Schon lange herrscht zwischen Bürgermeister Florian Bargmann und Teilen des Gemeinderates ein angespanntes Klima. Jetzt wurde daraus ein offener Konflikt. Äußerer Anlass war das Engagement Bargmanns für das Marceting Concept Besigheim (MCB), die Vereinigung der Ladeninhaber, deren zweiter Vorsitzender Bargmann ehrenamtlich ist. Vor einer Woche hatte der Bürgermeister bekannt gegeben, dass der MCB eine „Besigheim Card“ einführt. Das ist eine Gutscheinkarte, die nur in Besigheimer Läden gilt.
Besigheim Attacke auf den Bürgermeister
CDU-Fraktionssprecher Ulrich Gerstetter übt massive Kritik an der Amtsführung von Florian Bargmann. Doch auch andere sind unzufrieden.
Weihnachtsinstallation auf Initiative Bargmanns
Dann wurde bekannt, dass auf Initiative Bargmanns eine großflächige beleuchtete Weihnachtsinstallation auf dem Marktplatz aufgebaut wird, das „Weihnachtswunderland“. Vom ersten Projekt zeigten sich die Stadträte überrascht, das zweite soll Bargmann sogar gegen das Votum des Gemeinderats vorangetrieben haben. Immer wieder gibt es auch Kritik an der Sitzungsführung des Bürgermeisters, der Aussagen und Anträge häufig nicht strukturiert.
Die Attacke kam von Stadtrat Ulrich Gerstetter, dem CDU-Fraktions-Vorsitzenden, im Gemeinderat. Er habe den Eindruck gewonnen, dass Bargmann zuletzt fast nur noch mit seinem Ehrenamt beschäftigt sei, sagte er in der Sitzung am Dienstag. Er wünsche sich innigst, dass Bargmann sich mit gleichem Engagement städtischen Aufgaben widme, dem Freibad, dem Bahnhof, den Vereinen in der Stadt oder auch anderen Bereichen.
„Wenig Chancen auf eine vernünftige Zusammenarbeit“
Im Nachgespräch mit der Bietigheimer Zeitung wurde Gerstetter noch deutlicher. Er sieht wenig Chancen für eine künftige vernünftige Zusammenarbeit zwischen Gremium und Bargmann. Dem Bürgermeister fehle es an Kenntnis von Vorlagen, die von seinen Amtsleitern erstellt werden. Von den Abläufen im Rathaus verstehe er wenig. Das Verhältnis zu den Amtsleitern sei beschädigt. Hilfestellungen und Kritik nehme er nicht an, der Bürgermeister teile sich nicht mit.
Beispiele? Auf Vorschläge seitens der CDU, nach Alternativen für die Finanzierung des schließlich gekündigten On-Demand-Verkehrs zu suchen, habe Bargmann nicht reagiert. Langfristige Überlegungen beispielsweise zur Flächenentwicklung gebe es nicht, fuhr Gerstetter fort. Gespräche mit den Fraktionsvorsitzenden hätten erst stattgefunden, als klar war, dass der Haushalt 2025 unter starkem Druck steht. Mittlerweile sei mehrfach der Ältestenrat einberufen worden.
Andere Stadträte wie Friedrich Köhler, Fraktionschef der Freien Wähler, sind im Ton zurückhaltender, streiten die Probleme in der Zusammenarbeit mit Bargmann aber nicht ab. Es wäre auch ihm recht, wenn Bargmann sich „nicht so arg“ um den MCB kümmern würde, sagte Köhler in öffentlicher Sitzung. Köhler bestätigte gegenüber der BZ eine Stimmung im Gemeinderat, wonach Bargmann „seinen Laden nicht im Griff“ habe. Der Eindruck bestehe, dass es zwischen Bürgermeister und Verwaltung „nicht flutscht“.
Zerstört ist das Verhältnis zwischen Bargmann und dem Gemeinderat noch nicht, meint Thomas Pulli, Fraktionschef des BMU. Aber es ist angeschlagen, sagt er, es hat „ein paar Dellen“. In der Sitzung äußerte er sich verärgert darüber, dass der Gemeinderat über die „Besigheim Card“ so spät informiert worden sei. Wie Bargmann das „Weihnachtswunderland“ gegen das Votum des Gemeinderats vorangetrieben habe, sei ein „Klassiker, wie es nicht laufen sollte“.
„Der Besserungsprozess verläuft zäh“
Dennoch hat Pulli die Hoffnung, „dass Bargmann noch in die Spur kommt“. Erste Ansätze habe es nach der konfliktreichen Sitzung am 9. September gegeben, als Bargmann auf Druck des Gemeinderats die Tagesordnung zusammenstreichen musste (die BZ berichtete). Doch der Besserungsprozess verläuft zäh, findet Pulli. Bargmann müsse die Gemeinderäte bei seinen Entscheidungen ebenso mitnehmen wie seine Amtsleiter und die Bevölkerung, fordert er.
Und der Gescholtene selbst? Im öffentlichen Teil der Sitzung hatte sich Bargmann lediglich für die „Anregungen“ Gerstetters bedankt. Er habe sie nicht als massive Kritik an seiner Amtsführung verstanden, sagte er danach im Gespräch mit der BZ. Sicher habe er in letzter Zeit viel in Sachen MCB unternommen. Möglicherweise sei deshalb der Eindruck entstanden, dass seine ehrenamtlichen Aktivitäten einen zu großen Stellenwert haben. Diese Außenwirkung habe er unterschätzt. Doch „wir kümmern uns um das Tagesgeschäft“, versicherte der Bürgermeister. Diese Arbeit werde von den Kritikern nicht gesehen.
Besprechen des Miteinanders im Gremium
Das Verhältnis zum Gemeinderat sieht Bargmann als „grundsätzlich gut“. Mit Kritik setze er sich auseinander, sagte er. Nach dem Eklat in der Sitzung am 9. September habe er sich mit dem Gemeinderat zusammengesetzt, um das Miteinander im Gremium zu besprechen und zu verbessern. Wenn der CDU-Fraktionschef ihn jetzt „auf diese Art und Weise“ öffentlich kritisiere, „kann ich das nicht ändern.“
