In warme Kleidung eingehüllt legen die Baumpflanzhelfer auf der 1,29 Hektar großen Grünfläche Steine in vorgebuddelte Löcher – und zwar immer von unten nach oben und alles schön kreisförmig. Auch der zwölfjährige Noel hilft schon fleißig mit: „Weil es mir Spaß macht, Bäume einzupflanzen,“. Und er erklärt auch die Anordnung der Steine: „Wir haben hier diese Steinhaufen gemacht, damit die Mäuse nicht an den Baum gehen“, denn wenn die empfindlichen jungen Baumwurzeln spitzen Nagezähnen zu Opfer fallen, stirbt leider der gesamte Setzling ab.
Baumpflanzung in Kirchheim Die Kinderstube der Obstbäume
Zwischen Kirchheim und Bönnigheim wird eine Grünfläche in eine klimaresiliente Streuobstwiese verwandelt.
Ein Stück die Wiese hoch steht Vincent Fahrendorf, der aktuelle Pächter des Haghofs in Kirchheim, einem Demeter-Betrieb, zu dem auch die Fläche der Streuobstwiese gehört: „Ich habe aktuell Streuobstwiesen, die ich nutze, die wurden zum Teil vor 100 Jahren gepflanzt und die sterben gerade alle und ich wollte einfach was für die nächste Generation pflanzen“, erläutert er sein Engagement und freut sich gleichzeitig, trotz seines Studiums der ökologischen Landwirtschaft noch dazugelernt zu haben: „Dass man Bäume so nah aneinander pflanzen kann, ein bisschen dem Wald nachempfunden, ist sehr interessant“.
Ein Jungbaum braucht sehr viel Pflege
Streuobst-Experte Christoph Schulz vom Pomologen-Verein Nordheim läuft mit einer gezeichneten Karte über das Gelände. Auf dieser ist vermerkt, welcher Obstbaum wo eingepflanzt werden soll. Drei Baumreihen sind vorgesehen und haben bereits Gestalt angenommen: „Wir versuchen die Bäume auch jünger zu pflanzen, weil sie sich dann besser etablieren. Also, wir haben hier zum Beispiel einjährige Bäume, die dann viel besser anwachsen.“ So ein Bäumchen braucht allerdings noch viel mehr Pflege. Neben dem Schutz vor Verbiss des Wurzelgeflechts durch die, auf Wiesen vielfach beheimateten Wühlmäuse, muss auch die feingliedrige Rinde vor hungrigen Rehen geschützt werden. Selbst die Sonneneinstrahlung darf anfangs nicht zu stark sein: „Der Obstbaum bekommt im Süden einen Sonnenschutz, einen Ammenbaum“, sagt Christoph Schulz.
Diese Ammenbäume sind Erlen, die gleichzeitig Stickstoff an ihren Wurzeln binden, der ebenfalls dem Obstbaum zugutekommt und so erhalten die Streuobstwiesenbäume in ihrer Jugendphase vielfache Unterstützung, um zu stattlichen großen Obstbäumen heranzureifen sowie ein hohes Alter zu erreichen.
Gemeinsames Projekt mit der Klimaschutzstiftung BW
Ertrag bringen sollen Apfel- und Birnenbäume ebenso wie Quitten, Felsenkirschen und Kornelkirschen. Angepflanzt wurde außerdem ein stacheliger Apfelbaum, ein sogenannter Wildapfel, der über ein sehr gutes Wurzelsystem verfügt und zur Veredlung auserkoren ist. Da es vorwiegend erhaltenswerte alte Sorten sein sollen, wird man in ein paar Jahren auch die klassischen Württemberger Luikenäpfel hier wieder ernten können. Um eine nachhaltige und klimaresiliente Streuobstwiese zu schaffen, besteht das Projekt aus einer Zusammenarbeit zwischen dem landwirtschaftlichen Demeter-Betrieb, örtlichen Fachleuten und der Wissenschaft: „Das Projekt ist Teil des Klimafonds Baden-Württembergs der Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg, die sich für regionalen Klimaschutz einsetzt“, informiert Andreas Härer, Referent für naturbasierten Klimaschutz bei der Klimaschutzstiftung.
Er verweist auf die Tradition der Streuobstwiesen als Kulturlandschaft, die aufgrund zunehmender Trockenphasen, Hitzeperioden sowie Starkregenereignissen verloren zu gehen drohen. Ein weiteres Problem ist der fehlende Nachwuchs, umso wichtiger ist solch ein Pflanzaktion und die damit verbundene Finanzierung durch den Klimafonds BW. Ab Dezember können zusätzlich Naturprämien für die neu entstehende Streuobstwiese erworben werden. Somit kann jeder durch eine Spende helfen, das Projekt zu refinanzieren. Helga Spannhake
