Basketball Großes Talent auf dem Weg in die NBA

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Ludwigsburg, MHP Arena, 01.12.19, Basketball, BBL, 10. Spieltag: MHP Riesen Ludwigsburg - Basketball Löwen BraunschweigBild: Ariel Hukporti (MHP Riesen Ludwigsburg), Karim Jallow (Löwen Braunschweig) Foto: Jan Simecek

Ariel Hukporti von den MHP Riesen Ludwigsburg hat es sich zum Ziel gesetzt, einmal ins All-Star-Team der besten Liga der Welt zu kommen. Alternative Optionen gibt es für ihn dabei nicht.

17 Jahre jung, 2,13 Meter groß und 104 Kilogramm schwer – das sind die Eckdaten von Ariel Hukporti, dem derzeit wahrscheinlich größten Talent des deutschen Basketballs. So sehen es jedenfalls die Scouts der weltbesten Liga NBA (USA) und die Macher des Basketball Without Borders (BWB) Global Camps, die ihn kürzlich zum wertvollsten Spieler (MVP) des im Rahmen des NBA All Star Wochenendes stattfindenden Camps wählten (die BZ berichtete).

Ziel NBA All Star

Dass er gut ist, war dem Sohn togolesisch-französischer Immigranten schon vorher bewusst. Denn er formuliert sein Ziel hoch. Nicht nur in die NBA will er, nein, er will es auch zum All Star Spieler bringen. Für dieses Ziel rackert der ruhige, mit seiner tiefen Stimme oft kaum zu verstehende Junge von nebenan hart. In drei Teams spielt er – der U19 der Porsche Basketball-Akademie in der Nachwuchs-Basketball-Bundesliga (NBBL), der zweiten Mannschaft in der Regionalliga und bei den MHP Riesen in der Basketball-Bundesliga (BBL). Das bedeutet natürlich auch Training in drei Teams. Und nebenbei geht er auch noch zur Schule, arbeitet am IB Asperg an seiner Mittleren Reife.

Die Schule scheint aber nur notwendiges Übel, weil sie eben von Verein und Liga gefordert wird. „Ich habe zu meiner Mutter gesagt, dass es für mich keine Option außer Basketball gibt. Wenn das nicht klappt, will ich einfach nichts machen“, sagt Hukporti und schiebt irgendwann ein fast schüchternes Lachen hinterher. Beinahe hätte man ihm diese Aussage für bare Münze abgekauft. „Irgendwas mit Computer“ würde er gerne machen, sollte es aus irgendwelchen Gründen doch nicht mit der Basketballkarriere klappen, sagt er schließlich. So richtig kann man sich diesen Hünen aber nicht an einem normalen Schreibtisch mit einer normalgroßen Tastatur vorstellen. Schließlich hatte er die Durchschnittsgröße eines deutschen Mannes bereits mit neun oder zehn Jahren erreicht – so ganz genau kann er sich nicht mehr daran erinnern.

Sicher ist, dass es erst danach mit Basketball losging. Angefangen hatte der U18-Nationalspieler wie die meisten Kids mit Fußball. Auch American Football hat er gespielt. „Das wurde mir aber irgendwann zu hart, zu brutal.“ So landete er schließlich beim Basketball und wurde in seiner damaligen Heimat Freiburg schnell als ganz großes Talent entdeckt. Mit 13 stand er schon auf den Blöcken der Scouts aus ganz Europa. In Deutschland wollten ihn neben Ludwigsburg auch Bamberg und der FC Bayern München. Aber auch Frankreich wäre eine Option gewesen und sogar Real Madrid klopfte an. „Daraus wurde aber nichts, weil ich da schon in Ludwigsburg unterschrieben hatte“, erzählt der gebürtige Stralsunder. Bereut hat er diese Entscheidung nicht. Schließlich kümmert sich die Porsche BBA intensiv um ihre Spieler. „Sie haben mir bei Problemen in der Familie und in der Schule sehr geholfen“, sagt Hukporti.

Sportlich läuft es zudem gerade nahezu optimal. Mit der U19 steht er in der NBBL an der Tabellenspitze und ist international beim Adidas Next Generation Tournament (ANGT) auf Rang vier gelandet. In der Regionalliga Baden-Württemberg liegt die BSG Basket Ludwigsburg mit dem jungen Center ebenfalls an der Tabellenspitze. Und die MHP Riesen eilen bekanntlich in der Bundesliga auch von Erfolg zu Erfolg, rangieren nicht unbedingt erwartungsgemäß direkt hinter dem großen Favoriten und Titelverteidiger FC Bayern München. „Wir haben die Großen wie Bayern oder Berlin geschlagen. Mein Ziel ist es, mit allen drei Mannschaften den Titel zu holen“, gibt der 17-Jährige selbstbewusst zu Protokoll.

Hukporti stellt viele Fragen

Persönlich will er dabei so viel Spielzeit wie möglich bekommen. „Die Scouts schauen zwar auch auf die Statistik, aber noch wichtiger ist es, viel zu spielen. Das zeigt, dass man gut ist und dass der Trainer einem vertraut“, erklärt Hukporti. Für sich selbst hat er aber auch erkannt: „Erfahrung ist alles.“ Er meint damit, dass Talent und technische Fertigkeiten zwar im Jugendbereich helfen, bei den Aktiven aber kaum noch von Belang sind. „Da kannst du kaum noch etwas mit dem Ball machen. Vor allem in den USA und in Kanada wird viel schneller als in Europa gespielt. Da musst du genau wissen, wohin du laufen musst“, erklärt der 17-Jährige. Deshalb stellt er seinen Mitspielern auch viele Fragen und freut sich darüber, dass die Mannschaft in diesem Jahr so gut passt, dass auch die US-Boys gut mit den Deutschen kommunizieren, was im Vorjahr nicht der Fall gewesen sei.

Traum Miami oder Los Angeles

Mit der Hilfe seiner Mitspieler und seiner Trainer hofft Hukporti dann im kommenden Jahr auf ein gutes Team bei den NBA-Drafts. Natürlich sind die kein Wunschkonzert, aber wenn er sich ein Team aussuchen könnte, dann wäre es eines im Süden. „In Chicago jetzt war es kalt. Das mag ich nicht. Miami oder Los Angeles wäre mir lieber – wo es immer warm ist“, sagt er bierernst und doch auch fast ein bisschen schüchtern. So kauft man ihm auch kaum ab, als er erzählt, dass es ihm riesig Spaß macht, wenn die Leute ihn auf der Straße wegen seiner Größe ansprechen und ihn um ein Foto bitten – selbst wenn die meisten ihn gar nicht als Spieler der MHP Riesen erkennen.

Das dürfte sich noch verstärken, wenn es denn mit dem Draft so klappt, wie Hukporti sich das vorstellt und er letztlich in der nordamerikanischen Profiliga landet. Allerdings wird er zunächst wohl einen Zwei-Wege-Vertrag erhalten und auch in der Farmteam-Liga G-League spielen. Das ist ihm klar. Schließlich hat er Freunde, die das alles schon mitgemacht haben, wie der Berliner Moritz Wagner, der für die Washington Wizards spielt. Aber Hukporti ist fest entschlossen, sich da durchzubeißen. Schließlich hat er ein großes Ziel vor Augen und lässt dabei keine andere Option zu.

 
 
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