Besigheim Bahnfahren wird zur Glückssache

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Der völlig überfüllte Abellio-Kurzzug im Besigheimer Bahnhof. Die Pendler sind verärgert. ⇥ Foto: Thomas Pulli

Der Start der neuen Bahnbetreiber Abellio und Go-Ahead war alles andere als gelungen.

Mitte Dezember 2019 startete Go-Ahead unter anderem den Betrieb des Regionalexpress von Würzburg nach Stuttgart mit Halt in Bietigheim-Bissingen. Abellio bedient seitdem die Regionalbahnverbindung von Heilbronn nach Stuttgart. Auch einzelne moderne Go-Ahead-Züge halten als Regionalexpress an allen Bahnhöfen, wie der um 6.29 Uhr ab Besigheim – der aber mehrmals ausfiel.

Was für Pendler so wichtig wäre, funktioniert offenbar kaum. Nutzer der Strecke berichten im Weblog der Frankenbahn von Zügen, die etwa den Halt Besigheim ausfallen lassen sowie über viel zu kurze Züge.

Stehen ab Lauffen

Waren die alten Doppelstockwagen der Bahn in Stoßzeiten schon gut ausgelastet, so fahren nun in der Regel drei S-Bahn-Waggons, bei denen schon ab Lauffen Stehen angesagt ist. Zugausfälle aufgrund von Personalmangel und fehlende Information über Verspätungen ärgerte die Bahnreisenden zudem.

„Äußerst ärgerlich empfanden die 500 Wartenden am Bahnsteig, dass es keine Durchsagen zu den Zugausfällen gab, obwohl diese Stunden dauerten. Offensichtlich spart sich die Bahn diese Serviceleistung bei den Fremdanbietern ein“, kritisiert ein Pendler.

Auch am 7. Januar war noch keine Besserung in Sicht. Ein Pendler kritisierte ebenfalls die Miniwagen, die nach Stuttgart stets überfüllt sind. „Der Sparwahnsinn nimmt kein Ende. Aber ich gebe dem jetzt noch ein paar Monate, dann reichen die Züge vollkommen aus. Weil dann nämlich alle, die die Möglichkeit haben, auf das Auto umzusteigen, nicht mehr mit dem Zug fahren“, so sein Kommentar.

Die Regionalbahn von Abellio hat inzwischen keine  größeren Ausfälle, aber immer noch  zu wenig Plätze. Beim Regionalexpress von Go-Ahead werden ebenfalls das mangelnde Platzangebot, dazu noch defekte Türen oder fehlende Halteschlaufen kritisiert. Die Bahn-App sei nutzlos und es mangele an Durchsagen für die Fahrgäste.

„Der Start war sehr holprig“, beschreibt der Besigheimer Thomas Pulli, der mit seiner Frau mit der Bahn pendelt, die ersten Wochen. Wenn der Go-Ahead-Zug um 6.29 Uhr ausfalle, sei danach nur ein völlig überfüllter Abellio-Kurzzug gekommen, in den man gar nicht mehr einsteigen konnte. „Die Tür ging auf, aber keiner konnte mehr einsteigen“, so seine Erfahrung an einem Arbeitstag. Inzwischen hat sich die Situation anscheinend ein wenig gebessert.

„Letzte Woche hat es einigermaßen funktioniert“, berichtet der Besigheimer BMU-Stadtrat, der über jeden Go-Ahead-Zug glücklich ist, der einigermaßen pünktlich kommt. In den Folgezug mit den drei Waggons  ist er im Dezember dann nicht eingestiegen.

Auch auf der Murr-, Rems- und der Filstalbahn hagelt es Kritik der Reisenden an Go-Ahead, die teils wegen nicht gelieferten Zugmaterial alte Bahnwaggons von Subunternehmern fahren lassen. Die vom Land bestellten und bezahlten Kapazitäten würden nicht gestellt, was bereits in der letzten Woche zu einem Krisengipfel mit dem Verkehrsministerium führte.

Verkehrsminister Winfried Hermann hat darin von der Geschäftsführung von Go-Ahead Baden-Württemberg rasche Lösungen bei den Kapazitäts- und Qualitätsproblemen auf den neu betriebenen Strecken verlangt. Das Unternehmen erfülle die vorgegebenen Kapazitätsanforderungen vielfach nicht, was insbesondere im Berufsverkehr gelte. Hinzu kämen zuletzt zu viele personalbedingte Ausfälle ganzer Zugfahrten. Dass es besonders für Pendler zu Engpässen kommt, ist auch für das Ministerium nicht hinnehmbar.

Land will aufstocken

Inzwischen will das Land bis 2030 wieder Doppelstockzüge anschaffen, die deutlich mehr Fahrgäste aufnehmen können und mit kürzeren Bahnsteigen auskommen. Bis zu 220 derartige Züge mit je 860 Sitzplätzen, mindestens aber 120 Züge mit einer Länge von 200 Meters sollen dann im Land zum Einsatz kommen.

 
 
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