetzt worden seien.

Die Abstimmung über den von der Verwaltung vorgeschlagenen nördlichen Standort erhielt sieben Ja-Stimmen, eine Nein-Stimme und eine Enthaltung kam von WIR und MIT. Diese Entscheidung fließt nun bei der Abstimmung über die Ausschreibung der Heizanlage in der nächsten Ratssitzung am 20. Juli ein. Um alle Möglichkeiten auszuschöpfen, soll das Hauptangebot offen bleiben, so Bürgermeisterin Simone Lehnert. Nebenangebote wolle man zulassen, um Alternativen der Energieversorgung aufzuzeigen. „Es wird aber immer ein Kompromiss sein.“

 
 
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