Beachhandball Mit Rückenwind zu den World Games

Von Manuel Schust
Hendrik Prahst will mit der deutschen Nationalmannschaft bei den World Games in China überzeugen. Zuletzt war der Bietigheimer lange verletzt. Foto: Dorian Frick

Nach dem Gewinn der Beachhandball-Europameisterschaft will Hendrik Prahst, Co-Trainer der 2. Mannschaft der SG BBM Bietigheim, sich bei den World Games die nächste Medaille sichern.

Eigentlich hatte Hendrik Prahst mit dem Handball bereits abgeschlossen. Als er sich im Alter von nur 21 Jahren seine zweite schwere Knieverletzung zugezogen hatte, stand für ihn fest: „Das war es für mich. Nach dem erneuten Kreuzbandriss höre ich auf.“ Nachdem Prahst im Jahr 2021 noch die Vorbereitung mit der ersten Männer-Mannschaft der SG BBM mitgemacht hatte, zog er sich einen Kreuzbandriss zu. Nur ein Jahr später folgte eine erneute Ruptur. Früher war eine solche Verletzung noch gleichbedeutend mit dem Karriereende. Dank medizinischem Fortschritt ist eine Fortsetzung der Laufbahn mittlerweile möglich. Doch der Weg zurück ist hart und zermürbend. Nach zwei kurz aufeinanderfolgenden Kreuzbandrissen ist der erste Impuls, das Handtuch ganz zu werfen, verständlich.

Dass Hendrik Prahst im Jahr 2023 trotzdem wieder zum Ball gegriffen hat, ist vor allem seiner Liebe zum Beachhandball zu verdanken. „Mir hat Beachhandball schon immer ein bisschen mehr Spaß gemacht“, gibt der Abwehrspezialist zu. „Klar, das ist sehr anstrengend, denn der Sand gibt natürlich nach. Aber es ist meistens warm und insgesamt auch schonender für die Gelenke. Außerdem ist der Aufprall auf den Boden nicht so hart und das Landen entspannter.“

Egal ob in der Halle oder im Freien der heute 25-Jährige spielte schon zu Jugendzeiten von September bis März in der Halle und den Sommer über im Sand. „Den Kontakt zur Halle habe ich nach den Verletzungen zwar nie verloren und bin ja auch Co-Trainer in Bietigheim. Aber ich war nicht mehr als Spieler auf der Platte.“ Gespielt hat er zuletzt nur noch im Sand für die „Otternasen“ des TSV Bartenbach. Und das wohl auch recht erfolgreich. Denn plötzlich meldete sich Beachhandball-Bundestrainer Marten Franke wieder bei Prahst.

Erfolgreiches Comeback

„Ich hatte nach meiner langen Verletzungszeit überhaupt nicht mehr damit gerechnet, wieder für die Nationalmannschaft auflaufen zu können“, erklärt Prahst sein unerwartetes Comeback. „Es freut mich natürlich sehr, wieder dabei zu sein.“ Schon im letzten Jahr lief Prahst beim IHF Global Tour Finale 2024 in Doha (Katar) für das Nationalteam wieder auf. Bei der im Juli ausgetragenen Europameisterschaft im türkischen Alanya präsentierte sich die deutsche Auswahl bereits in der Vorrunde stark. Im Halbfinale schaltete man Weltmeister Kroatien nach Shootout aus. In einem packenden Finale gelang dann der große Coup gegen Spanien. Wieder zeigte sich das Team von Bundestrainer Marten Franke nervenstark und feierte den erneuten Shootout-Sieg.

„Wir haben ein grandioses Turnier gespielt und als Team einen tollen Zusammenhalt bewiesen“, betont Prahst nach dem bisher größten Erfolg im Männerbereich für den Deutschen Handballbund (DHB).

Größtmögliche Bühne

Das Ticket für die Weltmeisterschaft haben die deutschen Beachhandballer damit auch gelöst. Doch zunächst geht es für Prahst und seine Teamkollegen nach China. Denn vom 7. bis 17. August finden die World Games in Chengdu statt. Trotz langjähriger Bestrebungen ist Beachhandball noch immer nicht olympisch. Nach der Absage für die Spiele in Los Angeles (2028) hoffen die Verantwortlichen darauf, dass die Sportart den Zuschlag für die Sommerspiele in Brisbane (2032) erhält. Bis dahin sind die World Games, bei denen 35 nicht olympische Sportarten im Vier-Jahres-Rhythmus ihre Wettkämpfe austragen, die größte Bühne für die Beachhandballer.

Schwere Gruppe

„Bei der EM hatten wir sowohl den besten Angriff als auch die beste Verteidigung“, erklärt Prahst. „Wir können also mit breiter Brust nach China fliegen und ich sehe keinen Grund, warum wir dort nicht ähnlich erfolgreich sein sollten wie zuletzt bei der Europameisterschaft.“ Direkt in der Gruppenphase ist die deutsche Mannschaft enorm gefordert. Mit Weltmeister Kroatien, Bronze-Gewinner Portugal und Rekordweltmeister Brasilien warten gleich Goldkandidaten zum Auftakt. „Das könnten direkt alles Finalpaarungen sein“, schätzt auch Prahst das Niveau sehr hoch ein. Da aber in zwei Vierer-Gruppen gespielt wird und sich somit alle Teams für das Viertelfinale qualifizieren, wäre auch ein Fehlstart verschmerzbar.

Olympisches Flair

Am meisten freut sich der in Kirchheim unter Teck geborene Prahst auf das olympische Flair bei den World Games. Mit Lena Klingler trifft er dann auch auf eine Teilnehmerin bei den deutschen Frauen, die er aus Bietigheim noch kennt. Klingler, die bis 2019 bei der SG BBM II spielte und nun für den Zweitligisten VfL Waiblingen aufläuft, kennt das Gefühl, bei den World Games die Goldmedaille zu gewinnen. Bei den letzten, in Birmingham 2022 ausgetragenen Spielen siegten die deutschen Frauen. „Die World Games haben allein sportpolitisch einen sehr hohen Stellenwert, weil anhand der Ergebnisse sich auch die Sportfördermittel bemessen“, schildert die 25-Jährige. „Aber auch vom Sportlichen her ist das nicht mit einer normalen WM zu vergleichen, da man so viele Athleten aus anderen Sportarten kennenlernt. Es fühlt sich tatsächlich wie kleine olympische Spiele an.“ In der Gruppenphase treffen die Frauen auf Dänemark, Europameister Spanien und Asienmeister Vietnam. Auch hier gilt es, sich in der Vorrunde eine gute Ausgangsposition fürs Viertelfinale zu erspielen.

Bei der Europameisterschaft konnten die DHB-Frauen ihren Titel zuletzt nicht verteidigen, holten nach einer Niederlage im Halbfinale gegen Norwegen aber immerhin Bronze. „Wir haben insgesamt ein positives Fazit aus der EM gezogen und wissen auch, woran es beim Aus gegen Norwegen gelegen hat“, erklärt Lena Klingler. „Jetzt wollen wir zeigen, dass wir daraus gelernt haben.“

 
 
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