Ballett im Forum Ludwigsburg in Schwelgen in getanzten Bildern

Von Gabriele Szczegulski
Don Juan wird als maskulines Standbild verehrt, wie ein Herrscher, dem als Held ein Denkmal gesetzt wurde. Foto: /Forum Ludwigsburg

Das  Ballet du Capitole de Toulouse bringt die Ballettmusik von Christoph Willibald Gluck ins 21. Jahrhundert.

Tanz wird zum Gemälde in den beiden Choreografien des Ballet de Toulouse im Forum in Ludwigsburg. In einer deutschen Erstaufführung tanzt das Ensemble die Choreografien zu Christoph Willibald Glucks Ballettkompositionen „Semiramis“ und „Don Juan“ aus dem 18. Jahrhundert. In der Aufführung stößt die Musik, die für ihre Zeit innovativ und ausdrucksstark war, aber im 21. Jahrhundert als klassisch bezeichnet werden kann, auf den modernen Tanz.

Die Ästhetik und das Kunstvolle bleiben in Erinnerung

Beide Choreografien – „Semiramis“ von Angel Rodrigues und „Don Juan“ von Edward Clug – malen bewegliche und stehende Bilder. In der Bewegung entstehen Szenen, die den Zuschauern eindrücklich in Erinnerung bleiben – als kunstvolle Ästhetik und emotionale Umwandlung klassischer Stoffe. Es ist ein Schwelgen in getanzten Bildern, Die moderne Tanzsprache wird durchbrochen durch klassische Ballettelemente wie dem Spitzentanz oder dem Pas de deux, wenn sie dem Ausdruck nützen.

Beiden Aufführungen liegen Stoffe zugrunde, die zu Mythen wurden. In „Semiramis“ wird der legendären assyrischen Königin eine Hommage getanzt. Sie wurde für Schönheit, Weisheit und ihre kriegerischen Taten verehrt. Die Tänzer und Tänzerinnen liegen ihr zu Füßen, auf einem seidenen Teppich, der sich zum Hintergrundbild aufrollt und den Szenen mit wechselnden Schattierungen die passende Atmosphäre bietet. Gluck wollte, dass durch seine Musik das Ballett zum „Ballet d`Action“ wird – mit einer ausdrucksstarken Handlung und einer eigenen erzählerischen Sprache. Die Masse der Tänzer trägt die Frau, lässt sie aber auch alleine scheinen. Die Musik Glucks wird dabei von den Tänzern genutzt, gerade in kraftvollen Passagen stehen sie still.

Szenen wie aus Michelangelos Werken

„Don Juan“ hingegen widmet sich dem Mann, der angeblich von mehr als 1000 Frauen geliebt wurde. Geradezu genial bedient sich Choreograf Edward Clug weniger, dafür stark wirkender Requisiten: eines Reifrocks, der für Don Juan zur Höhle wird, in der er sich versteckt und die Frau von innen heraus erobert. Und für die Frau wird der Reifrock zum Netz, mit dem sie den Frauenheld einfängt. Auf einem lebensgroßen Pferd wird Ramiro Gomez Samon, der den Don Juan tanzt, zum Denkmal. Diese Szenen erinnern an die Statuen großer Herrscher, wie sie überall im 18. Jahrhundert aufgestellt wurden, zur Heldenverehrung. Selbstüberschätzung, Heldenkult und grenzenloser Männlichkeitswahn werden mit diesen Denkmälern gehuldigt. Don Juan ist ein Mann, der sich als Frauenversteher versteht, aber dennoch unmoralisch ihre Gunst ausnutzt.

Zwölf Männer spiegeln die Gesten Don Juans, die von Machogehabe nur so strotzen. Sie wollen so sein wie er. Mit einem Handkuss legt Juan auf einen Schlag elf Frauen flach. Entzerrt wird das Machogehabe durch geschlagene Purzelbäume und ironische Szenen, die das Publikum zum Lachen bringen. Auf den Bänken der spanischen Wände, durch die man die Tänzer nur wie verschwommen sieht, platziert sich Don Juan wie der David von Michelangelo oder sein Adam, den Gott zum Leben erweckt. Doch genau solche Szenen stellen den Verführer moralisch bloß. Das Ensemble zeigte mit beiden Choreografien eindrücklich, wie klassische Themen und Musik aus dem 18. Jahrhundert in die moderne Zeit übertragen werden können.

 
 
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