Beginn der Abiturprüfungen Das „Corona-Abitur“ beginnt

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Alles ist vorbereitet und getestet: Die Abiturienten des Lichtenstern-Gymnasiums wurden schon am vergangenen Freitag in der Sporthalle für die heutige Deutsch-Prüfung instruiert.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Am Mittwoch sind die Prüfungen im Fach Deutsch für alle Abiturienten. Im Lichtenstern-Gymnasium wurde ein Testlauf durchgeführt.

Portugiesisch, Italienisch und Spanisch: Das sind die Fächer, mit denen das Abitur 2020 an diesem Montag beginnt, fast einen Monat später als vorgesehen. „Diese Prüfungsfächer haben wir nicht, also beginnt das Abitur für uns und die meisten Gymnasien am Mittwoch mit dem Fach Deutsch“, sagt Reinhart Gronbach, Leiter des Sachsenheimer Lichtenstern-Gymnasiums. Insgesamt fast 50 000 Schüler in Baden-Württemberg machen dann am Mittwoch, 20. Mai, die Abiturprüfung im Fach Deutsch – das ist Pflicht, also müssen alle ran, ob in einem der allgemeinbildenden Gymnasien im Kreis oder in den beruflichen Gymnasien in Bietigheim-Bissingen und Ludwigsburg.

Reinhart Gronbach hat unter den erschwerten Bedingungen, die wegen Corona gelten, am Freitag mit den Abiturienten schon mal geübt. „Es war uns wichtig, einen Testlauf zu machen, auch um die Abiturienten noch mal genau zu instruieren, auf was sie achten müssen“, sagt er.

Alles ist anders, deshalb hat Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann noch einmal in einem Schreiben an die Schulleiter darauf hingewiesen, dass „den Abiturienten keine Nachteile aus der aktuellen Situation entstehen dürfen. Wir achten sehr genau darauf, dass die Prüfungen fair ablaufen. Alle an der Abiturprüfung beteiligten Lehrkräfte haben wir ausdrücklich gebeten, angesichts der besonderen Situation ihren pädagogischen Spielraum im Sinne der Schülerinnen und Schüler zu nutzen.“

Korrektur an der Schule

Als „wohlwollendes Abitur“ bezeichnet Gronbach die Anweisung der Kultusministerin. Wie das in der Korrektur der schriftlichen Prüfungen aussehen wird, weiß er noch nicht genau. Er ist aber grundsätzlich für die Regelung, dass die Arbeiten ausschließlich an der Schule durch zwei Lehrer korrigiert werden: „In Bayern wird das schon lange gemacht, es ist meine Anregung, dies auch beizubehalten. So können sich die zwei Korrektoren auch besser verständigen, warum sie so und nicht anders benotet haben.“ Er weist der darauf hin, dass die Arbeiten anonymisiert sind. Ansonsten gehen die Arbeiten an zwei weitere Schulen zur Korrektur, „ein Riesenaufwand, der nicht objektiver ist, als wenn an den Schulen korrigiert wird.“

In seinem Gymnasium, so sagt Gronbach, seien vier Kandidaten, die „ohne Corona auf der Kippe stehen, da müssen wir uns sehr gut aufstellen, falls sie durchfallen und dies sehr gut begründen“. Denn, so der Schulleiter, er befürchte, dass „das Verwaltungsgericht in Mannheim mit Einsprüchen gegen die Benotung viel Arbeit bekommt, da die Formulierung des Kultusministeriums – kein Nachteil für die Abiturienten – sehr schwammig ist“.  Es könne schon sein, so Gronbach, dass „Schüler durchkommen, die es eigentlich nicht geschafft hätten“.

Aber, er sagt auch, dass seiner Meinung nach die diesjährigen Abiturienten  Vorteile haben, „die vorige Jahrgänge meiner Meinung nach nicht hatten“. Die Schüler mussten seit 16. März keine Klausuren mehr schreiben, wurden nicht mehr in Nicht-Prüfungsfächern unterrichtet und konnten sich auch beim Homeschooling voll auf die Vorbereitung der Abiturfächer konzentrieren. „Sie hatten mehr Zeit für die Vorbereitung als die Abiturienten zuvor“, sagt Gronbach.

Tische selbst schleppen

Im Lichtenstern-Gymnasium machen in diesem Jahr 52 Schüler Abitur, 2019 waren es 74. Alle Prüfungen werden in der großen Sporthalle der Schule abgenommen, dort gibt es laut Gronbach genügend Platz, um die Abstandsregeln einzuhalten. Bis die Schüler an ihrem Platz sind, müssen sie die Masken aufsetzen. Eine Schülerin, deren Eltern zur Covid-19-Risikogruppe gehört und die in den vergangenen Wochen ausschließlich Fernunterricht bekommen hat, sitzt im Regieraum der Sporthalle, „wie in einem Glaskasten“ so Gronbach. Kein Schüler habe von seinem Corona-bedingten Recht Gebrauch gemacht, erst zum Nachtermin die Prüfungen zu schreiben.

Die Tische, an denen sie die Arbeiten schreiben, mussten die Sachsenheimer Abiturienten wie in jedem Jahr selbst in die Halle schleppen. Sie wissen, was auf sie zukommt, denn am Lichtenstern-Gmnasium wurde der Testlauf auch in Zeiten von Corona durchgeführt, um die Prüfungssituation kennenzulernen.

 
 
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