Basketball-EM „Ein unvergessliches Erlebnis“

Von Manuel Schust
Im EM-Gruppenspiel gegen Georgien gelingt Aeneas Jung ein spektakulärer Abschluss. Der 23-Jährige hämmert den Ball per Dunking durch die Reusen. Foto: /Imago

Nicht nur beim deutschen Team erfüllten sich bei der EM Träume. Für Zypern lief mit Aeneas Jung ein in Ludwigsburg ausgebildeter Spieler auf.

Mit dem Gewinn der Europameisterschaft hat die deutsche Nationalmannschaft für einen erneuten Basketball-Boom entfacht. Das Team um Mannschaftskapitän Dennis Schröder begeisterte mit dem spektakulären, schnellen Sport und setzte sich im Finale gegen die Türkei mit 88:83 durch. In der deutschen Auswahl standen mit Johannes Thiemann und Oscar Da Silva auch zwei Spieler, die einst für die MHP Riesen Ludwigsburg aufgelaufen sind. Der aktuelle Cheftrainer der Barockstädter, Mikko Riipinen, unterlag mit der von ihm betreuten schwedischen Mannschaft dem späteren Finalisten Türkei im Achtelfinale.

Ein weiterer Akteur mit Ludwigsburger Vergangenheit, der an der Basketball-EM teilgenommen hat, ist Aeneas Jung. Der 23-jährige Deutsch-Zypriote schaffte den Sprung in den Kader der Nationalmannschaft Zyperns und traf in Gruppe C auf Griechenland, Italien, Bosnien und Herzegowina, Georgien und Spanien. Auch wenn Zypern in allen fünf Partien deutliche Niederlagen hinnehmen musste, leuchten Aeneas Jungs Augen noch immer begeistert auf, wenn er von den zurückliegenden Wochen erzählt.

Gegner aus dem Fernsehen

„Es war ein unvergessliches Erlebnis“, schildert der gebürtige Nürnberger, der insgesamt sechs Jahre im Ludwigsburger Basketball-Programm ausgebildet wurde. „Plötzlich mit Spielern auf dem Feld zu stehen, die man sonst nur aus dem Fernsehen von NBA- oder Euroleague-Spielen kennt, war schon etwas ganz Besonderes. Aber sobald man das Parkett betritt, kann man das gut ausblenden und spielt einfach – egal gegen wen.“ Dass Griechenlands Topstar Giannis Antetokounmpo ausgerechnet gegen Zypern angeschlagen aussetzen musste, sei etwas schade gewesen.

Da alle Spiele in Limassol an der Südküste Zyperns ausgetragen wurden, war die Stimmung trotz der fünf Niederlagen bestens. „Dass wir direkt vor unseren Freunden und Familien spielen konnten, hat das Ganze natürlich perfekt abgerundet“, schwärmt Jung, dem mit sieben Punkten gegen Griechenland seine persönliche Bestleistung gelang. In durchschnittlich 16 Minuten Einsatzzeit verzeichnete der Forward 3,0 Punkte und 3,2 Rebounds bei seinem ersten großen internationalen Turnier.

Mit den EM-Spielen fand das „Zypern-Jahr“ für Aeneas Jung einen gelungenen Abschluss. Bereits im vergangenen Sommer war der 2,01 Meter große Athlet von Ludwigsburg zum zypriotischen Spitzenklub Apoel Nikosia gewechselt. Denn Jung musste seinen Wehrdienst in Zypern ableisten. Damit kehrte er in das Land zurück, in dem er große Teile seiner Kindheit verbracht hatte. „Der Basketball in Zypern ist ganz anders, es wird viel strukturierter und langsamer gespielt“, erklärt der 23-Jährige, der im Schnitt 6,5 Punkte und 6,5 Rebounds für den Hauptstadtklub auflegte.

Rückkehr ins Schwabenland

Als 16-Jähriger war Jung einst nach Ludwigsburg gekommen und durchlief seit 2018 von der U16 über die U19 die Nachwuchsteams der Barockstädter. Dort wurde er zu einer wichtigen Stütze und kam neben Einsätzen in der drittklassigen ProB für die Porsche BBA auch zu insgesamt fünf Einsätzen bei den Profis der Riesen. „Ich habe hier das Fundament für meine Profikarriere legen können“, fasst Jung seine Jahre in Ludwigsburg zusammen. „Es ist eine vorbildliche Organisation mit tollen Trainingsmöglichkeiten und Trainern.“

Jungs neue basketballerische Heimat liegt nun rund 45 Kilometer entfernt von Ludwigsburg. In der kommenden Spielzeit wird er mit der Nummer 19 für die Kirchheim Knights auflaufen. „Ich bin zwar erst eine Woche beim Team, aber ich fühle mich richtig wohl“, betont Jung. Mit den Teckstädtern will der Deutsch-Zypriote die Playoffs in der zweitklassigen ProA erreichen und den nächsten Schritt in seiner Karriere machen.

 
 
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