Besigheim B 27-Untertunnelung wird vorbereitet

Von Uwe Mollenkopf
Die Baustelle für die Süddeutsche Erdgasleitung zwischen Bietigheim und Besigheim. Als Nächstes wird die B 27 unterquert. Foto: /Martin Kalb

Die Süddeutsche Erdgasleitung (SEL) kreuzt zwischen Bietigheim-Bissingen und Besigheim die Bundesstraße 27. Die Querung geschieht unterirdisch. Ein Besuch auf der Baustelle.

Seit Frühjahr 2025 baut das Unternehmen Terranets BW den 43 Kilometer langen Abschnitt der Süddeutschen Erdgasleitung (SEL) von Löchgau bis Esslingen. Auf dieser Strecke quert die SEL einige Flüsse und Straßen – darunter auch die Bundesstraße 27 zwischen Besigheim und Bietigheim. Wie dies geschieht, darüber informierte die Terranets BW am Mittwoch bei einem Baustellenbesuch.

Vier Meter unter der Straße

Simon Friedrichs, der auf der Baustelle der ARGE, einer Arbeitsgemeinschaft von vier Firmen, die für die Terranets die Arbeiten an der Leitung ausführt, die Bauaufsicht hat, zeigt auf eine Spundwand östlich der B 27. Diese umfasst die Baugrube, in der in drei bis vier Wochen die Vortriebsanlage zum Einsatz kommen wird. Mit dieser Maschine wird ein Mikrotunnel unter der B 27 hindurch getrieben, in dem dann die Rohre mit einem Meter Durchmesser verlegt werden, vier Meter unter der Straße und 3,40 Meter unter dem Radweg hindurch. Die Tunnellänge beträgt 27 Meter, mit einer Steigung von sieben Prozent. Es sei ein schwacher Bogen in den gegenüberliegenden Steilhang hinein nötig, beschreibt Friedrichs die Aufgabe, das sei „technisch herausfordernd, aber machbar“.

Bis Mitte Oktober

Wenn alles planmäßig verläuft, dauern diese Arbeiten eine Woche, sagt Friedrichs, das heißt bis Mitte Oktober könnten sie abgeschlossen sein. Der große Vorteil vor einer offenen Bauweise: Die Bohrung hat keine Auswirkungen auf den Verkehr. Nur zum Herantransport von Gerät werde es nötig, die B 27 halbseitig zu sperren, sagt Friedrichs.

Die Bauarbeiten im Enztal seien generell sehr herausfordernd, weiß Marcella Kugler, die Sprecherin von Terranets BW. Der Enzhang im Osten mit einem Höhenunterschied von rund 120 Metern, die Bahnlinie, die Enz, die B 27 und dann nochmals der Enzhang im Westen müssen überwunden werden. „So einen Abschnitt hatten wir noch nirgendwo“, sagt Kugler. Doch die Unterquerung der Enz und der Bahngleise wurde bereits bewältigt, ein Leitungsabschnitt, der sich ein Stück weit den Osthang hinaufzieht, liegt bereits. Dort, am Osthang, läuft auch gerade die weitere Leitungsverlegung, was mit dem sogenannten Seitenbaum geschieht.

Rohrgraben ist vorbereitet

Wenn die Leitung unter der B 27 liegt, geht es auf dem Westhang weiter, wo die 20 Meter breite Trasse mit dem Rohrgraben schon vorbereitet wurde. Erosionsriegel aus Beton sichern letzteren vor der Auswaschung, erklärt Zeljko Pratljacic, der Leiter des Bauabschnitts. Die Verlegung der Rohre am Hang geschieht dann wieder mit dem Seitenbaum, von unten nach oben, um der Rutschgefahr vorzubeugen. Auf der Fläche jenseits des Hangs Richtung Löchgau markieren Pfosten den weiteren Trassenverlauf.

Der Bau der Süddeutschen Erdgasleitung geschieht nicht fortlaufend von A nach B, sondern es werden an verschiedenen Stellen parallel Abschnitte fertiggestellt, bis am Ende alles miteinander verbunden wird, erläutert Marcella Kugler. Im Fachjargon nennt man das Taktbaustelle. So wird parallel zum Bau des Mikrotunnels unter der B 27 im Enztal in Ludwigsburg der Neckar gequert, allerdings in einem anderen Verfahren.

Derzeit arbeiten auf der Baustelle, die sich auf Besigheimer Markung befindet, teilweise aber direkt auf der Grenze nach Bietigheim-Bissingen verläuft, rund 20 Menschen. Zuvor waren es auch schon mehr, zwischen 40 und 50. 13 Baumaschinen werden gerade auf der Baustelle gebraucht.

Bis Mitte 2026 soll auf dem 43 Kilometer langen Bauabschnitt die Leitung fertig sein, beschreibt die Sprecherin den Zeitplan. Für die Rekultivierung, die sich an den Einbau der Rohre anschließt, gebe es noch keinen konkreten Zeitplan. Ziel sei aber, die Flächen bis gegen Ende 2026 „winterfest“ zu machen. Für die Rekultivierung wurde der Oberboden entlang der Trasse aufgeschichtet, um ihn später wieder aufzubringen. Danach wird neu eingesät.

Länger werde es dauern, die Trockenmauern am Enzhang Richtung Löchgau, die für den Leitungsbau beseitigt wurden, wieder aufzubauen, so Marcella Kugler. Ähnlich wie im vorangegangenen Bauabschnitt von Heilbronn bis Löchgau, wo alles rekultiviert sei, außer im Steinbachtal bei Löchgau. Bei Terranets gibt es für solche Zwecke ein Team von Bodenexperten, ebenso habe man ein ökologisches Team, sagt Kugler. Ziel sei es, die Eingriffe in die Landschaft so gering wie möglich zu halten.

 
 
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