Im Sommer 2016 hatte Eyke Prahst das in der Tasche, was sich alle talentierten Nachwuchs-Basketballer der Region wünschen: einen Profivertrag bei den MHP Riesen Ludwigsburg. Nachdem er seine ersten Schritte im Basketball in seiner Geburtsstadt Kirchheim/Teck und bei der BG Tamm/Bietigheim gemacht hatte, durchlief der 2,08 Meter große Center vier Jahre lang das Jugendprogramm in Ludwigsburg und wurde in der JBBL- (U16) und NBBL-Mannschaft (U19) der Barockstädter zum Leistungsträger. „An die Zeit in Ludwigsburg am Vollzeitinternat habe ich nur schöne Erinnerungen, das war eine richtig tolle Zeit“, erinnert sich Prahst zurück. Bei den damals von John Patrick trainierten Riesen traute man dem damals 19-Jährigen zu, den Sprung in die Basketball Bundesliga zu schaffen. Der hochtalentierte Center trainierte bei der Profimannschaft der Riesen unter anderem mit Johannes Thiemann, der später mit der deutschen Nationalmannschaft 2023 Welt- und 2025 Europameister werden sollte. Um Spielpraxis zu bekommen, lief Prahst ab 2017 bei den College Wizards Karlsruhe, dem damaligen Kooperationspartner der Riesen, auf.
Basketball Oberliga Eyke Prahst feiert Comeback bei Tamm/Bietigheim
Nachdem er im Jahr 2021 seine Karriere beendet hatte, ist Eyke Prahst nun für die BG Tamm/Bietigheim aufs Spielfeld zurückgekehrt.
Doch schwere Verletzungen machten Eyke Prahst einen Strich durch die Rechnung. „Ich hatte zwei Kreuzbandrisse, einen Syndesmosebandriss, einen Kapselriss in der Schulter und müsste eigentlich auch meine Hüfte richten lassen“, fällt seine Bilanz nüchtern aus. „Irgendwann musste ich mir eingestehen, dass mein Körper nicht auf dem Leistungsniveau ist, um dauerhaft Profisport machen zu können.“
Fokus auf Studium und Beruf
Dabei lief es trotz vieler Rückschlägen für den heute 28-Jährigen sportlich sehr gut in der drittklassigen ProB. In der Saison 2020/2021 sammelte er mit durchschnittlich 9,8 Rebounds ligaweit die meisten Abpraller ein – und entschied sich trotzdem nach Ablauf der Spielzeit dafür, die Basketball-Sneaker an den Nagel zu hängen. „Ich habe damals auch noch einige interessante Angebote bekommen“, schildert Prahst. „Aber da stand für mich das Studium schon im Vordergrund. Ich hatte nie meinen vollen Fokus darauf gelegt, unbedingt Profi werden zu müssen und habe mich dann auf mein Maschinenbau-Studium konzentriert. Aber klar: ich frage mich manchmal schon, was ohne den Verletzungen möglich gewesen wäre.“
Nach dem erfolgreichen Uniabschluss in Karlsruhe begann Prahst vor zwei Jahren ein Masterstudium in Berlin. Basketball hat er immer noch gespielt. Aber nur noch in der Freizeit mit Freunden und seinen Brüdern. Ein Praktikum brachte Eyke Prahst dieses Jahr zurück in die Heimat. In Weissach ist er seitdem für Porsche tätig und schreibt bis April seine Masterarbeit. Da sein Bruder Malte weiterhin bei der BG Tamm/Bietigheim Basketball spielt, wurde die Rückkehr in die Heimat auch eine zurück aufs Basketballfeld.
Ohne mit der Mannschaft trainiert zu haben, half Eyke Prahst beim Aufstiegsspiel der BG gegen Göppingen im vergangenen April aus – und wurde prompt Topscorer. Das Spiel wurde denkbar unglücklich in den letzten Sekunden verloren und der von Tamm/Bietigheim angestrebte Aufstieg in die 2. Regionalliga verpasst. Aber Eyke Prahst hat sich dazu entschlossen, in dieser Saison wieder die Basketballschuhe für die BG Tamm/Bietigheim zu schnüren.
Topscorer beim Comeback
Seit erstes Spiel in der laufenden Saison absolvierte er am vergangenen Samstag beim 91:65-Heimsieg gegen das Team Urspring aus Ehingen. „Ich habe vor dem Spiel eine gesunde Aufregung verspürt und es dann sehr genossen, die Teamdynamik erleben zu können“, schildert Prahst, der bei seinem Comeback eine kleine Platzwunde davontrug, nachdem er einen Ellbogen eines Gegenspielers abbekommen hatte. „Es macht einen Unterschied, ob man mit Freunden bei einem privat organisierten Turnier oder in einem offiziellen Ligaspiel mitmacht.“
Erneut war der frühere Basketballprofi mit 19 Punkten Topscorer der Partie. „Wenn Eyke spielen kann, ist er der beste Spieler in der Oberliga“, hat BG-Trainer Luka Celar vor Rundenbeginn verkündet. Trotz all seiner Erfahrung verspürt Eyke Prahst Druck ob solcher Aussagen. „Aber ich weiß damit gut umzugehen und genieße es auch, wieder ein Leistungsträger zu sein“, erklärt er nach vier Jahren Spielpause. „Wenn man mit so vielen Verletzungen zu kämpfen hatte, weiß man es zu schätzen, spielen zu können.“ Nun will der 28-Jährige seinen Teil dazu beitragen, dass die BG Tamm/Bietigheim den Aufstieg in die 2. Regionalliga schafft. Und vielleicht bleibt er der Spielgemeinschaft ja auch über die Saison hinaus erhalten, wenn seine berufliche Zukunft in der Region liegen sollte.
