Bahnhof Besigheim Barrierefrei bis Ende des Jahrzehnts?

Von Michael Soltys
Seit rund drei Jahren macht die Stadt Druck bei der Deutschen Bahn, den Bahnhof Foto: /Oliver Bürkle

Noch immer gibt es keinen Aufzug im Bahnhof. Ansätze sind vorhanden, doch die Pläne für den Umbau schleppen sich dahin.

Für Menschen mit Behinderungen sind die Gleise des Besigheimer Bahnhofs nur sehr schwer zu erreichen. Gleiches gilt für Eltern mit Kinderwagen und für die Menschen, die gerne ein Fahrrad oder gar ein schweres E-Bike mit in den Waggon nehmen wollen. Sie alle müssen Treppen überwinden, einen Aufzug zu den Gleisen gibt es nicht. Kurzfristige Änderungen sind nicht in Sicht. Reisende müssen noch für einige Jahre damit leben, dass der Bahnhof nicht barrierefrei zu erreichen ist. Das machte Bürgermeister Steffen Bühler am Dienstag im Ausschuss für Umwelt und Technik den Stadträten deutlich.

Stadt macht seit Jahren Druck

Dabei macht die Stadt schon seit drei Jahren Druck auf die Bahn, den Zugang zu den Gleisen endlich zu verbessern. Doch die Bahn winkt ab. In den Ausbauprogrammen des Unternehmens ist der barrierefreie Ausbau des Besigheimer Bahnhofs nicht einmal bis zum Ende des Jahrhunderts vorgesehen. In Besigheim will man sich damit nicht zufrieden geben. Auf Rechnung der Stadt hatte der Gemeinderat deshalb eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Für den Bau von zwei Aufzügen vor oder zwischen den Gleisen muss mit Kosten von rund drei Millionen Euro gerechnet werden. Zwar gibt es Zuschüsse von Seiten des Landes, aber die Hälfte davon müsste Besigheim auf jeden Fall alleine bezahlen.

Doch es gibt Hoffnung. Besigheim wurde in ein Förderprogramm aufgenommen, das vom Bund und den Ländern aufgelegt wurde. Es dient vor allem der Modernisierung von Bahnhöfen, von denen aus der Bahnhof in Stuttgart angefahren wird. Es geht nicht mehr nur um den Bau von Aufzügen. Die Bahnsteige sollen modernisiert und Hilfsangebote für blinde und sehbehinderte Menschen geschaffen werden. Das Land, der Bund und die Bahn haben bereits Planungen in Auftrag gegeben. Sollte es dazu kommen, sieht die Kostenbilanz ganz anders aus, erläuterte Bühler in seiner Vorlage an den Gemeinderat. Für dieses Projekt werden zwischen sechs und acht Millionen Euro veranschlagt. Der Haken daran: Für Besigheim würde ein Eigenanteil von rund einer Million Euro fällig.

„Mögliche andere Zuschussgeber“

Doch möglicherweise können der Landkreis und/oder die umliegenden Gemeinden einen Teil dieser Kosten übernehmen. Denn schließlich, so die Argumentation in Besigheim, wird der Bahnhof von vielen Pendlern aus dem Umland genutzt, die von dort aus in Richtung Stuttgart oder Heilbronn zur Arbeit fahren. Vom Landkreis kam in dieser Frage aber bereits ein klares „Nein“, berichtete der Bürgermeister. Im Ludwigsburger Kreishaus befürchte man einen Präzedenzfall, da solche Zuschüsse in ähnlichen Fällen bisher nicht gezahlt wurden. Stadtrat Thomas Pulli wies in der Diskussion darauf hin, dass beispielsweise Löchgau mit dem Bahnanschluss in Besigheim für sich werbe. So deutlich wurde Bühler nicht, er sprach lediglich von „möglichen anderen Zuschussgebern“. Wie geht es jetzt weiter? Mit dem Nein aus dem Kreis will sich die Stadt nicht zufrieden geben. Es sollen weitere Gespräche geführt werden. Die von Bund, Land und Bahn in Auftrag gegebenen Pläne sollen im Frühjahr 2024 im Gemeinderat vorgestellt werden. Vorsichtshalber wird die Stadt ab dem Jahr 2027 für drei Jahre je 300 000 Euro in die Finanzplanung als Merkposten einstellen. Als Zeitraum für die Realisierung des Projekts sprach Bühler vom „Ende des Jahrzehnts.“

 
 
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