Bartholomäuskirche Konzert in technischer Perfektion

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Das Philharmonisches Klaviertrio Stuttgart spielte ein Weihnachtskonzert in der Bartholomäuskirche in Tamm. ⇥ Foto: Helmut Pangerl

Das Philharmonische Klaviertrio Stuttgart begeisterte am Donnerstagabend das Publikum der Bartholomäuskirche in Tamm mit einem Weihnachtskonzert.

Zum Weihnachtsausklang am Donnerstagabend schenkte das Philharmonische Klaviertrio Stuttgart dem Publikum in der Batholomäuskirche Tamm ein kleines Juwel der Kammermusik. Dass aus den Stuttgarter Philharmonikern hervorgegangene Trio mit dem ersten Geiger Stefan Balle, dem Solocellisten Bernhard Lörcher und dem Pianisten Andreas Kersten, der regelmäßig mit dem Orchester zusammenarbeitet, spielte selten aufgeführte Stücke aus ihrem 20-Jahre-Jubiläumsprogramm und wagten sich dabei an schwierige Kompositionen.

Akustik in der Kirche

Die spätgotische Bartholomäuskirche bot den Musikern eine gute Akustik, um an ihren Instrumenten dem Engagement des Kulturamts der Gemeinde Tamm und dem Freundeskreis der Batholomäuskirche alle Ehre zu machen. Ein Euro von jeder Eintrittskarte wird für den Erhalt dieser beim Konzert fast voll besetzten Kirche verwendet. Mit dem ersten Geiger, Stefan Balle, erlebten die Zuhörer einen, der sich perfekt auf seine Mitspieler einstellen kann und auch als Solist erfolgreich ist. Beim ersten Solocellisten, Bernhard Lörcher, kam das Faible für den Tango deutlich heraus. Er lief im Allegro molto moderato aus dem zweiten Klaviertrio von Jaoquin Turina auch unter spanischem Temperament so zur Hochform auf, dass ihm die Schweißperlen auf der Stirn standen.

Andres Kersten, Konzertpianist und Dozent an der Stuttgarter Musikhochschule, zeigte viel musikalisches Einfühlungsvermögen in die beiden Streicher. Sein feiner Anschlag, streckenweise mit überkreuzten Händen, war für das Publikum nicht nur ein Hörgenuss, sondern auch eine Augenweide. Schon die Eröffnung des Konzertes mit dem ersten Satz aus Ludwig van Beethovens „Geistertrio“ ließ ahnen, was da auf der Basis ausgeklügelter, technischer Perfektion noch kommen würde. Geradezu stürmisch stiegen die Musiker jeder für sich die Quarten hinauf, um unisono in das Thema wieder hinabzugleiten.

Gönnerin Marie von Erdödy

Die Zuhörer konnten sich vorstellen, wie sich Beethoven beim Komponieren für seine Gönnerin Gräfin Marie von Erdödy auf deren Landgut angestrengt hat. In Felix Mendelssohns c-moll-Trio, vier Tage vor Weihnachten im Leipziger Gewandhaus uraufgeführt, mussten die Instrumentalisten in den schnellen Sätzen fast halsbrecherische Passagen bewältigen. Über leisen Streicherakkorden schraubte sich der Pianist oktavübergreifend in die Höhe und brach in kurzen Akkorden abrupt ab, um die Streicher das Thema im großen Bogen ausklingen zu lassen. Unter Sechzehntelnoten und Tremoli landete das Trio sicher in der Dur-Tonart. Hier bekam Andreas Kersten Raum für virtuose Klavierpassagen, in denen das Naturidyll im Taunis, wo die Komposition entstand, vor den Augen des Publikums Gestalt annahm. In der späten Kammermusik von Franz Schubert (zweiter Satz aus dem Trio Nummer eins) brillierte Bernhard Lörcher am Cello bei der Vorstellung des zehntaktigen Themas.

Atemberaubende Tempi

Violine und Klavier setzen es in eingeschliffenem Zusammenspiel fort in den harmonischen Hauptteil. Das Allegro aus dem C-Dur-Trio des Russen Nicolai Rimski-Korsakow, bekannt durch „Scheherazade“ und „Hummelflug“, war an Schwierigkeiten kaum zu überbieten. Die Streicher, besonders der Cellist, entwickelten trotz atemberaubender Tempi eine gewaltige Kraft in der Bogenführung. Mit Pjotr Iljitsch Tschaikowskys Trio opus 50 ging das Philharmonische Klaviertrio Stuttgart ins Finale, wobei die Streicher mit ihren Bögen beinahe peitschten und der Pianist auf den Tasten fast artistische Züge annahm, um Tschaikowskys Trauer um seinen Freund Nikolaj Rubinstein zu einem introvertierten Schluss zu verarbeiten. Schluss mit dem Konzert war da aber noch nicht. Die Zuschauer wollten Zugaben und kamen so in den Genuss von Astor Piazollas „Libertango“ sowie einer schönen Bearbeitung von Robert Schumanns „Träumerei“.

 
 
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