Bauprojekt in der Gerokstraße Kita und Wohnungen im Doppelpack

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An der Gerokstraße in Bissingen entsteht eine neue Kindertagesstätte. Im Hintergrund die Sporthalle der Schillerschule.⇥ Foto: Martin Kalb

Der Gemeinderat hat die städtische Wohnbau als Generalunternehmer für das Bauprojekt Gerokstraße ausgewählt.

Im südöstlichen Bereich des Grundstücks der Schillerschule an der Gerokstraße in Bissingen sollen eine viergruppige Kindertagesstätte sowie fünf öffentlich geförderte Mietwohnungen darüber entstehen. Um die Bauverwaltung der Stadt zu entlasten, hatte der Gemeinderat Ende 2018 beschlossen, den Bau einem Generalübernehmer zu überlassen. Dieser steht jetzt fest: Es ist die Bietigheimer Wohnbau. Sie war im Ausschreibungsverfahren als einziger Bewerber übrig geblieben. Der Gemeinderat billigte die Vergabe an die städtische Tochter in seiner Sitzung am Dienstagabend im Kronenzentrum bei neun Enthaltungen. Ein Antrag der CDU auf Vertagung des Beschlusses war zuvor gescheitert.

CDU will Vertagung

Die Corona-Krise hat in Bietigheim-Bissingen inzwischen zu einem veränderten Blick auf die Finanzen geführt. Zu Beginn der Sitzung hatte CDU-Stadtrat Claus Stöckle den Antrag eingebracht, das Thema Kita von der Tagesordnung zu nehmen. Grund sind die hohen Kosten für den Neubau samt Wohnungen von 7,9 Millionen Euro. Die kommunalen Spitzenverbände warnten vor einem Einbruch bei den Steuereinnahmen, erklärte Stöckle, bei vielen Unternehmen gehe die Gewerbesteuer, die sie leisteten, gegen Null. Die CDU wolle daher vor einer Entscheidung eine Auflistung, wie sich die Finanzlage in Bietigheim-Bissingen entwickle. „Wir sind nicht gegen die Kita“, betonte Stöckle, nötig sei jedoch eine Denkpause von vier bis acht Wochen.

Auch Bürgermeister Joachim Kölz räumte ein, dass „deutliche Einbrüche bei der Gewerbesteuer“ drohten. Zu weiteren Steuern habe man noch keine Informationen. Fakt sei aber auch, dass die Kinderbetreuung Pflichtaufgabe sei. Es gebe Engpässe in Bissingen, so Kölz, daher brauche man die zusätzlichen Plätze ganz dringend. Zudem habe die Wohnbau nach dem vorangegangenen Bewerbungsverfahren einen Anspruch auf eine positive Entscheidung. „Wir können nicht umhin, dieses Bauverfahren auszulösen“, meinte auch Oberbürgermeister Jürgen Kessing. „Das halte ich für deutlich wichtiger als viele andere Aufgaben.“

 Die Planungs- und Bauleistungen waren national auf einer elektronischen Vergabeplattform ausgeschrieben worden. Bis zur Abgabefrist am 13. November 2019 gingen jedoch nur zwei Bewerbungen ein, eine davon von der Wohnbau. Nachdem der andere Bieter aus formalen Gründen ausgeschlossen wurde, lag am Ende nur das Angebot des städtischen Tochterunternehmens vor.

Die Kosten belaufen sich auf 5,9 Millionen Euro für die Kindertagesstätte, 1,9 Millionen Euro für Wohnungsbauförderung und 100 000 Euro für eine Wechselspielfläche, die auch die Schillerschule nutzen kann. Damit wird der Kostenrahmen von 7,5 Millionen Euro um 400 000 Euro überschritten (rund 5 Prozent).

 Laut OB Kessing entstehen die Mehrkosten im Gebäudeteil der Wohnungen und resultieren aus neuen Anforderungen und Vorgaben fürs barrierereie Bauen. Man habe jedoch eine Förderzusage über 436 800 Euro für die Wohnungen, für die Kita wurde ein Zuschuss von knapp 500 000 Euro beantragt.

Platz für rund 75 Kinder

Das Gebäude soll im südöstlichen Bereich des Grundstücks der Schillerschule an der Gerokstraße winkelförmig entstehen. Der Neubau soll zweigeschossig sein, im Dach- beziehungsweise Staffelgeschoss werden fünf Wohnungen unterschiedlicher Größe mit insgesamt 404 Quadratmetern Wohnfläche untergebracht. Auf dem Dach ist eine Photovoltaikanlage geplant. Die Kindertageseinrichtung in den beiden unteren Geschossen ist als viergruppige Einrichtung für rund 75 Kinder in zwei Ganztagesgruppen, einer Gruppe mit verlängerten Öffnungszeiten und einer Krippengruppe geplant. Im Erdgeschoss werden sich an zentraler Stelle die Küche mit Speiseraum samt zugehörigen Nebenräumen befinden. Ein Aufzug gewährleistet die barrierefreie Erschließung sowohl der Kita als auch der Wohnungen.

Eine Verkehrsuntersuchung in der Gerokstraße zeigt laut Kessing, dass der Verkehr „leistungsgerecht abgewickelt“ werden könne. Die Bauarbeiten sollen im vierten Quartal 2020 beginnen. Der Bezug der Kindertagesstätte ist für das zweite Quartal 2022 geplant.

 
 
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