Bauarbeiten Kirche wird modernisiert

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Derzeit wird in der Kleinsachsenheimer Kirche wieder gebaut. Pfarrer Friedemann Wenzke (links) und der ehrenamtliche Bauleiter Tobias Scheuermann auf der Baustelle. ⇥ Foto: Martin Kalb

Vor 70 Jahren wurde die Kleinsachsenheimer Kirche eingeweiht. Derzeit sind wieder ehrenamtliche Helfer und Handwerker in der Kirche aktiv und modernisieren das Gebäude.

Die evangelische Kirche in Kleinsachsenheim hat eine sehr bewegte Geschichte hinter sich. Am Kirchengebäude wurden in den letzten Jahrhunderten etliche bauliche Veränderungen vorgenommen. Auch derzeit wird wieder gebaut.

Auf einer Urkunde vom Juli 1245 Jahres wird der Speyrer Domherr Albert von Lomersheim als Leutepriester von Kleinsachsenheim genannt. Dies ist zugleich die früheste Erwähnung der Kirche. 1460 und 1619 wurde das Kirchengebäude erweitert. 1715 beschädigte ein Blitzschlag den Kirchturm. Der zunächst notdürftigen Reparatur folgte 1757 eine umfassende Erneuerung des Turmdaches. 1806 wurde an der Ostseite eine Außentreppe angebaut.

Im Krieg schwer beschädigt

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Kirchengebäude durch eine Luftmine stark beschädigt. Fünf Jahre konnte das Gotteshaus nicht mehr benutzt werden, Ausweichraum war die methodistische Kapelle. Konfirmationen feierte die evangelische Kirchengemeinde damals in Großsachsenheim.

Beim Wiederaufbau wurden einschneidende Veränderungen am Gebäude vorgenommen. Die alte Sakristei wurde nicht wieder errichtet, sondern teilweise in den Chor eingegliedert und teils für ein neues Treppenhaus genutzt. Die neue Sakristei wurde im Osten an die Kirche angebaut. Dabei erhielt das Kirchengebäude an der Südseite des Chores auch neue Glasfenster des Stuttgarter Künstlers Adolf Saile.

Nach fünf Jahren war es endlich so weit: Am 7. Mai 1950 konnte die Kirche wieder eingeweiht werden. Der Kleinsachsenheimer Pfarrer Walter Gunzenhäuser konnte von Oberbaurat Raimund Ostermaier die Schlüssel der Kirche in Empfang nehmen. „Es war ein erhebender Anblick, der sich in der geschmückten Kirche dem Auge bot und der Seele ein ergreifendes Erlebnis werden ließ, als von Kirchengemeinderäten dem Pfarrer Bibel, Tauf- und Abendmahlgeräte überreicht wurden“, berichtete der Enz- und Metter-Bote in der Ausgabe vom 9. Mai 1950 über dieses Ereignis.

Oberkirchenrat Dr. Erich Eichele hielt eine, wie es hieß „kraftvolle Festpredigt“. Am Nachmittag fand eine weitere Festversammlung in der Kirche statt. „In anerkennenden Worten wurde auch die Arbeit der am Bau beteiligten Handwerker gewürdigt“, schließt der Zeitungsbericht.

Renovierungen 1979 und 1986

Seither hat sich viel in und an der Kleinsachsenheimer Kirche getan. 1953 erhielt die Kirche neue Glocken, 1979 stand eine umfangreiche Innenrenovierung an. Zur Verbesserung der Akustik wurde eine neue Decke im Kirchenraum eingezogen. 1986 folgte eine Außenrenovierung des Kirchengebäudes, ein Jahr später die Sanierung des Kirchplatzes. Nun sind wieder Handwerker in der Kirche aktiv. Es wird gehämmert, gebohrt, gespachtelt und gestrichen. Auf der Baustelle in der Kleinsachsenheimer Kirche herrscht Hochbetrieb. Gipser verputzen Wände, im Sanitärbereich ist die Vormontage voll im Gange. Auf einem imposanten Gerüst, das den kompletten Kircheninnenraum einnimmt, schleifen freiwillige Helfer die Decke ab, bald wird tapeziert.

Der ehrenamtliche Bauleiter und Kirchengemeinderat Tobias Scheuermann hat alles im Blick: „Für mich ist das wie mein eigenes Haus, ich gebe alles“, so Scheuermann. Der gelernte Zimmermann ist die treibende Kraft auf der Baustelle.

Die Kosten für die gesamte Baumaßnahme belaufen sich nach aktuellem Stand auf etwa 602 000 Euro. Dass den Kleinsachsenheimern ihre Kirche sehr am Herzen liegt, belegt ihre respektable Spendenbereitschaft. Bislang sind rund 158 000 Euro an Spenden eingegangen. Alleine seit Anfang des Jahres sind 17 000 Euro in den Spendentopf gewandert, freut sich Pfarrer Friedemann Wenzke. Das erklärte Ziel sind 284 000 Euro, die die 1850 Gemeindeglieder zählende evangelische Kirchengemeinde aufbringen möchte.

Bislang hatte die Corona-Krise keine Auswirkungen, auf das Engagement der vielen freiwilligen Helfer. Jung und Alt packen hier mit an, sehr viele helfen gerne, betont Wenzke stolz. Tobias Scheuermann koordiniert engagiert die Arbeitseinsätze der etwa 60 ehrenamtlichen Helfer über eine WhatsApp-Gruppe. Die hoch motivierte Mannschaft hat bis jetzt beinahe 1700 Arbeitsstunden geleistet. Für jede von ihnen steuert die evangelische Landeskirche 15 Euro als Zuschuss bei.

Nach der Renovierung ist das Kirchengebäude zumindest im Innern auf dem neuesten technischen Stand. Eine Teeküche und Toilette stehen künftig den Kirchenbesucher zur Verfügung. Modernste Technik wird Einzug halten. Dies ermöglicht völlig neue und moderne Formen des Gottesdienstes, sind sich Tobias Scheuermann und Pfarrer Friedemann Wenzke einig.

Gottesdienst wird zeitgemäßer

Der Gottesdienst wird dadurch vielfältiger und zeitgemäßer, so Wenzke. Beispielsweise können Liedtexte dann mit einem Beamer auf der Altarwand groß angezeigt werden. Das Blättern im Gesangsbuch könnte dadurch entfallen, multimediale Inhalte können in den Gottesdienst einfließen. Da unten künftig Stühle statt Bänke in der Kirche stehen, ist auch eine räumlich flexiblere Gestaltung des Gottesdienstes und anderer Veranstaltungen in der Kirche möglich.

Mit der neuen Technik wäre es auch nach Aussage von Tobias Scheuermann problemlos möglich, dass der Gottesdienst beispielsweise in das Kleeblattheim übertragen werden könnte. So könnten Menschen wieder am kirchlichen Gemeindeleben teilhaben, denen die Teilnahme an kirchlichen Veranstaltungen nicht möglich ist. Momentan gibt es auch Überlegungen, den Video-Gottesdienst, der gut angenommen wird, eventuell beizubehalten.

Der einzige Wermutstropfen ist, dass nach dem Umbau etwa 100 Plätze weniger zur Verfügung stehen. Dafür sieht man sich für künftige Aufgaben aber bestens gerüstet. Das erste Ziel lautet jetzt, zum Abschied von Pfarrer Friedemann Wenzke am 26. Juli mit den Bauarbeiten fertig zu sein, sagt Scheuermann.

 
 
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