Bahnstrecke Markgröningen Bei Planungen gilt das Windhundprinzip

Von Jörg Palitzsch
Die alte Bahntrasse in Blickrichtung Markgröningen an der Zeppelinstraße . Schon seit einigen Jahren ist die Reaktivierung der Bahnstrecke ein Thema. Foto: Jürgen Bach

 Der langjährige VCD-Landesvorsitzende Matthias Lieb sieht günstige Voraussetzungen für die Reaktivierung der Bahnstrecke Ludwigsburg–Möglingen–Markgröningen.

Die Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Ludwigsburg und Markgröningen bleibt ein zentrales verkehrspolitisches Thema in der Region. Bei einer Informationsveranstaltung des BUND Markgröningen (die BZ berichtete) stellte Matthias Lieb, langjähriger Landesvorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) im evangelischen Gemeindehaus den aktuellen Stand des Projekts vor und präsentierte zugleich Zahlen zur Bevölkerungs- und Pendlerentwicklung in Markgröningen und Möglingen. Nach Ansicht Liebs sprechen sowohl die aktuellen Förderbedingungen als auch die wachsende Mobilitätsnachfrage für eine rasche Umsetzung der Reaktivierung.

Reaktivierung schon 1996 Thema

Die rund 8,4 Kilometer lange Bahnstrecke wurde vor mehr als 110 Jahren eröffnet. Der reguläre Personenverkehr wurde jedoch bereits vor 51 Jahren eingestellt. Seit Jahrzehnten wird über eine Wiederinbetriebnahme diskutiert. Schon eine Studie aus dem Jahr 1996 hatte dem Projekt bei einer Reaktivierung mit einem Nutzen-Kosten-Faktor von 6,0 eine hohe Wirtschaftlichkeit bescheinigt. Dennoch wurde die Reaktivierung bislang nicht umgesetzt. Als Gründe nannte Lieb politische Verzögerungen, langwierige Abstimmungsprozesse, etwa mit Möglingen, sowie die enge Verknüpfung mit den Planungen für das Stadtbahnprojekt im Landkreis Ludwigsburg.

Nach Angaben von Mattias Lieb liegen inzwischen die wesentlichen politischen Beschlüsse vor. Gleichzeitig hätten sich die finanziellen Rahmenbedingungen deutlich verbessert: Der Bund fördert die Reaktivierung von Bahnstrecken mittlerweile mit bis zu 90 Prozent der Investitionskosten. Darüber hinaus erleichtert das Investitionsbeschleunigungsgesetz die Elektrifizierung bestehender Strecken.

Auch das Land Baden-Württemberg unterstütze Reaktivierungsprojekte und übernimmt bei den ersten 100 Kilometern reaktivierter Bahnstrecken dauerhaft die Betriebskosten. Dies gelte für einen Halbstundentakt und täglich ab 5000 Fahrgästen, prognostiziert sind nach der standardisierten Bewertung 5200 Fahrgäste, Optimisten gehen von 10.000 Fahrgästen aus. Dadurch seien die finanziellen Belastungen für die beteiligten Kommunen deutlich geringer als noch vor einigen Jahren.

Die Bahnverbindung zwischen Ludwigsburg und Markgröningen sei auch weiterhin Bestandteil des Reaktivierungsprogramms des Landes Baden-Württemberg. Allerdings wurde während der Veranstaltung darauf hingewiesen, dass die vorhandenen Landesmittel nicht ausreichen, um alle geplanten Projekte gleichzeitig umzusetzen. Umso wichtiger sei es, die Planungen zügig voranzutreiben. Laut Lieb gelte das Windhundprinzip – nur wer schnell ist, profitiere.

Mehr Menschen als Begründung

Der ehemalige VCD-Landesvorsitzende sieht den Bedarf für die Strecke auch durch die Entwicklung der beiden Anliegergemeinden Markgröningen und Möglingen bestätigt. Seit 1961 ist die Einwohnerzahl in Markgröningen von 8387 auf 14.138 Menschen gestiegen, was einem Wachstum von rund 69 Prozent entspricht.

Noch deutlicher fiel die Entwicklung in Möglingen aus: Dort wuchs die Bevölkerung von 3753 auf 10.784 Einwohner und damit um 187 Prozent. Besonders deutlich wird die Verkehrsnachfrage beim Blick auf die Pendlerzahlen. Nach Daten des Pendleratlas Deutschland für das Jahr 2024 ist Stuttgart für beide Kommunen das wichtigste Arbeitsplatzzentrum. Aus Markgröningen pendeln täglich 1406 Beschäftigte nach Stuttgart und 1058 nach Ludwigsburg. Aus Möglingen fahren 1261 Erwerbstätige nach Stuttgart und 1153 nach Ludwigsburg. Insgesamt verlassen täglich 11.416 Menschen die beiden Gemeinden zur Arbeit, während knapp 7000 Beschäftigte von außerhalb einpendeln.

Nach Auffassung von Matthias Lieb verdeutlichen diese Zahlen die Notwendigkeit leistungsfähiger und umweltfreundlicher Verkehrsangebote. Die Reaktivierung der Bahnstrecke könne eine attraktive Alternative zum Auto schaffen, die Straßen entlasten und die Anbindung der Region an den öffentlichen Nahverkehr verbessern. Auch technische und betriebliche Fragen seien inzwischen weitgehend geklärt. So könnten moderne Sicherungssysteme an Bahnübergängen lange Schließzeiten vermeiden, während die prognostizierten Fahrgastzahlen die Finanzierung des Bahnbetriebs absichern würden.

Beitrag zur Verkehrswende

Matthias Lieb zog eine klare Bilanz. Die verkehrlichen, wirtschaftlichen und finanziellen Voraussetzungen für die Reaktivierung der Bahnstrecke Markgröningen-Möglingen-Ludwigsburg seien vorhanden. Nach Jahrzehnten der Diskussion müsse nun die Umsetzung folgen.

Die Wiederinbetriebnahme der Verbindung zwischen Ludwigsburg und Markgröningen könne einen wichtigen Beitrag zur Verkehrswende leisten und die wachsende Region besser miteinander verbinden. Die Rahmenbedingungen seien so günstig wie nie, so das Fazit.

 
 
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