Besigheim Ausbau der Technik dauert Jahre

Von Claudia Mocek
Bevor die Neckarbrücke in Besigheim neu gebaut werden kann, Foto: /Martin Kalb

Von der Vorplanung bis zum Umzug des Kraftwerks in der Neckarbrücke Besigheim dauert es zwei bis vier Jahre, schätzt die EnBW. Dieser wird im Vorfeld eines Neubaus nötig.

Die Planung des Neubaus der Neckarbrücke in Besigheim beschäftigt nicht nur das Regierungspräsidium Stuttgart (RPS) und das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Neckar (WSA). Auch die Energie Baden-Württemberg (EnBW), die das Wasserkraftwerk in der Brücke betreibt, ist davon betroffen. Bei einem Neubau müssen Teile der Anlage übergangsweise aus der Brücke entfernt und später wieder eingebaut werden. Die BZ hat mit dem Leiter Wasserkraft Nord, Tobias Schlageter, und dem Konzernexperten Bauwerkssicherheit und Infrastruktur Wasserkraft, Dr. Jörg Franke, darüber gesprochen, wie sie einen solchen Teilauszug planen, welche Arbeiten auf sie zukommen und wie der Zeitplan aussieht.

„Inklusive der Vorplanung brauchen wir zwei bis vier Jahre, um die Technik aus der Brücke zu holen“, sagt Tobias Schlageter und stellt klar: „Das ist nicht wie bei einem Umzug, bei dem man nur Kisten packen muss.“ Denn in den Schaltschränken unter der Brücke sind zigtausend Signalkabel verbaut, die alle ausgebaut, geprüft und an anderer Stelle wieder angeschlossen werden müssen.

35 Zentimeter Deckenhöhe

Nach der Untersuchung der Brücke (die BZ berichtete), analysieren Gutachter die entnommenen Materialproben, um den Zustand des Bauwerks einschätzen zu können. Das Schifffahrtsamt rechnet damit, dass die Ergebnisse im September vorliegen und die Frage, ob die Brücke für den Pkw-Verkehr wieder freigegeben werden kann, dann mit der Politik diskutiert werden kann. Eine Teilfreigabe würde die angespannte Situation in der Region zwar etwas entlasten, doch eine Öffnung für Lkw gilt als unwahrscheinlich, der Neubau ist beschlossene Sache. Für das Bauwerk sind das WSA und das RPS zuständig, das Regierungspräsidium hat 2008 mit den ersten Planungen für den Neubau begonnen.

Den maroden Zustand der Decke, die über dem Kraftwerk nur 35 Zentimeter dick ist, hätten sie nicht geahnt, sagt Jörg Franke. Auch wenn der Verkehr in den Räumen schon immer deutlich zu hören gewesen sei. Schalterraum, Besprechungszimmer und Meisterbüro: „Wir haben etliche Räume unter der Neckarbrücke“, sagt Tobias Schlageter: „Diese werden derzeit nicht mehr genutzt“, der Aufenthalt der Mitarbeiter im Kraftwerksgebäude sei auf das Nötigste beschränkt. Für alle anderen Arbeiten wurden Ausweichmöglichkeiten geschaffen. „Das sind Einschränkungen, die wir in Kauf nehmen“, sagt er. Für Franke steht an erster Stelle, „dass der Betrieb fortgesetzt werden kann“. Im Moment dürfen nur Fußgänger und Radfahrer die Kanal- und Wehrbrücke passieren. „Das ist bisher kein Problem“, sagt er.

Brandlast und Raumhöhe

Bevor eine neue Brücke gebaut werden kann, müssen Teile des Kraftwerks aus dem Gebäude ausgelagert werden. Die EnBW plant den Umzug, doch bisher sei das nur grob möglich, sagt Franke. Für ein konkreteres Vorgehen müsse erst feststehen, wie genau der Neubau erfolgen soll – wenn Brückenteile über den Neckar geschoben werden sollen, müsse feststehen, von welcher Uferseite aus. Erst dann könne festgelegt werden, an welcher Stelle ein Übergangsgebäude für das Kraftwerk errichtet werden kann. „Wir haben die Planung von RPS und WSA noch nicht gesehen“, sagt Tobias Schlageter. Doch erst aufgrund der konkreten Pläne könne entschieden werden, welche Technik ausgelagert werden muss und wie groß das Ersatzgebäude zum Beispiel für die Schalteranlage sein wird. „Wenn es ein großes Gebäude ist, müssen wir einen Bauantrag einreichen“, erläutert Franke. Dass die Auslagerung zu Beginn des Neubaus stattfinden müsse, sei klar. Doch wann genau, stehe noch nicht fest.

Auch im Hinblick auf den Neubau selbst gibt es aus Sicht der EnBW offene Fragen: Wird zum Beispiel die Raumhöhe im neuen Bauwerk für das Kraftwerk ausreichen oder wäre diese zum Beispiel durch Stützen eingeschränkt? Wie schaut es mit der Brandlast aus: Wie hoch darf künftig die Summe aller brennbaren Materialien sein, die im Falle eines Brandes Energie freisetzen können? Darüber hinaus stünde noch die Frage nach den Kosten im Raum, sagt Franke. Die EnBW zahle den Kredit der Neckar AG für die ganze Wasserstraße ab, „für die Brücke sind wir nicht zuständig, sagt Franke. An der einen oder anderen Stelle sei das Kraftwerk auch vom Denkmalschutz betroffen.

„Der Umbau von Technik ist für uns nicht neu“, sagt Schlageter. Alle 25 bis 35 Jahre muss diese in den 60 Wasserkraftwerken im Land getauscht werden. Auch wenn der letzte Tausch in Besigheim schon relativ lange zurückliegt, gibt es dazu Dokumentationen. Er geht davon aus, dass bei einem Brückenneubau pro Jahr eine der zwei Turbinen im Bestand umgebaut werden kann. Die Kunst bestehe darin, Anlagenteile außer Betrieb zu nehmen, während andere weiterlaufen. Der Umbau sollte aus EnBW-Sicht möglichst in wasserarmen Zeiten erfolgen, damit eine Turbine den Betrieb abarbeiten und der Erzeugungsverlust minimiert werden kann. Das sei zu einem Großteil des Jahres auch möglich. Den Betrieb während der Bauzeit komplett einzustellen, sei hingegen keine Option, da die Wehranlage neben dem Kraftwerk über die Turbinen mit Strom versorgt wird. Für Jörg Franke steht fest: „Beim Neubau der Brücke müssen alle mitmachen, um zu einer pragmatischen Lösung zu kommen.“

 
 
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