Bau eines neuen Pflegeheims Die neueste Pflegeheim-Generation

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Hier, am Rande des Amann-Quartiers und in unmittelbarer Nähe zur Stadtmitte soll das neue Seniorenheim der Evangelischen Heimstiftung als Vorzeigeobjekt entstehen.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Die Evangelische Heimstiftung lobt einen Architekturwettbewerb für ihr Bönnigheimer Vorzeigeprojekt „Leben Plus Residenz“, das sie im Gemeinderat präsentierte, aus.

Da konnte der Bönnigheimer Gemeinderat nicht anders, als den Plänen für ein neues Pflegeheim der Evangelischen Heimstiftung zuzustimmen. So zukunftsweisend war das Konzept, das der Regionaldirektor der Stiftung aus Heilbronn, Peter Hettig, dem Gemeinderat am Freitag präsentierte. Denn das Pflegeheim 6.0, das unter dem Arbeitstitel „Leben Plus Residenz“ firmiert, soll ein Vorzeigeobjekt und wegweisend für künftige Heime der Stiftung sein.

In Bönnigheim selbst wurde eine Bürgerbeiteiligungsgruppe formiert, die unter Anleitung der Beratungsagentur Martin Walter aus Bietigheim-Bissingen ein Bürgergutachten abgab  und Bürgerwünsche formulierte, die so Hettig, in die Planungen einfließen. Der Gemeinderat hatte sich im April 2019 dazu entschieden, der Evangelischen Heimstiftung das Grundstück auf dem Amann-Quartier, auf dem eigentliche eine neue Stadthalle geplant war, für den Bau eines Pflegeheims zur Verfügung zu stellen (die BZ berichtete).

Jury entscheidet über Pläne

Nach dieser Zustimmung durch den Gemeinderat, so Hettig, werden nun fünf Architekturbüros angefragt, die Pläne für das „optimal liegende Gelände am Rande der Innenstadt“ erarbeiten sollen, diese werden dann von einem Preisgericht, bestehend aus Vertretern der Heimstiftung, der Stadt, einer Vertreterin des Kuratoriums Deutsche Altenhilfe sowie einem Mitglied aus der Bürgerbeteiligung bewertet. Das Baugesuch soll im Frühjahr 2021 gestellt werden.

Der Bönnigheimer Neubau soll eine neue Generation an Pflegeheimen einläuten, so Hettig. Vier Punkte seien für diese neuen Häuser maßgeblich: Wohnlichkeit und Quartiersorientierung, Kommunikation und Austausch mit den Bürgern, nachhaltige Innovation sowie Mitarbeiter im Haupt- und Ehrenamt.

Den Unterschied, so Hettig, zu anderen Häusern mache auch die Gestaltung der Wohnräume aus. Jedes Appartement der 60 Wohneinheiten soll 30 Quadratmeter groß werden, das bedeute 10 Quadratmeter mehr als bisherige Zimmer. Jedes Appartement verfüge über eine Kitchenette und kann als Pflegeheim-Zimmer, WG-Zimmer oder Pflegewohnung benutzt werden. Es soll Platz für eine eigene individuelle Möblierung haben und für digitale Geräte ausgestattet sein. Im Gebäude werden 15 Tagespflegeplätze eingerichtet, es soll öffentlich zugängliche Nutzungen geben, wie Ärzte oder Physiopraxis. Besucher sollen Teil des Lebens im Heim werden. Ein Mehrzweckraum für interne und externe Nuzungen soll integriert werden.

Das Gebäude selbst stelle sich die Heimstiftung als Kubus mit einer maximal möglichen Bebauung vor, in der viel Raum für Grünflächen, und anderen Aufenthaltsmöglichkeiten, wie Hochbeete – ein Wunsch aus der Bürgerbeteiligung – sei. Der Verlauf des Mühlbachs wird in die Gestaltung einbezogen. Auf dem Gelände wird es nur wenige Kurzzeitparkplätze geben, die Parkplätze werden auf die gegenüberliegende Seite der Burgstraße verlagert.

Mehrkosten von 30 Prozent

Das alles, so Hettig, mache Mehrkosten in Höhe von 30 Prozent in Vergleich zu einem konventionellen Haus der Heimstiftung aus. Man hoffe, so Hettig auf Nachfrage aus dem Gremium, dass sich diese nicht auf die Bewohner niederschlagen müssten, sondern durch Drittmittel aufgefangen könnten. Die Suche nach Fördermöglichkeiten aus Innovationsfonds oder Lotteriemitteln habe schon begonnen, man sei aber auch froh über finanzielle Hilfe von Bürgern der Stadt. „Das Bönnigheimer Haus ist kein Haus von der Stange“, sagte Hettig. Bürgermeister Albrecht Dautel versprach jedem Bönnigheimer einen Namenstafel, der sich finanziell beteilige.

Die Gemeinderäte lobten die Pläne, sowie, dass geplant sei, das Haus in die Mitte der Gesellschaft zu integrieren, sagte Dorothea Bechtle-Rüster (SPD). Markus Stahl von der UWG lobte vor allem die Größe der Wohneinheiten sowie die „extrovertierte Ausrichtung“. Er regte auch an, dass die Bönnigheimer in die Namensvergabe des Heims einbezogen werden. „Der Name Leben Plus Residenz wäre doch für eine Einrichtung mitten in der Stadt zu abstrakt“, sagte Stahl.

 
 
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