Bei der Niederlage gegen Kristiansand zeigt sich die SG BBM stark verbessert Ein Schritt nach vorne

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Antje Lauenroth hebt ab und zielt aufs Vipers-Tor. Die deutsche Nationalspielerin avancierte gegen Kristiansand mit acht Treffern zur Topwerferin der SG BBM Bietigheim. ⇥ Foto: Marco Wolf

Die SG BBM Bietigheim zeigt sich gegen Kristiansand stark verbessert, verliert aber auch das dritte Gruppenspiel in der Champions-League mit 29:33 (14:15). Antje Lauenroth trifft achtmal.

Zufrieden und doch unzufrieden – diese ambivalente Gefühlslage herrschte nach dem dritten Champions-League-Saisonspiel im Lager der SG BBM Bietigheim. Der Bundesligist verlor zwar auch die dritte Partie in der Gruppe A gegen die Vipers Kristiansand mit 29:33. Doch diesmal zogen sich die Bietigheimerinnen wesentlich besser aus der Affäre als in den ersten beiden Duellen in der Königsklasse gegen Esbjerg (26:33) und Metz (27:36). „Wir sind mit dem Ergebnis nicht zufrieden, aber zufrieden mit der Art, wie wir heute aufgetreten sind. Mein Team hat mit dem Mut und der Leidenschaft gespielt, die ich erwartet habe“, bilanzierte SG-Trainer Markus Gaugisch.

SG BBM glänzt bis zur Pause

Ansatzpunkte, um wieder hoffnungsvoller in die europäische Zukunft zu blicken, gab es am Samstagabend zuhauf. Zum Beispiel die bisher wohl stärksten 30 SG-Minuten in der Spielzeit 2020/21. Mit viel Einsatz und Aggressivität ging die Bietigheimer Deckung von der ersten Sekunde an zur Sache. Auch vorne stimmten die Trefferquote und das Tempo. Coach Gaugisch hatte seinen Mädels offenbar einiges an Selbstvertrauen mit auf den Weg gegeben. So bekamen die 464 Zuschauer in der Ludwigsburger MHP-Arena einen packenden Schlagabtausch auf höchstem Niveau zu sehen.

In der Aufstellung der SG tauchten nach den Ausfällen von Anna Loerper, Karolina Kudlacz-Gloc und Leonie Patorra nur zehn Feldspielerinnen auf. Dennoch verzichtete Gaugisch in den 60 Minuten auf die Dienste von Kim Braun und Amelie Berger. Schließlich machten die beiden Außen Trine Østergaard und Antje Lauenroth ihre Sache ausgesprochen gut. Auch Nele Reimer musste sich diesmal mit einem Kurzeinsatz begnügen.

Norwegens Meister trat dagegen mit voller Kapelle und 16 Akteurinnen an – darunter auch mit seinem Weltstar Nora Mørk. Dem 29-jährigen Rückraum-Ass hatten es die Vipers auch zu verdanken, dass sie mit einer knappen 15:14-Führung in die Pause gehen durften. Mørk erzielte sechs ihrer neun Tore in Durchgang eins. Ohne das Aushängeschild der Gäste und mit ein paar technischen Fehlern weniger hätte es für die SG BBM gewiss zu einer Führung gereicht.

Zum Bietigheimer Glück ließ Ole Gustav Gjekstad die viermalige Champions-League-Siegerin fast die gesamte zweite Hälfte auf der Bank. Nur in der Endphase und bei zwei Siebenmetern war Mørk noch auf dem Feld. „Nora will mehr spielen, aber wir müssen darauf achten, dass sie sich nicht wieder verletzt“, sagte Kristiansands Trainer mit Blick auf die bisher zehn Knieoperationen der Linkshänderin – und verwies schmunzelnd auf Mørks Rolle als seine inoffizielle Assistentin: „Wenn sie nicht spielt, ist sie der zweite Coach auf der Bank.“

Bis zum 22:23 (43.) blieb Bietigheim an den Vipers dran, ehe sich die Gastgeberinnen ihre einzige Schwächephase erlaubten. Die Skandinavierinnen nutzten diese zu vier Toren am Stück und zogen vorentscheidend auf 27:22 (50.) davon. Und so einen Rückstand gegen eine Weltklasse- Mannschaft wie Kristiansand in den letzten zehn Minuten noch aufzuholen, war für das Rumpfteam aus dem Enztal dann doch des Guten zu viel.

Wie bereits unter der Woche im Derby bei der Neckarsulmer Sport-Union spielten sich zwei SG-Handballerinnen ins Rampenlicht: Die norwegische Nationaltorhüterin Emily Sando parierte 13 Würfe ihrer Landsleute und erreichte mit 29 Prozent abgewehrten Bällen einen besseren Schnitt als ihre Vipers-Kolleginnen Evelina Eriksson (24 Prozent) und Katrine Lunde (19). Und Lauenroth war mit ihren acht Treffern einmal mehr die erfolgreichste Bietigheimer Werferin – gefolgt von den im Rückraum ebenfalls stark aufspielenden Julia Maidhof (6/2) und Xenia Smits (5).

 

Splitter rund um die SG BBM Bietigheim

Für Nationalteams im Einsatz
Gleich sieben Handballerinnen der SG BBM Bietigheim stehen im DHB-Aufgebot, das am Donnerstag und am Samstag in Lingen gegen Weltmeister Niederlande antritt. Neben der deutschen Kapitänin Kim Naidzinavicius hat Bundestrainer Henk Groener auch Amelie Berger, Antje Lauenroth, Luisa Schulze, Xenia Smits, Julia Maidhof und Kim Braun für die beiden Testspiele nominiert. Torfrau Emily Stang und Rechtsaußen Trine Østergaard sind während der Länderspiel-Pause ebenfalls für ihre Nationalteams Norwegen und Dänemark im Einsatz. Polens Kapitänin und Rekordspielerin Karolina Kudlacz-Gloc musste ihre Turnier-Teilnahme dagegen wegen ihrer Schulterverletzung absagen.

Falsche Schiedsrichter-Herkunft
Vor dem Anpfiff der Champions- League-Partie wurden die Schweizer Schiedsrichter Arthur Brunner und Morad Salah als Franzosen vorgestellt, was mit einer kurzfristigen Umbesetzung des Gespanns zu tun hatte. Hallensprecher Michael Kloiber korrigierte den Irrtum noch in der Anfangsphase – und entschuldigte sich dann auch in der Halbzeitpause nochmals für die falsche Nationenbezeichnung. Die beiden Unparteiischen nahmen der SG den Fauxpas nicht krumm. Bei der Korrektur huschte, bei aller Konzentration aufs Spielgeschehen, sogar ein Schmunzeln über ihre Lippen.

Eulen bezwingen SG-Männer
Die Zweitliga-Handballer der SG BBM Bietigheim haben am Samstag ein weiteres Vorbereitungsspiel gegen einen Erstliga-Vertreter klar verloren. Die Mannschaft von Trainer Hannes Jon Jonsson unterlag bei den Eulen Ludwigshafen vor 250 Zuschauern mit 20:30 (11:17). Paco Barthe, Jonas Link und Christian Schäfer waren mit jeweils vier Toren die besten Bietigheimer Werfer. Bei den Pfälzern trumpfte Pascal Durak groß auf. Der 28-jährige Rechtsaußen, der in der Zweitliga-Saison 2012/13 auch mal für die SG BBM gespielt hatte, erzielte neun Treffer, davon drei per Siebenmeter.⇥ae

 
 
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